Der Kleingartenverein "An der Ebendorfer Straße", der sich kurz nach dem 1. Weltkrieg gründete, ist 90 Jahre alt geworden. Mit einem kleinen Fest feierten die Pächter den Geburtstag und blickten auf die Entwicklung der Anlage zurück.

Barleben l Pächter und andere Gartenfreunde haben am Sonnabend das 90-jährige Bestehen der Sparte "An der Ebendorfer Straße" gefeiert. Unter die Gäste mischte sich auch Barlebens Bürgermeister Franz-Ulrich Keindorff, dem die Kleingärtner ihren Dank aussprachen. "Denn er begleitet schon über viele Jahre hinweg unseren Kleingartenverein. Er kennt sich hier gut aus, denn er ist hier als Kind groß geworden", erklärt Armin Bartz, Schriftführer im Vorstand des Vereins.

"Die Gemeinde stellte preiswertes Pachtland zur Verfügung."

Armin Bartz, Vorstandsmitglied

Als der Ebendorfer Kleingartenverein 1924 gegründet wurde, hatten die Menschen noch mit den Nachwehen des Ersten Weltkrieges zu kämpfen - Hunger und Armut bestimmten den Alltag. Etwas Abhilfe schafften die Schrebergärtchen. "Die Gemeinde stellte in Barleben preiswertes Pachtland zur Verfügung und half neben Fleiß und Eigenarbeit der Pächter mit, den größten Hunger zu lindern", erläutert Armin Bartz. "Nach dem Zweiten Weltkrieg sah die Situation noch miserabler aus. Wer keinen Garten hatte oder eigenes Land, der musste bis in die 1960er Jahre viel auf frisches Obst und Gemüse verzichten", ergänzt das Vorstandsmitglied.

Anfang der 70er Jahre habe sich das Kleingartenwesen in Barleben erheblich gewandelt. "Mit dem riesigen Neubaugebiet in Magdeburg Nord kamen wieder viele Interessenten dazu", sagt Bartz. Diejenigen, die eine Parzelle in der Gartensparte "An der Ebendorferstraße" ergatterten, haben sich glücklich schätzen können.

In der Zeit zwischen 1975 bis 1988 wurde die gesamte Anlage an das Stromnetz angeschlossen, zusätzlich wurde eine eigene Wasserversorgungsanlage geschaffen. "Viele Kleingärtner stellten sich die damals üblichen Bungalows vom Typ B32, B22 oder GL19 auf", erinnert sich Bartz. Seit 1990, fügt er hinzu, habe das Kleingartenwesen "politisch und planerisch nicht mehr den Stellenwert, den es eigentlich verdient".

Inzwischen sei der Kleingarten für alle, die genügend Geld haben, zur unmittelbaren Versorgung mit Obst und Gemüse nicht mehr erforderlich. "Eines kann man aber nicht ersetzen: Wir ernten aromatischere Früchte, Kleingärtner sind in Bewegung, halten im Verein zusammen und übernehmen heute eine hohe sozialpolitische Verantwortung für die sozial Schwachen", betont Armin Bartz. Kleingärten bezeichnet er als das "lokale Grün für alle". "Dieses Grundanliegen wird in der Gemeinde Barleben anerkannt, gepflegt und tatkräftig unterstützt. Es war uns als Verein daher eine Ehre, die kommunalen Vertreter auf unserem Vereinsfest zum 90. Jahrestag begrüßen zu dürfen."

Nach dem Kaffeenachmittag in der Sparte ließen die Geburtstagsgäste den Abend mit einer Disco ausklingen. "Der Vorstand des Vereins bedankt sich bei den vielen Helfern - ohne den Fleiß der Mitglieder würde solch eine große Ver- anstaltung nicht funktionieren."