Im Garten von Lothar Schmidt machen sich Fußballspieler und Affen breit. Der Glindenberger muss sich trotzdem keine Gedanken machen, denn sie werden den Rasen garantiert nicht zertreten. All die lustigen Gartenbewohner bestehen aus Holz.

Wolmirstedt l Vor drei Monaten hat Lothar Schmidt eine neue Leidenschaft entdeckt. Er fertigt Figuren aus Holz. Nachtwächter, Maulwurf, Holzmann oder Affen wirken ein wenig so, wie ihr Schöpfer, nämlich verschmitzt. "Vor allem Kinder bleiben gerne stehen und schauen sich die Figuren an", hat Lothar Schmidt beobachtet, und auch, dass sie sich vor der Hexe ein bisschen gruseln.

Mit dem Holzfiguren- virus hat sich Lothar Schmidt während einer Urlaubsreise infiziert. "Meine Frau und ich haben auf einem Grundstück einen hölzernen Nachtwächter gesehen, der uns sehr gefallen hat", erzählt er, "aber wir haben nicht herausgefunden, wo man ihn kaufen kann." Also beschloss Lothar Schmidt, selbst einen zu gestalten. Er begann im September, als er wieder zu Hause in Glindenberg war. Ein gerade gefällter Baum lieferte Holz. Lothar Schmidt arbeitete mit der Kettensäge Kopf, Rumpf und Gliedmaßen heraus, bohrte, schraubte und steckte zusammen. Dann saß er da, der Nachtwächter, und war dem Vorbild aus dem Urlaubsort ausreichend ähnlich.

"Bei meinem ersten Exem- plar waren die Hände noch sehr grob gestaltet", sagt der 64-Jährige, "inzwischen habe ich die Technik verfeinert". Er achtet auf die Stellung von Fingern und Daumen. "Sie sollen möglichst lebensecht wirken." Für die Proportionen des Körpers hat er sich selbst ausgemessen. "Mit dem Bandmaß", erzählt er und grinst.

Das tut er eigentlich dauernd und auch die Figuren von Lothar Schmidt strahlen Frohsinn aus. Warum das so ist? Lothar Schmidt zuckt die Schultern. Er mag das eben. Und außerdem mag er Wilhelm Busch. "Die Geschichten und Bilder haben mich viele Jahre begleitet", sagt er. Buschs Protagonisten heißen Max und Moritz oder Witwe Bolte. "Ich habe meinen Figuren auch Namen gegeben", sagt Lothar Schmidt, "aber die habe ich immer wieder vergessen." Nun sind es eben die Fußballspieler, die im Rausch der Weltmeisterschaft im Sommer entstanden sind. Auch die drei Affen, die meinen, dass es manchmal besser ist, sich taub, stumm und blind zu stellen, müssen keinen Vornamen tragen. Sie sind einzigartig genug.

Lothar Schmidt wollte seine Figuren auf andere Art besonders machen. Er hat in seinem Berufsleben als Elektriker gearbeitet und ansatzweise wollte er dieses Handwerk in seine Skulpturen einfließen lassen. Also hat er die Augen eines hölzernen Wächters mit Dioden zum Leuchten gebracht. "Aber da hat sich der Zeitungsausträger furchtbar erschrocken", sagt Lothar Schmidt und der Schalk in seinem Nacken grinst. Aber Lothar Schmidt möchte nicht wirklich erschrecken, sondern Freude bereiten und hat deshalb von solch technischen Raffinessen Abstand genommen.

Der erste Baum ist lange verarbeitet. Inzwischen bieten Nachbarn ihre gefällten Obstbäume oder abgesägten Äste an. Ein Baumstamm, den er bei Freunden fand, hatte noch Wurzeln. Das gefiel Lothar Schmidt ausnehmend gut. Er dreht den Stamm so, dass die Wurzeln zu steilaufragenden Haaren einer Hexe wurden.

Am liebsten verarbeitet Lothar Schmidt das Holz von Apfel-, Süßkirsch- und Pflaumenbäumen. "Ich sehe den Baum gern im Ganzen, dann kann ich anhand der Form oder der Maserung erkennen, was sich daraus erschaffen lässt." Die Form der Äste und ihr Winkel zum Stamm spielen dabei eine entscheidende Rolle. Ein paar Äste, die Arme und Beine werden könnten, trocknen schon sorgfältig aufgereiht unterm Carport. "Oh, hier liegen Extremitäten herum", hatten die Schmidtschen (Schwieger)Kinder trocken bemerkt. "Kein Wunder", lacht Lothar Schmidt, "sie sind ja auch Ärzte."

Die Technik des Formens hat Lothar Schmidt inzwischen auch in einem Keramik-Lehrgang in Hundisburg mit Ton ausprobiert. "Meine Tiere haben den anderen Teilnehmern gut gefallen", sagt er. So gut, dass er gefragt wurde, ob er im kommenden Jahr mit Kindern arbeiten wolle. Er will. Das neue Jahr hält somit gute Aussichten bereit. Ehefrau Gerhild gefällt die neu entdeckte künstlerische Ader ihres Mannes sehr. Und sollte er deshalb ab und an unterwegs sein, wird sie davon vorerst nicht allzuviel mitbekommen. Schließlich arbeitet sie als Lehrerin und ist außerdem Ortsbürgermeisterin von Glindenberg.

   

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