Mit einem musikalisch-literarischen Programm wurde im Bürgerhaus der 2. Teil der Erzähl-Triologie "Ohne Umwege" von Otto Zeitke vorgestellt. Auch die Fortsetzung trägt unverkennbar biografische Züge. Wie der Wolmirstedter selbst kommt sein Buchheld zur Marine.

Wolmirstedt l Kurz vor seinem 90. Geburtstag hat sich Otto Zeitke selbst und viele seiner Anhänger mit einem neuen, seinem 18. Buch beschenkt. Am Mittwoch wurde in einer kleinen Runde im Festsaal des Bürgerhauses die Premiere des 2. Teils von "Ohne Umwege" gefeiert. Dazu hatte er gleich drei Frauen als "Geburtshelfer" an seiner Seite: Lektorin Cornelia Heller, Vorleserin Marianne Döring sowie Karin Gutsche, die mit Mundharmonika und Akkordeon für den musikalischen Part sorgte. Die zumeist etwas älteren Besucher, darunter viele Weggefährten und Zeitkes Familie, hatten es sich in Sesseln und mit einem Gläschen bequem gemacht.

Als gleich zu Beginn auf dem Akkordeon "Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern" erklang, ahnten die meisten, wohin die Lesereise ging. Der Wolmirstedter Schriftsteller breitete die Arme aus und rief: "Wir fahren jetzt mal alle gemeinsam zur See". Gut eineinhalb Stunden dauerte die spannende Kreuzfahrt auf dem Meer, Lesungen wechselten sich mit passenden Seemannsliedern ab, die viele der Zuhörer textsicher mitsangen.

Im ersten Teil hatte die Jugend in der Nazizeit eine große Rolle gespielt. Auch der junge Held Wilm Rodewind war der Verführung durch die braunen Hemden erlegen. Die schonungslose Offenlegung der Gefühle des Jungvolks war im Vorjahr bei der Premiere des 1. Teils hoch gelobt worden. Auch bei der Fortsetzung kam die Ehrlichkeit, mit der Zeitke den weiteren Lebensweg seines Protagonisten beschreibt, gut an.

"Ich habe vieles ähnlich erlebt. So war es nun mal", sagte Rudolf Schulze. Der 85-jährige Wolmirstedter besuchte mit 14 Jahren eine Lehrerbildungsanstalt, als er kurz vor Kriegsende noch in ein Wehrertüchtigungslager kam. Otto Zeitke betont auch bei der Vorstellung des 2. Teils, dass er keine Biografie geschrieben hat. Biografische Züge aber sind unverkennbar. Denn wie er selbst zieht Wilm nun mit Millionen anderer junger Männer in den Krieg. Endlich kann der 17-jährige "Taugenichts", wie er immer wieder im Buch genannt wird, dem engen Familien-Korsett entfliehen.

Als er das erste Mal seinen Seesack packt, um bei der Marine als Feuerwerker anzuheuern, glaubt er sich am Ziel seiner Träume. Wie die letztlich zum Albtraum werden, kann man in den sechs Kapiteln des 179 Seiten starken Buches nachlesen. Wilm kehrt als 21-Jähriger körperlich unversehrt, aber mit Narben am Herzen aus dem Krieg zurück.

Zum Schluss des Buches lässt Zeitke seinen Helden angesichts des zerstörten Magdeburgs resümieren: "Die Kapitulation hat mich von der Verpflichtung befreit, einem Vaterland, das es nicht mehr gab, zu dienen. Wer würde einen Scherbenhaufen denn noch Vaterland nennen."

Konrad Riedel aus Magdeburg, 1943 geboren: "Ich bin gespannt auf den 3. Teil, der in der Nachkriegszeit spielen wird." Zeitke kündigt den letzten Teil der Erzähl-Triologie für 2015 an.

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