Viel Recherche und vor allem Interesse ist notwendig, um vergessene Geschichte wieder lebendig zu machen. All das muss aber in der Freizeit geschehen. Holger Marter erzählt über seine bisherigen und geplanten Projekte für Samswegen.

Samswegen l Wer durch Samswegen fährt, kann auf einer Grünfläche einen Findling, eine alte Litfaßsäule und einen restaurierten Förderwagen stehen sehen. Diese drei Gegenstände haben etwas mit der Geschichte des Ortes zu tun. Nicht weit davon entfernt wohnt Holger Marter, Ortschronist von Samswegen.

Samsweger-Findling "sprechen lassen"

Gerade arbeitet er an einem Findling-Projekt. Begeistert erzählt er davon, wie die schweren Eismassen den Stein in die Region gebracht haben müssen. "Ich würde gern den Stein `sprechen lassen`. Doch das ist alles noch sehr vage und dafür müssen noch einige Dinge geklärt werden", so Marter. Nach den Vorstellung des ehrenamtlichen Historikers könnte demnächst eine Tafel mit Informationen über die Herkunft und Zusammensetzung des Steines angebracht werden. Auch wenn er die Recherchen "nur nebenbei macht", wie er betont, ist ihm anzumerken, dass er sich für die Geschichte seines Heimatortes interessiert.

Schon seine Großmutter hatte dieses Interesse früh bei ihm geweckt. "Bereits in frühster Kindheit kam ich durch sie mit Postkarten in Berührung", erinnert sich Holger Marter. Auch stamme daher wohl seine Leidenschaft alte Postkarten zu sammeln. Nach der Wende digitalisierte er seine Sammlung. Heute hat er einen Fundus von etwa 200 Postkarten. Vor allem handelt es sich dabei um Aufnahmen von Bleiche und Samswegen. Einige davon hängen auch im Bürgerhaus von Samswegen aus.

Artur Etterwinth, Heimatdichter und ehemaliger Ortschronist, weckte ebenfalls die Begeisterung für die Geschichte bei Marter. "Er war von der 1. bis zur 4. Klasse mein Lehrer und kannte viele Geschichten über den Ort", erinnert er sich.

Seit 2001 ist Holger Marter nun selbst als Ortschronist von Samswegen tätig. Eingesetzt hatte er sich bisher auch für eine Litfaßsäule aus den frühen 1950er Jahren, die einzustürzen drohte. In Zusammenarbeit mit Dachdeckermeister Ralf Claßen, Frank Roy und dem Bauunternehmer Ronald Weber, wurde eine neue Außenhaut und ein Dach 2011 angebracht. Heute ziert ein gemaltes Bild des Kalischachtes von dem Kulissenmaler Marco Eidner die Säule. Auch dafür hatte Marter eine seiner vielen Postkarten als Motiv zur Verfügung gestellt. "Damit stellt die Litfaßsäule ein verbindendes Element zum ehemaligen Kaliwerk dar", erklärt er das damalige Projekt.

2012 wurde ein Hunt - ein offener, kastenförmiger Förderwagen - für das Kaliwerk symbolisch daneben aufgestellt. Diesen hatte der Ortsbürgermeister Burkhard Wohlfarth zum 1020-jährigen Bestehen des Ortes organisiert. Marter hatte dafür im Vorfeld über das Kaliwerk recherchiert und in der Gemeindezeitung darüber berichtet.

"Für die Recherche muss man aber auch manchmal ein wenig Glück haben", so Marter. So ein Glücksgriff sei die Kirchenzeitung "O du Heimatflur" aus den 1920er Jahre bis Ende der 1930er Jahre gewesen. Diese hatte ihm der Pfarrer Dr. Wolf für die Ortschronik Samswegen zur Verfügung gestellt. Neben kirchlichen Themen waren dort auch regionale Berichte über Bleiche, Meseberg und Samswegen enthalten. Verschiedene Pfarrer und Bürger fungierten darin als Autoren und sind somit wichtige Zeitzeugen für den Ortschronisten gewesen.

Zusammenarbeit ist das Wichtigste bei Projekten

Marter betont jedoch stets die Wichtigkeit von guter Zusammenarbeit bei solchen Projekten. So hätte er sich mit Volker Bünz, ein Hobby-Filmer aus der Region, über die Entwicklung des Kaliwerks in der Region ausgetauscht. Herbert Riebau, Ortschronist aus Zielitz, zeigte Marter das Landeshauptarchiv in Magdeburg.

Unterstützung fand er auch bei der Recherche zum Kaliwerk-Projekt im Hauptarchiv durch Gerhard Moosebach, Harald Jacob und Wolfgang Frömme. Mit deren Hilfe konnte er ein Brückenmodell in Auftrag geben. Die Brücke soll damals über die Ohre gegangen sein, allerdings wurde sie kurz nach der Schließung des Kaliwerks abgerissen. "Und heute erinnert sich tatsächlich niemand mehr an die Brücke", erzählt Marter. Gerhard Damm aus Wolmirstedt baut auf Grundlage der Recherchearbeiten schließlich das Brücken-Modell nach, welches heute in einem Schaukasten von der Tischlerei Kaiser aus Haldensleben im Zimmer des Ortsbürgermeisters zu sehen ist.

Diese vielen kleinen Projekte, sollen vor allem die Geschichte des Ortes lebendig erhalten. Denn vieles gerät ansonsten vielleicht in Vergessenheit, wie auch das Beispiel der Brücke zeigt.

 

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