In Wolmirstedt, Barleben und der Niederen Börde leben viele interessante Menschen. Wir begleiten einige von ihnen eine Stunde lang bei der Arbeit oder bei ihrem Hobby. Folge 11: Zu Besuch beim Standesamt in Wolmirstedt.

Wolmirstedt l Raus aus der Alltagskleidung und rein in das elegante Kleid: Kornelia Werner hat in ihrem Büro nicht nur einen Arbeitsplatz, sondern zeitweise auch einen Kleiderschrank. Die 54-jährige Standesbeamtin bereitet sich gerade auf eine Hochzeit vor. "Das lässt sich besser machen, wenn ich dafür passend angezogen bin", sagt Kornelia Werner und lächelt.

Zusammen mit den Trauzimmern in der Schlosskapelle und im Kaminzimmer auf der Schlossdomäne bietet das moderne Standesamt im Rathaus eine von drei Möglichkeiten für Paare, in Wolmirstedt zu heiraten. Das Besondere hier: Die Heiratswilligen sitzen nicht mit dem Rücken zu ihren Gästen, sondern von Angesicht zu Angesicht. "Das ist mal was anderes. Außerdem gibt es in diesem Raum keine Ecken und Kanten, alles ist rund", erklärt Kornelia Werner. "Es gibt also keinen Anfang und kein Ende, wie es auch in einer Ehe sein sollte."

In den Minuten bevor das Paar an diesem Tag eintrifft, sortiert Kornelia Werner noch einmal ihre Unterlagen. Die einzelnen Blätter ihrer langen Rede steckt sie in die Klarsichtfolien ihrer Mappe. "Wenn Paare Wünsche haben oder persönliche Informationen in meine Rede mit einfließen lassen wollen, passe ich meine Texte daran an. Aber auch ohne spezielle Anliegen der Paare variiere ich meine Reden von Hochzeit zu Hochzeit. Dieses Mal steht besonders das Thema Glück im Vordergrund", erzählt Kornelia Werner. Im hinteren Teil ihrer Mappe steckt die Standesbeamtin ein paar handschriftliche Notizen hinein. "Das ist eine Gedankenstütze für mich, falls ich zum Beispiel den Namen des Ringkindes vergessen sollte."

Anschließend nimmt die Standesbeamtin zwölf Sektgläser aus einem Schrank im Flur des Gebäudes und platziert sie für den Sektempfang nach der Trauung auf einem Tisch vor dem Trauzimmer. Die letzten Vorbereitungen müssen jetzt schnell gehen, denn die ersten Gäste sind meist überpünktlich, weiß Kornelia Werner. "Ich muss nur noch die Tür entriegeln, sonst komm keiner hier rein. Und ich muss die Überreichungsmappe schon in das Trauzimmer legen." Darin befinden sich alle für das Paar wichtigen Dokumente, unter anderem die Eheurkunde und die Bescheinigung über die Namensänderung.

Kurze Zeit später begrüßt Kornelia Werner die ersten Gäste und zieht sich danach noch einmal in ihr Büro zurück. "Jetzt kümmere ich mich noch um die Technik", sagt die Standesbeamtin. Musik und Beleuchtung werden voreingestellt und über eine Fernbedienung gesteuert. "Das Hochzeitspaar hat mir Musik vorbei gebracht, die ich während der Eheschließung spielen werde." Ein "Bitte nicht stören"-Schild hängt Kornelia Werner noch an die Außentür und bittet dann alle Gäste in das Trauzimmer. Für die Standesbeamtin ist der Ablauf zwar Routine, dennoch sei sie immer wieder angespannt. Denn: Für die jeweiligen Hochzeitspaare ist die Trauung eine meist einmalige Erfahrung. "Für die Hochzeitsgesellschaft ist dieser Tag etwas Besonderes und dazu möchte ich beitragen", erklärt Kornelia Werner.

Sie wartet, bis bei den Gästen Ruhe eingekehrt ist und startet mit ihrer Fernbedienung das erste Lied. Dann beginnt die Standesbeamtin mit ihrer rund 2o-minütigen Rede. "Es ist eine meiner schönsten Aufgaben, Paare zu trauen", erklärt sie. Neben Eheschließungen sind Standesbeamte auch für die Beurkundung von Sterbefällen und Ahnenfortschreibung zuständig.

Nach der Trauung lässt Kornelia Werner die Hochzeitsgäste im Flur mit Sekt anstoßen und verschickt in ihrem Büro währenddessen elektronisch die neuen Informationen über den Familienstand des Paares an verschiedene Behörden, unter anderem an das Geburtenregister. "Ich versehe die Unterlagen mit meiner elek tronischen Signatur, drucke sie aus, stemple sie mit dem städtischen Siegel und hefte sie ab", erläutert Kornelia Werner. Mit diesem Schritt ist dann auch für die Standesbeamtin die Hochzeit abgeschlossen.