Dr. Detlef Gärtner wird der nachweisbar vierte Hundisburger in Quingdao sein. Gerade ist der Germanist zu seinem neuen Arbeitsort in China aufgebrochen, um an der Quingdao-Universität deutsche Sprache und Literatur zu unterrichten.

Hundisburg/Qingdao l Detlef Gärtner freut sich auf seine neue Aufgabe. Der 62-Jährige hat schon viele Jahre im Ausland unterrichtet, besonders im asiatischen Raum. Doch in Qingdao, dem einstigen deutschen Kolonial-Handelsstützpunkt in China, war er noch nicht. Dafür aber andere Hundisburger vor ihm. Von Fritz Seidel weiß er genau, dass sein Großvater in Qingdao im Einsatz war. Auch zwei weiter Hundisburger haben ihm erzählt, dass ihre Vorfahren dort in Uniform das Deutsche Reich vertreten haben. Das ist allerdings 100 Jahre her.

China ist Dr. Detlef Gärtner und seiner Frau Beata nicht fremd. Von 1996 bis 2002 lehrte der Hundisburger an der Universität in Peking, von 2004 bis 2011 in Ulan-Bator in der Mongolei. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD)hat diese Einsätze für Detlef Gärtner organisiert. Vor der Zeit in China und der Mongolei war der Germanist - schon vor der Wende - in Polen im Einsatz. Dort hat er auch seine Frau Beata kennengelernt, eine Musikpädagogin, bei der er Gitarrespielen gelernt hat. Seitdem reist er nicht mehr mit dem Akkordeon, sondern mit der Gitarre. Zu seinem Deutschunterricht gehört neben Literatur auch Kulturgeschichte und Landeskunde, und das sind auch deutsche Sitten und Bräuche und - deutsche Lieder.

Eigentlich sei er ja mal ausgezogen, um Deutsch- und Musiklehrer zu werden und dann den Chor in Hundisburg zu dirigieren, sagt er mit einem Schmunzeln. Zumindest aus dem Chor wurde nichts, aber immer wenn er in Deutschland ist, singt er im Männerchor seines Heimatortes mit und dirigiert auch in Ausnahmefällen.

Nach den Richtlinien des DAAD müssen die Lehrkräfte nach Auslandseinsätzen immer mindestens zwei Jahre in Deutschland bleiben, bevor sie wieder ins Ausland geschickt werden. Detlef Gärtner hat diese Zeit hinter sich und freut sich, noch einmal in China unterrichten zu können. Dass es diesmal die Qingdao-Universität ist, freut ihn besonders. Denn die Stadt hat eine deutsche Geschichte.

Deutschland bemühte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wie auch Großbritannien, Russland und Frankreich, in China Fuß zu fassen und dort einen Handelsstützpunkt zu errichten. 1896 bot sich der Reichsregierung die Gelegenheit, China ein Ultimatum zu stellen, Deutschland ein Pachtgebiet zu überlassen. Bei einem Übergriff auf deutsche Missionare wurden zwei von ihnen getötet. Daraufhin entsandte das Deutsche Reich ein Kreuzergeschwader der Kaiserlichen Marine. China gab angesichts des militärischen Drucks nach und unterzeichnete am 6. März 1898 einen Pachtvertrag auf 99 Jahre. Bis 1914 stand Qingdao als Hauptstadt des "Deutschen Schutzgebiets Kiautschou" unter deutscher Herrschaft. Nach Beginn des ersten Weltkriegs, und zwar am 7. November 1914, wurde Qingdao nach drei Monaten Belagerung von Japan besetzt. Die 3000 Deutschen konnten der japanischen Übermacht nicht standhalten. 1922 wurde Qingdao an China zurückgegeben.

Deutsche Spuren aber sind geblieben, zum Beispiel ist der deutsche Baustil noch gegenwärtig. Es gibt noch den Bahnhof, eine protestan- tische Kirche und die Residenz des Gouverneurs. Vor allem aber die ehemals deutsche Brauerei, in der in deutscher Tradition gebraut wird, das Tsingtao-Bier wird weltweit vertrieben. Seit 1991 wird auch alljährlich das Qingdaoer Bierfest - ähnlich dem Münchner Oktoberfest - veranstaltet. Seit 2012 gibt es eine Direktflugverbindung der Lufthansa zwischen Frankfurt und Qingdao. Und die Stadt am Gelben Meer, in der heute mehr als acht Millionen Menschen leben, ist einer der wenigen bedeutenden Badeorte in China.

Aus der deutschen Zeit von Qingdao haben sich übrigens auch deutsche Begriffe erhalten. Der Kanaldeckel heißt "Gu Li", und eine Dame "Da Ma". Vielleicht entdeckt der Germanist Detlef Gärtner noch weitere Wörter mit deutschem Wortstamm...

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