Auf der Baustelle an der Gutenberg-Schule wird noch eifrig gearbeitet. Zum ersten Schultag wird das Gebäude nicht fertig sein. Vorraussichtlich ab November können Schüler dort berufsorientierend lernen.

Wolmirstedt l Helmut Thiel, Schulleiter der Gutenberg-Schule, lässt sich trotz der Verzögerung nicht aus der Ruhe bringen. "Wir beginnen mit dem berufsorientierenden Lernen trotzdem, nur leider noch nicht in den Werkstätten", sagt der Schulleiter.

Neben Ausschreibungsverzögerinnen war ein Grund für die Bauverzögerung ein dreister Kabeldiebstahl. "Die Türen wurden aufgebrochen und die Elektrokabel abgeschnitten", sagt Helmut Thiel. Das sei kein Dumme-Jungen-Streich gewesen, ärgert sich der Schulleiter, zumal nun alles erneuert werden muss.

Der Umbau der Turnhalle zu Werkstätten kostet rund 3,5Millionen Euro und wird von der Europäischen Union und vom Landkreis finanziert. In acht verschiedenen Werkstätten können Schüler der Gutenberg-Schule handwerklich und wissenschaftlich arbeiten, je nachdem, ob sie den Realschulabschluss oder das Abitur anstreben. Auf alle Fälle verlassen sie ihre Klassenräume und widmen sich Dingen, die ihnen im Berufsleben wieder begegnen können.

Das Herz der Techniker kann in der Werkstatt für Elektrik und Mechatronik aufgehen. Wer es Grün mag, wird sich in der Ökologiewerkstatt der Aufzucht oder Erforschung von Pflanzen widmen. Handwerksfreaks können in der Mechanikerwerkstatt schrauben oder sich in der Installations- und Malerwerkstatt ausprobieren. Wer gerne anderen eine schöne Zeit bescheren will, übt dafür in der Werkstatt für das Hotel- und Gaststättenwesen. Künftige Buchhalter können in der Verwaltungswerkstatt ihrer Bestimmung folgen und dort den Papierkram für die Schülerfirmen der Gutenberg-Schule in Schuss halten. Die achte Werkstatt dient der Herstellung von Unterrichtsmitteln, wie Arbeitsblättern. Für jede Werkstatt gibt es Partnerbetriebe aus der Region.

"Lernen muss heute anders definiert werden", sagt Helmut Thiel, "das Wissen hat sich seit meiner Schulzeit vertausendfacht. Das bedeutet, es kommt inzwischen darauf an, dass Schüler Kompetenzen erwerben, mit denen sie sich immer neues Wissen aneignen und dieses Wissen anwenden können."

Die Gutenberg-Schule ist inzwischen mehr als eine Ganztagsschule, sondern hat sich zur Gemeinschaftsschule gemausert. Das bedeutet, dass Schüler dort bis zum Abitur lernen können. Das ist brandneu und die Gutenberg-Schule gehört damit wieder zu den Vorreitern im Land. Und weil das so neu ist, beginnen die Schüler der fünften und sechsten Klassen damit. Die Schüler der siebten und achten Klassen sind im Sekundarschulbereich schon zu intensiv verhaftet, aber sie werden befähigt, das Abitur abzulegen, müssen dafür aber ein Gymnasium oder Fachgymnasium besuchen. Die Schüler der neunten und zehnten Klassen bekommen noch den klassischen (erweiterten) Realschulabschluss.

Die erfolgreiche Arbeit in den berufsvorbereitenden Werkstätten bescheinigt den Schülern in jedem Fall einen Realschulabschluss oder ein Abitur mit besonderen Qualifikationen.

"Im Unterricht arbeiten die Schüler nach wie vor gemeinsam", sagt Helmut Thiel, nur an unterschiedlichen Aufgabenstellungen, je nach angestrebtem Abschluss." Das Konzept scheint gut anzukommen. "Unsere Schule ist fast aus- gebucht", sagt der Schulleiter.

Die Werkstätten sollen im Rahmen einer Zusammenarbeit auch von Schülern der umliegenden Sekundarschulen genutzt werden können.

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