Drei Kirchen und die ehemalige Synagoge waren Ziel der Kirchenwanderung des Museums. Über 30 "Wanderer" ließen sich von Museums- und Kirchenmitarbeitern zur Geschichte dieser Gebäude informieren.

Wolmirstedt l Ein Bollerwagen ist das Markenzeichen der abendlichen Wanderungen des Museums. Darin haben Museumsleiterin Anette Pilz und Kirchenführer Jörg Bonewitz leckere Sachen wie Schokolade, Schnittchen und Likör verstaut. Mit diesen Köstlichkeiten versüßen sie die kurzen Wege zwischen den einzelnen Stationen.

In der Katharinenkirche zog Kantorin Stefanie Schneider an der Orgel alle Register. "Die Redewendung bezieht sich darauf, dass die Orgel nun mit voller Kraft spielt", sagte sie und demonstrierte eindrucksvoll das maximale Klangvolumen des Instruments.

In der katholischen Kirche empfing der Ruhestandspfarrer Peter Zülicke die Besucher. Die recht junge Kirche wurde 1935 gebaut, als Inspiration diente die Schlichtheit des Bauhausstils. "Die Bauherren wollten hinführen auf das Wesentliche", sagt Zülicke, und das sei nun mal Jesus. Der ist als Mittelpunkt eines Bildes über dem Altar dargestellt, während eines Mahls. "Das ungewöhnliche ist der Fisch, der auf diesem Tisch steht", erklärte Zülicke das Bild, "aber der Fisch galt einst als geheimes Zeichen der Christen. Sobald sich zwei Menschen trafen und einer von ihnen mit dem Fuß einen Fisch in den Sand malte, verstand der andere, dass er einen Christen vor sich hatte." Noch heute haben Fische als Autoaufkleber dieselbe Bedeutung.

Das Haus der katholischen Gemeinde stand im Weg

Im Gottesdienst der katholischen Kirche sitzen regelmäßig rund 60 Menschen. Das war nicht immer so. Nach der Reformation gab es in Wolmirstedt keine katholische Kirche mehr. Katholiken liefen zum Gottesdienst nach Groß Ammensleben. "Mit Beginn der Industrialisierung kamen Menschen aus anderen Gegenden hierher, auch aus dem Eichsfeld", erzählt Zülicke. Das Eichsfeld gilt noch heute als katholisch geprägt und als die Eichsfelder nun die katholische Gemeinde verstärkten, machte sich regelmäßig ein Pfarrer auf den Weg nach Wolmirstedt und feierte Gottesdienste in Wohnzimmern. Später bekam die katholische Gemeinde ein eigenes Haus in der August-Bebel-Straße. Das stand im Weg, als eine Straße zum Krankenhaus gebaut wurde, die Friedrich-Ebert-Straße. In dieser Straße erhielten die Katholiken das Grundstück, auf dem die Kirche 1935 gebaut wurde. "Sie gab besonders nach dem zweiten Weltkrieg vielen Flüchtlingen und Vertriebenen aus Schlesien und Ostpreußen ein Stück Heimat", so Zülicke.

Vor der katholischen Kirche wachsen zwei besondere Bäume. "Die beiden Maulbeerbäume haben schon die Seidenraupen ernährt, die das Museum vor zwei Jahren gehütet hat", erzählt Anette Pilz.

Jörg Bonewitz berichtete während einer kurzen Rast vom einstigen Wolmirstedter Bürgermeister Eisenhart. "Eisenhart hat im 19. Jahrhundert das Küchenhorn vor der Abholzung gerettet und die ordentliche Nummerierung der Häuser durchgesetzt", erzählt der Museumsmitarbeiter, "und ich würde mir wünschen, dass eine Straße nach ihm benannt wird."

In der neuapostolischen Kirche wurde die Wandergruppe von Holger Wienecke empfangen, der reichlich Fragen zum neuapostolischen Glauben beantwortete und die Orgel vorführte.

Die 1842 in der Ganggasse errichtete jüdische Synagoge gibt es nicht mehr. "Sie wurde um 1920 zum Wohnhaus umgebaut", erzählt Anette Pilz vor Ort, "einfach deshalb, weil es in der Stadt zu wenig Menschen jüdischen Glaubens gab."

Die abendlichen Wanderungen werden vom Museum seit zehn Jahren angeboten. "Ich habe damals in Magdeburg-Sudenburg so eine Führung mitgemacht und war begeistert", erzählt Anette Pilz, "ich sagte zu Jörg Bonewitz, lass uns das mal versuchen, vielleicht kommen zehn Leute." Es kamen mehr, bis zu 60 Menschen sind der Truppe mit dem Bollerwagen an manchen Abenden gefolgt. Manche können über die Jahre schon als Stammgäste bezeichnet werden.

Neben der Kirchenwanderung gibt es eine Schlosstour und eine Tour durch die Altstadt. Auf Wunsch bietet das Museum die Touren auch für geschlossene Gruppen an, für Klassentreffen oder zu Jubiläumsfeiern.

Die nächste Tour rund um die Schlossdomäne ist für Dienstag, den 7. Oktober, geplant.