Brigitte Köther gibt nach zwanzig Jahren zwei ihrer drei Englisch-Gruppen auf. Aus gesundheitlichen Gründen will die 82-Jährige kürzer treten. Ihre Schülerinnen und Schüler bedauern den Schritt sehr. Viele haben die Fremdsprache erst mit dem Eintritt ins Rentenalter gelernt.

Wolmirstedt l Brigitte Köther war in ihrem Berufsleben Lehrerin für Englisch und Deutsch. Auch im Rentenalter wollte sie nicht aufhören, anderen etwas beizubringen. "Einmal Lehrerin - immer Lehrerin", sagt sie und begann ein zweites Lehrerinnen-Leben. Das unterschied sich vom ersten vor allem dadurch, dass ihre Schüler nicht um die 16, sondern um die 60 Jahre alt waren. Gelernt haben sie mindestens ebenso eifrig. "Wir bekommen immer Hausaufgaben auf", erzählt Ingrid Riedel und hält ein eng beschriebenes Din-A4-Blatt in die Höhe. Sie müssen Texte übersetzen und dazu Fragen beantworten. Das schult. So haben die Schülerinnen und Schüler bei Brigitte Köther gelernt, sich beim Einkaufen oder im Hotel auf Englisch zu verständigen. Und mehr. Brigitte Köther zählt auf: "Unsere jüngsten Texte haben sich mit Ebola beschäftigt, mit Hillary Clinton oder mit den Kriegsversehrten in den USA."

Eine Reise in die USA war für Reiner Milferstedt der Grund, die englische Sprache zu lernen. "Ich dachte damals, ich habe ja noch sechs Wochen Zeit", sagte er. So schnell wurde er dann nicht der perfekte Lord, aber er blieb dabei und kann nun, 15 Jahre später, Dankesreden in Englisch hersagen. "Ich weiß nicht, ob Frau Köther dabei Tränen der Rührung in den Augen stehen oder Tränen der Wut, weil ich immer noch so schlecht Englisch spreche", scherzte er. Brigitte Köther versicherte, dass es stets Tränen der Rührung seien.

Ingrid Riedel reist mit ihrem Mann oft ins Ausland. "In den USA habe ich einen Herzinfarkt bekommen und lag eine Woche im Krankenhaus", erzählt sie, "ich musste auf Englisch klarkommen und habe es geschafft", erzählt sie stolz. Das hört Brigitte Köther mit großer Freude.

Die Gruppe ist gemeinsam ins südenglische Bexhill und nach Schottland gereist. Rosi Seelandt wohnte während der Bexhill-Reise bei einer Wirtschaftslehrerin. "Daraus ist eine wunderbare Brieffreundschaft entstanden", erzählt sie, "Mrs. Moore hat mir immer versichert, dass sie meine Fortschritte bemerkt."

Irmgard Lorenz hat Griechenland per Schiff erkundet. "Beim Einkaufen habe ich anderen Deutschen bei der Verständigung in Englisch helfen können",erzählt sie von ihren Erfolgen.

In der Englischgruppe ging es um Sprache, aber nicht nur. Viele sind auch deshalb gekommen, weil sie Geselligkeit lieben. Das gilt auch für Brigitte Köther. "Ich habe mir das Aufhören sehr genau überlegt, denn es bedeutet auch, dass wir Kontakte verlieren." Die Gruppe möchte sich deshalb künftig vor Weihnachten weiter treffen. Lieder, wie "Santa Claus" stehen dann wohl wieder auf dem Programm. Eine Konservationsgruppe wird Brigitte Köther noch führen. Für die anderen heißt es "Time to stop". Zeit, aufzuhören.