Nördlich vom jetzigen Bahnsteig sollte 2014 eine neue Unterführung mit Aufzügen entstehen. Die Bahn hat dieses Projekt in weite Ferne geschoben. Auch eine Brücke über die Bahn Richtung Handwerkerring wird es vorerst nicht geben. Eine Besserung ist hingegen bei den Schrankenschließzeiten in Sicht.

Wolmirstedt l Der Bahnhof in Wolmirstedt macht in vielerlei Hinsicht Kummer. Die Unterführung ist unschön, aber das ist das kleinere Übel. Das größere Problem sind die Treppen. Darüber sind die Bahnsteige 2 und 3 für Rollstuhlfahrer nicht zu erreichen und Eltern mit Kinderwagen stehen vor großen Herausforderungen. Rollstuhlfahrern, die aus Richtung Magdeburg kommen, bleibt nicht anderes übrig, als nach Zielitz zu fahren, dort umzusteigen und dann nach Wolmirstedt zurückzukommen, auf Bahnsteig 1, der ebenerdig in die Stadt führt.

Das Problem ist bekannt, auch bei der Bahn. Die hat im Februar 2013 angekündigt, dass im dritten Quartal 2014 für 2,5 Millionen Euro eine neue Unterführung etwa 20 Meter nördlich der alten mit zwei Aufzügen entstehen soll. Also jetzt. Doch daraus wird vorerst nichts. Die Bahn hat das Projekt auf 2018 verschoben. Bestenfalls auf 2016. Darüber wurde die Stadt informiert.

Das bringt Stadträtin Gisela Gerling-Koehler auf die Palme. "Wir dürfen uns nicht mehr vertrösten lassen. Die Stadt muss mit der Bahn in Verbindung treten." Helfe das nicht, will sie eine Unterschriftensammlung initiieren.

Die Fraktionsvorsitzende der FDP hat bereits einen entsprechenden Antrag in den Stadtrat eingebracht. "Wenn dieses Projekt zu teuer ist, soll die Bahn einen überirdischen barrierefreien Übergang schaffen. Diese Möglichkeit muss doch zumindest geprüft werden", sagt sie.

Gisela Gerling-Koehler war selbst in der Sitzung nicht anwesend. Stadtratsvorsitzender Alfons Hesse (CDU) empfahl, den Antrag in die Beratungsfolge zu geben. Uwe Claus schmetterte ab: "Überirdisch geht nicht." Letztlich wurde der Antrag als "entbehrlich" beiseite gelegt.

"Ich werde ihn am 25. November wieder in den Bauausschuss einbringen", stellt Gisela Gerling-Koehler klar, "die Bahn ist Dienstleister, in Wolmirstedt gibt es junge Familien mit kleinen Kindern und eine große Einrichtung für Menschen mit Behinderungen. Und für diese Menschen muss die Stadt schnellstmöglich eine barrierefreie Querung einfordern."

Während sie das gegenüber der Volksstimme auf dem Bahnsteig äußert, bestätigt ein Reisender: "Hier muss dringend etwas passieren." Er sei schwerbeschädigt und schon auf den Stufen gestürzt. Außerdem wies er darauf hin, dass sich in der Unterführung durch das vom Dach tropfende Wasser im Winter oftmals Eis bilde.

Brücke über die Schienen wird es vorerst nicht geben

Das zweite große Ärgernis durch die Bahn sind die langen Schließzeiten der Schranken in der Glindenberger Straße. Schon in den 70er Jahren war deshalb eine Brücke über die Bahnschienen von der Seegrabenstraße Richtung Handwerkerring im Gespräch. Der Bedarf ist immer noch da, aber die sogenannte Nord-Ost-Spange wird es mittelfristig nicht geben.

Der Landkreis schätzt die Kosten auf zehn Millionen Euro. "Eine solche Investition wäre nur unter Inanspruchnahme von entsprechenden Fördermitteln möglich", sagt Pressesprecher Uwe Baumgart. Dafür käme das Entflechtungsgesetz infrage. Um Fördermittel zu bekommen, sind Eigenmittel nötig. "Die müssten im Haushalt geplant und gegebenenfalls durch Verpflichtungsermächtigungen für die Folgejahre durch die zuständige Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt werden", sagt der Pressesprecher.

Der Landkreis sieht den Sinn einer solchen Investition derzeit allerdings skeptisch. Aus heutiger Sicht gebe es für den Bau einer nordöstlichen Ortsumgehung für Wolmirstedt keinen vordringlichen und ausreichend begründeten Bedarf. Nach statistischen Erhebungen wird diese Straße tendenziell immer weniger genutzt.

Einen Lichtblick gibt es jedoch für die Stadt. In einer Gemeinschaftsmaßnahme mit der Bahn will der Landkreis den Bahnübergang bereits im kommenden Jahr sanieren. Das soll zu kürzeren Schrankenschließzeiten führen. Der Landkreis ist dabei für den Fahrbahnbau zuständig. Diese Maßnahme ist Bestandteil der Prioritätenliste, die der Landkreis bis 2019 für die dringlichsten Maßnahmen am rund 600 Kilometer umfassenden Kreisstraßennetz aufgestellt hat.