Von Gudrun Billowie

Wolmirstedt Vor allem der älteren Generation ist Ursula Karusseit aus Filmen wie "Wege übers Land" oder "Daniel Druskat" bekannt, und vor allem diese Generation kam zur Lesung der Charakterdarstellerin in die Wolmirstedter Museumsscheune. Weit über einhundert Gäste fanden an den langen Tischen Platz. "Wege übers Land" heißt auch das Buch der Karusseit, in dem sie auf ihr bewegtes, über 70-jähriges Leben zurückblickt.

Ursula Karusseits Biografie ist beinahe klassisch für ihre Generation. Sie erzählt von der Flucht. "Glücklicherweise wurden wir nicht auf die Gustloff geschickt, sondern zum Bahnhof." Damit nahm sie einen anderen Weg als der gierige Tod. Doch der hockte auch fernab der "Gustloff" überall. "Ich trug eine Zipfelmütze", erinnert sich Ursula Karusseit, "der dazugehörige Mantel fehlte". Und sie wundert sich noch heute, dass sie sich trotz des Elends und Sterbens der Flucht ausgerechnet an diese Zipfelmütze erinnert.

Eltern ließen sie nur einmal ins Theater

DieFamilie landete in Parchim und übersiedelte später nach Gera. Dort verbrachte sie ihre Kindheit, die Schulzeit. "Die sechste Klasse durfte ich sogar zweimal besuchen." Sie hatte es sehr mit Deutsch und Literatur, aber ein gespaltenes Verhältnis zu den Naturwissenschaften und einen überaus großen Hang zum Theater. Den ihre Eltern nicht teilten, sondern vehement unterbanden. "Ich war nur ein einziges Mal im Theater. Bei Kabale und Liebe."

Dennoch war es später ausgerechnet die Mutter, die Ursula Karusseit in ihrer Schauspielerei sehr unterstützte. "Sie ließ meinen Vater ein dreiviertel Jahr alleine zu Hause, und begleitete mich mit meinem Sohn zu Dreharbeiten", schaut die Schauspielerin dankbar zurück. "Wege übers Land" ist das Buch einer Frau, die verklärt auf ein reiches Leben zurückblickt, auf ein Leben, das sie gern ihrer Arbeit gewidmet hat.

Im Buch des Film- und Fernsehlieblings spielt all das eine Rolle, was für ordentliche DDR-Schauspieler eine Rolle zu spielen hat. Die Zusammenarbeit mit Manfred Krug, die Haltung zur Ausbürgerung Wolf Biermanns, verwanzte Wohnungen. Karusseit erzählt milde, sie sah sich jenseits des großen Ehrgeizes, ihren Erfolg stellt sie auf die Beine der Liebe zur Arbeit. Die Einteilung in A-, B- und C-Theater zu DDR-Zeiten ließ sie gleichgültig, denn "überall leben Menschen."

Und die standen auch in Wolmirstedt Schlange, ließen sich nach der Lesung das Buch signieren, was Ehemann Johannes Wegner-Karusseit wohlwollend beobachtete.