Der Bericht über die Arbeit des 2012 gegründeten Kreisseniorenrats wurde im Kreisausschuss kontrovers diskutiert. Sein Ziel hat das Gremium nicht erreicht, das war allen klar. Nicht so klar aber ist, wie und wo sich der Seniorenrat engagieren soll.

Haldensleben l Weil der Landkreis Börde einer der beiden letzten Kreise in Sachsen-Anhalt war, in denen es noch keinen Kreisseniorenrat gab, wurde dieses Gremium Mitte 2012 ins Leben gerufen. Mitglied wurden Vertreter von Verbänden und Institutionen, die in der Seniorenarbeit tätig sind, außerdem Vertreter von Kirchen sowie Städten und Gemeinden im Landkreis.

Im Bericht über die Arbeit des Kreisseniorenrats, der den Mitgliedern des Kreisausschusses vorlag, wird erläutert, wie das Gremium nach Betätigungsfeldern suchte. In der Organisation- und Geschäftsordnung des Kreisseniorenrats heißt es, er "wirkt im Rahmen der allgemeinen Daseinsvorsorge auf die interessengerechte Gestaltung der Lebensbedingungen ältere Menschen hin", und er "berät und unterstützt den Kreistag und die Kreisverwaltung in Bereichen der Seniorenarbeit." Bei einem Gespräch mit dem erfahrenen Kreisseniorenrat Harz stellte sich heraus, dass diese Seniorenvertretung bereits in den 1990er Jahren gegründet wurde und sich Höhepunkte der Arbeit in vielen Jahren herausgebildet haben. Der "Markt der Möglichkeiten" und der "Seniorenfreundliche Service" hatten Interesse zur Nachahmung gefunden. Beides aber lässt sich in der Börde nur schwer umsetzen.

Der "Markt der Möglichkeiten", der in Haldensleben gleichzeitig mit dem Regionalmarkt an einem Sonnabend stattfinden sollte, musste abgeblasen werden, da von den angesprochenen Vereinen, Verbänden, Krankenkassen und Betrieben lediglich eine Krankenkasse und eine Beratungsstelle bereit waren, mitzumachen. Ein Zertifikat für "Seniorenfreundlichen Service" zu verleihen, sei in dem sehr großflächigen Landkreis sehr schwierig. Außerdem seien die Kriterien nicht hinreichend geklärt, auch die Umsetzung müsse gründlicher vorbereitet werden.

Ebenfalls problematisch ist die "Woche der Senioren". Etwa die Hälfte der angebotenen Veranstaltungen hätte rein örtlichen Charakter und einen eng begrenzten Personenkreis, hieß es. Diese zwar wichtigen Veranstaltungen wären aber für eine überregionale "Woche der Senioren" ungeeignet.

Festgestellt wurde auch, dass nicht alle möglichen Gremien und Kommunen einen Vertreter in den Rat entsandt hatten. Abgesehen von der Hohen Börde, in der es einen besonders aktiven Gemeinde-seniorenrat gibt, existiert in anderen Gemeinden im Landkreis nichts Gleichwertiges. Und die Begutachtung von Kreistagsvorlagen sei fast nicht nötig gewesen, da es kaum Vorlagen mit seniorenrelevanten Themen gegeben habe.

Aus den genannten Gründen hatte Joachim Hoeft, der in der Kreisverwaltung auch für den Kreisseniorenrat zuständig ist und den Bericht erarbeitet hatte, an den Schluss die Frage gestellt: Brauchen wir einen Kreisseniorenrat, und wenn ja, welche Aufgaben soll er haben?

Es fehle offensichtlich an der basismäßigen Unterstützung in den Gemeinden, stellte Frank Hüttemann (SPD) fest, das Interesse sei zumindest sehr zurückhaltend. Schon angesichts der demografischen Entwicklung sei dieses Gremium wichtig, versicherte Jens Ackermann (FDP). Dieter Schwarz (FUWG) sieht eine Chance im Ideenaustausch, denn vieles werde an verschiedenen Orten anders praktiziert. Er sprach sich dafür aus, das Aufgabenprofil zu präzisieren. In Wolmirstedt gäbe es keinen Bedarf, hier mitzuarbeiten, erklärte Martin Stichnoth (CDU), die Seniorenarbeit funktioniere vor Ort. Ähnliches berichtete Norbert Eichler (CDU) von Haldensleben. Die Stadt ist aber im Kreisseniorenrat vertreten.

Dem Seniorenrat noch eine Chance zu geben, empfahl der Vorsitzende des Gremiums Hans-Eike Weitz (SPD). Das sah Landrat Hans Walker (CDU) genauso. Nach Walkers Meinung ist die Zeit seit der Gründung des Kreisseniorenrats auch noch zu kurz für eine grundlegende Einschätzung.