Gutenswegen l Die Kollektivierung der Landwirtschaft war das Thema beim Vereinsabend des Kultur- und Heimatvereins Gutenswegen. Für dieses Thema wurde ein ausgewiesener Spezialist gewonnen. Der Historiker Dr. Wilfried Lübeck konnte bei seinem Vortrag mit neuen Erkenntnissen aus seinen aktuellen Forschungsarbeiten zu Zwang und Freiwilligkeit der "sozialistischen Kollektivierung der Landwirtschaft" aufwarten. Zahlreiche Stunden Recherche und Archivarbeit gingen der Buchfassung voraus und so war es ihm möglich geworden, bislang noch nicht zugängliche Archivquellen mit einzubeziehen.

In Gutenswegen legte Wilfried Lübeck den Schwerpunkt seiner Ausführungen auf die regionalen Aspekte im ehemaligen Bezirk Magdeburg und speziell auf den Zeitabschnitt von 1952 bis Mitte der 60er Jahre. Auch wenn die Entwicklung der nördlichen Börde im Mittelpunkt stand, illustrierte er ebenso seine Ausführungen mit zahlreichen Vergleichen zwischen Harz und Altmark sowie Havelland. Er sprach in diesem Zusammenhang auch von der Notwendigkeit der Zusammenlegung kleinerer Landwirtschaften zu größeren Betriebseinheiten in Ost wie in West.

Die entscheidende Frage aber war das "Wie?". So kamen nach seinen Recherchen zur sozialistischen "Bekehrung" durchaus drei bis fünf Agitatoren auf einen Einzelbauern, um die Gründungen der LPG voranzutreiben. Häufig wurde auch zu sehr drastischen Maßnahmen gegriffen, so der Referent, um die Versorgung der Bevölkerung abzusichern. Wilfried Lübeck unterlegte seine Ausführungen mit zahlreichen Zitaten aus Archivakten staatlicher Organe.

Da viele der Anwesenden jene Jahre noch aktiv erlebt haben, gab es im Anschluss eine angeregte Diskussion, die die Darlegungen von Dr. Lübeck noch mit weiteren konkreten Erlebnissen aus dem unmittelbar persönlichen Umfeld bereicherten.