Die Farsleber Senioren haben sich am Montag im Versammlungsraum der Feuerwehr getroffen. Ihr Stammdomizil im Kulturverein "Webers Hof" ist verschlossen. Der Vorstand hatte wegen Vertragsquerelen mit der Stadt die Seniorenarbeit beendet.

Farsleben l Die Farsleber Senioren sind sauer. Sie hatten zum Jahresende aus der Zeitung erfahren, dass der Vorstand von Webers Hof die Seniorenarbeit zum 1. Januar 2015 beendet. "Diese Art und Weise stört mich", findet Ilse Sobitzkat deutliche Worte. Sie und die anderen Senioren hätten lieber vom Vereinsvorsitzenden Klaus Mewes gehört, dass es Schwierigkeiten bei der Vertragsgestaltung zwischen Stadt und Verein gibt. Klaus Mewes war zwar kurz bei der Weihnachtsfeier gewesen, hatte aber kein Wort verlauten lassen. Die Nachricht vom Ende der Seniorenarbeit kam wie aus heiterem Himmel. "Es trifft die Schwächsten, die Rentner, die woanders kaum hinkommen, weil sie immer auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind", sagt Ursula Helmke.

Wie auch immer der Streit ausgeht, die Montagstreffen wollen sich Ilse Sobitzkat, Ursula Helmke, Irmgard Höfler, Jutta Grabow, Erika Simon und die anderen auf gar keinen Fall nehmen lassen. Am ersten Montag des Jahres kamen sie im Versammlungsraum der Feuerwehr unter. Aber eigentlich wollen sie in ihren Raum auf Webers Hof zurück. Der war wegen des großen Zulaufs mit Hilfe von Sponsorengeldern 2012 vergrößert worden.

Den Vorstand von Webers Hof sehen die Senioren vorerst nicht als Verhandlungspartner an. "Wir wollen uns mit dem Bürgermeister zusammensetzen und uns in der Stadtratssprechstunde an die Stadträte wenden", sagt Marita Knackmuß, die sich intensiv mit ihrem Team um die Farsleber Seniorenarbeit kümmert. Die Senioren werden dabei sein. "Wir kämpfen jetzt für uns alleine", sind sich die Damen und Herren einig.

Sie könnten sich sogar vorstellen, das Geld, das die Stadt bisher für die Seniorenarbeit an den Kulturverein "Webers Hof" gezahlt hat, selbst entgegenzunehmen und zu verwalten, notfalls auch kleine Beträge dazu zu bezahlen oder sich mit einem ordentlichen Mietvertrag in ihren Raum einzumieten. Hauptsache es geht weiter.

"Wir haben uns für unsere Räume immer verantwortlich gefühlt", sagen die Frauen und Männer. Die Nebenarbeiten, wie Reinigung oder kleinere Reparaturen, haben die älteren Herrschaften immer selbst organisiert. "Jeder ist bereit, mitzumachen, aufzuräumen oder Kuchen zu backen", sagt Ursula Helmke, "da schaut niemand auf die Uhr oder aufs Geld."

Bürgermeister Martin Stichnoth (CDU) hatte im September den Vertrag mit Webers Hof zum 31. Dezember 2014 gekündigt. Ein neuer Vertrag war nicht zustande gekommen, weil der Vorstand von Webers Hof statt der bisher 8100 Euro pro Jahr künftig 8900 Euro gefordert hatte. Paradox dabei ist, dass der Verein bis dato 4700 Euro für die Jugendarbeit bekommen, die aber nicht mehr geleistet hatte. Somit wurde dieses Geld gestrichen und geht künftig ans DRK als Träger des Jugendclubs. Ohne die "Jugendgelder" bliebe dem Verein von den vormals 8100Euro ein Zuschuss von 3400 Euro für Kultur, Kinderprojekte und Seniorenarbeit. Die Stadt hatte gar 4000Euro geboten, mit der Option, im Laufe des Jahres nachzuverhandeln. Der Vorstand von Webers Hof hatte das abgelehnt und in Ermangelung eines Vertrages unter anderem die Seniorenarbeit aufgekündigt.