An zwei verdienstvolle Wolmirstedter wurde in dieser Woche der Silberne Stadttaler verliehen. Während die 86-jährige Gisela Schulze durch Bürgermeister Dr. Hans-Jürgen Zander für ihr Lebenswerk im Dienste der Kultur geehrt wurde, steht der erst 14-jährige Canadier Felix Gebhardt, der vor wenigen Monaten Deutscher Meisterwurde, erst am Anfang seiner sportlichen Karriere.

Wolmirstedt. Die Wolmirstedter Briefmarkenfreunde waren schon etwas erstaunt, als selbst Bürgermeister auf ihrer Jahreshauptversammlung auftauchte. Doch das Erscheinen des Stadtoberhauptes hatte einen erfreulichen Anlass. Dr. Zander überreichte der 86-jährigen Gisela Schulze den Silbernen Stadttaler. Dieses Auszeichnung bekam sie aus dem gleichen Grund, aus dem sie auch zum Ehrenmitglied der "Briefmarkenfreunde Wolmirstedt eV." ernannt wurde, nämlich für ihr Lebenswerk im Dienste der Kultur.

"Ich erinnere nur an die ehrenamtliche Betreuung der Kulturgruppen der Stadt", sagte Horst Partscht, Vorsitzender der Philatelistengruppe, "selbst später als Vorsitzende des Kreiskulturbundes warst du immer für die anderen da. Hast nie deine Philatelisten vergessen." Als es im Verein der Briefmarkenfreunde kriselte, übernahm Gisela Schulze sogar für ein Jahr den Vorsitz, obwohl sie selbst keine exzessive Sammlerin war. Vor kurzem ist Gisela Schulze aus dem Verein der Philatelisten ausgetreten, aus Altersgründen.

Dennoch, sie hat Spuren im Leben der Stadt hinterlassen, die nicht auf den ersten Blick sichtbar sind. "Bereits in den Jahren nach dem Krieg, 1946/47, hat sie ehrenamtlich verschiedene kulturelle Interessengemeinschaften betreut", erinnert sich Briefmarkenfreund Martin Karcher, "damals noch unter dem Dach der Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands." Mit der Geburt der DDR wurde aus diesem Bund eine Organisation, der Deutsche Kulturbund, und der stellte Gisela Schulze Anfang der 50er Jahre fest an.

Karcher, der Briefmarkenfreund, ehemalige Stadtrat und Lehrer erinnert daran, dass Gisela Schulze sich auch fürs Museum sehr stark gemacht hat. Das war damals an den Bahnschranken eingerichtet, dort, wo heute die Freimaurer logieren. "Während des Krieges wurde sehr viel gestohlen, viel war zerstört", weiß Karcher, "Gisela Schulze setzte sich sehr dafür ein, dass das Museum in ordentliche Hände geriet und wieder aufgebaut wird." Unter ihrer Federführung schlüpfte das Museum unter die Fittiche des Kreises.

Training "vertagt"

Um rechtzeitig nach Wolmirstedt zu kommen, musste Felix Gebhardt am Dienstag sein Training in Magdeburg, wo er seit September des vergangenen Jahres für den SCM an den Start geht, vorzeitig abbrechen. Wie der junge Wolmirstedt aber versichert, fehlt ihm jetzt zwar eine wichtige Trainingseinheit, "dennoch bin ich mächtig stolz auf die Einladung."

Dem hoffnungsvollen Nachwuchssportler aus der Ohrestadt wurde für eine außergewöhnliche Leistung eine besondere Ehrung zu teil: Felix Gebhardt, 14 Jahre, holte im August 2010 in Köln überraschend den Titel des Deutscher Meister bei den Canadiern in seiner Altersklasse.

Wie sein langjähriger Trainer Lutz Neumann betonte, ist Felix seit über zehn Jahren der erste Wolmirstedter Kanute, der wieder den Sprung auf das Siegertreppchen bei einer nationalen Meisterschaft schaffte.

Aufgrund dieser herausragenden sportlichen Leistung erhielt der Wolmirstedter Hoffnungsträger von Bürgermeister Dr. Hans-Jürgen Zander im Rathaus den Silbernen Stadttaler überreicht. Zu den ersten Gratulanten gehörten der Nachwuchs-Bundestrainer Detlef Hummelt, Werner Stadermann, Vereinsvorsitzender des Wolmirstedter Kanu-Vereins, und sein Ex-Trainer Lutz Neumann. Der Bürgermeister betonte, dass seit 1992 auch an erfolgreiche Sportler der Stadt der Silberne Stadttaler verliehen wird. "Denn mit ihren überragenden Leistungen bei nationalen Titelkämpfen betreiben die Jugendlichen im besten Sinne des Wortes Imagewerbung für Wolmirstedt, sind wir als Stadt bundesweit im Gespräch."

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