Wie geht es mit dem Altstadtfest weiter? Nach den diesjährigen Rekordausgaben von voraussichtlich über 184 000 Euro soll künftig dringend gespart werden. Über erste Möglichkeiten haben die Mitglieder des Kulturausschusses diskutiert.

Haldensleben l "Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben klafft zu weit auseinander": Mit diesen Worten brachte Renate Schmidt, Abteilungsleiterin für Kultur, Fremdenverkehr und Soziales, das Problem auf den Punkt. Dezernent Henning Konrad Otto fand ebenfalls deutliche Worte: "Wir sind an einem Scheideweg angelangt und haben zwei Möglichkeiten. Entweder lassen wir das Fest weiter stattfinden und uns knapp 200 000 Euro kosten - aber das wird auf lange Sicht nicht funktionieren. Oder wir finden einen anderen Weg, um es zu tragen."

Hintergrund: Den diesjährigen Kosten von voraussichtlich 184640 Euro stehen Einnahmen von lediglich 56177 Euro gegenüber. Damit muss die Stadt über 123000 Euro zuschießen. Das sind knapp 19000 Euro mehr als im letzten Jahr - und sogar rund 72000 Euro mehr als 2012, dem letzten Jahr mit Eintritt.

Zu den Ursachen zählen unter anderem die Bühnen inklusive Technik. Sie schlagen für 2014 mit 31085 Euro zu Buche. Damit sind sie rund 3000 Euro teurer als im Vorjahr. Auf Wunsch der Bürger gab es mehr Toiletten. Diese kosteten 5128 Euro (Vorjahr: 1963 Euro).

Den größten Ausgabenposten bilden jedoch die Künstlerhonorare mit knapp 91000 Euro (Vorjahr: zirka 87000 Euro, 2012: 81500 Euro). "Aber wenn man da ran geht, muss man erwarten, dass die Besucher einen Qualitätsabfall bemerken", erläuterte Renate Schmidt. Denn: "Bekannte Künstler gehen ins Geld."

Stattdessen sei es vielleicht möglich, auf eine Altstadtfest-Bühne zu verzichten. Eventuell könne die Stadt künftig auch mit einem anderen Radiosender zusammenarbeiten. "Wir müssen sehen, ob wir das Hauptprogramm nicht ausschreiben. Es gibt ja nicht nur Radio Brocken", stimmte Henning Konrad Otto zu. "Aber all das bleibt nur eine Schraube, an der wir drehen. Es wird die Zusammenarbeit vieler brauchen, damit die Ausgaben sinken und die Einnahmen steigen."

Doch gerade was die Einnahmen angeht, war auf der jüngsten Sitzung des Schul-, Sozial-, Kultur- und Sportausschusses eine gewisse Ratlosigkeit spürbar. Nur eines wurde deutlich: Die meisten Ausschussmitglieder scheinen der Lotterie noch eine Chance geben zu wollen. "Die Lose sind richtig und wichtig. Ich finde es gut, dass der Eintritt weg ist", erklärte zum Beispiel Dirk Hebecker (parteilos).

"Für die Kassierung des Eintritts brauchte es über 200 Menschen. Wir hatten zunehmend Probleme, diese Plätze zu besetzen", rief Renate Schmidt in Erinnerung. Darüber hinaus musste der Stadthof Absperrungen errichten - was ebenfalls einen deutlichen Mehraufwand bedeutete. Die Eintrittseinnahmen lagen laut Stadt jährlich zwischen 40000 und 55000 Euro.

Doch auch die Lotterie ist weiterhin ein Sorgenkind. Die Organisation und der Druck der Lose sind ebenfalls mit großem organisatorischen Aufwand verbunden. Auf der anderen Seite wurden 2013 und 2014 deutlich weniger Lose verkauft als erhofft. Von 25000 gedruckten Exemplaren wechselten dieses Jahr nur 13320 den Besitzer. Bei einem Preis von zwei Euro pro Los bedeutet das Einnahmen von rund 26600 Euro. Davon sind allerdings zahlreiche Posten abzuziehen, unter anderem die Lotteriesteuer mit 4400 Euro, die Druckkosten mit 3400 Euro und die Provision für die Verkäufer von 2400 Euro. Unterm Strich bleibt ein Reinerlös von 2551 Euro. Erwartet hatte die Stadt mehr als das Achtfache, nämlich 21953 Euro.

Ratsherr Bernhard Hieber (SPD) erkundigte sich, ob nicht eine Kombination von Lotterie und Eintritt möglich sei. Den dafür nötigen Aufwand könne die Stadt laut Renate Schmidt jedoch nicht stemmen. Lose als Eintrittskarte zu verkaufen, lasse das Lotteriegesetz nicht zu. Ralf Neuzerling (FDP) schlug vor, dass Loseigentümer ein Bändchen und damit einen Preisnachlass beim Getränkekauf erhalten könnten. Klaus Czernitzki (Linke) brachte die Idee ein, gut sichtbare Losverkäufer an allen Eingängen zum Festgebiet zu postieren.

Henning Konrad Otto erklärte, dass es beim Erfolg der einzelnen Losverkäufer große Unterschiede gegeben habe: "Diejenigen, die die Besucher direkt angesprochen haben, haben sehr viel höhere Verkaufszahlen erreicht. Aber dafür braucht man Leute, die das auch können", so der Dezernent. Auf der anderen Seite könne man Unternehmen stärker einbinden, "die die Lose beispielsweise mit ihrer eigenen Werbung bedrucken und an ihre Geschäftskunden weitergeben". Zum Ende der Diskussion bat Klaus Czernitzki als Ausschussvorsitzender die anderen Mitglieder, sich weiter Gedanken zu machen.

Davon abgesehen bleibt allerdings ein grundsätzliches Problem bestehen. Denn bevor es eine Lotterie 2015 geben kann, muss das Landesverwaltungsamt eine entsprechende Genehmigung erteilen. Ob das geschieht, ist offen. Denn laut dem Glücksspielgesetz des Landes Sachsen-Anhalt müssen dafür der Reinertrag, die Gewinnsumme und die Kosten der Lotterie in einem angemessenen Verhältnis stehen.

Besonders bitter ist bei alledem, dass das Altstadtfest in dieses Jahr sowohl bei Händlern wie Besuchern so gut ankam wie selten zuvor. Nur die Finanzen stimmen eben nicht. "Zum ersten Mal gab es keine gravierende Kritik in irgendeinem Bereich. Es wäre schade, wenn man darauf nicht aufbauen würde", betonte Henning Konrad Otto.

"Das Altstadtfest ist eine Institution. Ich fände es schade, wenn wir es eines Tages nicht mehr feiern, weil wir es uns nicht mehr leisten können", urteilte auch Dirk Hebecker.