Wolmirstedt l Im alten Lokschuppen der ehemaligen Colbitzer Kleinbahn hat sich jede Menge Unrat angesammelt. "Leute kommen gezielt her und laden ihren Müll ab", hat Dieter Stichnoth beobachtet. In der Tat stapeln sich in dem Gebäude Müllsäcke, die noch nicht lange dort liegen können. Sonst wären sie von Pflanzen überwuchert worden.

So ist es den Sesseln geschehen, die ebenfalls in den alten Lokschuppen verfrachtet wurden. Ob sie einst Jugendlichen, die sich dort offenbar regelmäßig getroffen haben, als Sitzgelegenheit dienten, ist unklar. Wenn ja, ist das schon lange Zeit her. Über die Sitzmöbel ist buchstäblich Gras gewachsen.

Der ehemalige Lokschuppen gehört der Bahn, ebenso, wie das gesamte Gelände, das parallel zum Bahnsteig 1 des Wolmirstedter Bahnhofes verläuft. Dort liegen auch noch Gleise der ehemaligen Colbitzer Kleinbahn, allerdings ist dort schon lange kein Zug mehr gefahren. Aus dem Gleisbett wachsen die Bäume bereits meterhoch.

Die Bahnverantwortlichen wollen sich Anfang April die Stelle anschauen. Sie arbeiten gewöhnlich nicht vor Ort in Wolmirstedt und wollen sich aus der Nähe ansehen, was ihnen so nicht bekannt vorkommt. Auch Vermüllungen seien der Bahn nicht gemeldet worden, heißt es aus der Pressestelle.

Der alte Lokschuppen ist nicht nur vermüllt, sondern das Gebäude selbst ist ein Schandfleck. Es wirkt, als würde es demnächst in sich zusammenfallen. Dachlatten hängen herab, die Tür war offensichtlich schon lange nicht mehr zugesperrt. Ein Abriss sei von der Bahn jedoch nicht geplant.

Die knapp neun Kilometer lange Strecke der Colbitzer Kleinbahn wurde am 9. September 1910 eröffnet. Sie zweigte von der Bahnstrecke Magdeburg-Wittenberge nach Colbitz ab. Im Güterverkehr wurden überwiegend landwirtschaftliche Produkte, Holz, Düngemittel und Kohle befördert, heißt es bei Wikipedia, 1913 wurden 26881 Tonnen Güter und 51074 Personen transportiert. Der Personenverkehr wurde 1961 und der Gesamtverkehr 1965 eingestellt.