Armin Bartz, Vorsitzender des Kreisverbandes der Kleingärtner, blickt besorgt auf die Sparte "1947 e.V." im Bauernweg. Erstmals fehlte es auf der Mitgliederversammlung an Gartenfreunden, die sich für die Vorstandswahl aufstellen ließen. Um die Existenz der Anlage nicht zu gefährden, arbeitet der bisherige Vorstand jetzt erst einmal für ein Jahr kommissarisch weiter.

Wolmirstedt. Das Bild der Kleingärtner ist klar besetzt. Zwischen mannshohen Hecken hacken Männer und Frauen aus schnurgeraden Beeten das Unkraut, damit Erbsen, Bohnen und Salatköpfe die Nährstoffe des Bodens für sich allein bekommen. Üppige Blumen wachsen und der Rasen wird sorgsam gemäht. Mit all diesem emsigen Tun, hegen und pflegen sie die grüne Lunge der Stadt. Dabei sind Kleingärtner meist stille, unauffällige Wesen, deren Treiben nur in der Zeit des Verbrennens laut kommentiert wird, wenn sie es wagen, aus erfrorenen Resten der Rosen und zu üppigen Trieben von Sträuchern ein Feuer zu entfachen.

Doch bei all ihrem unermüdlichen Einsatz für den heimischen Teller, die Vase und nicht zuletzt die Gesundheit, darf man nicht vergessen, dass Kleingärtner organisiert sind. Und zwar unterliegt die Arbeit in jeder Sparte dem Bundeskleingartengesetz, der Gartenordnung, und wird durch die Arbeit eines Vorstandes vertreten. Fehlt so ein Vorstand, ist die Arbeit und eigenständige Existenz der gesamten Sparte in Gefahr. Dieses Damoklesschwert hängt derzeit über der "Kleingartensparte 1947". Nach der Entlastung des alten Vorstandes, stand kaum ein Kandidat für den neuen Vorstand bereit. Nur zwei von sechs Vorstandsmitgliedern wollten weitermachen. Vom Nachwuchs fehlt jede Spur. "Es gibt zu wenige Gartenfreunde, die mich unterstützen", begründet die bisherige Vorsitzende Verena Mielke ihre Abkehr vom Amt. "Im Wesentlichen konnte ich mich auf die Kassiererin Viola Rentz verlassen."

Armin Bartz, Vorsitzender des Kreisverbandes der Kleingärtner, war bei der Wahlversammlung dabei und zeigte sich außerordentlich betroffen. "Keiner der anwesenden Mitglieder ließ erkennen, dass er bereit war, im Vorstand seines Vereins Verantwortung zu übernehmen", sagt er.

Dieses Situation gab es noch nicht im Kreisverband. Dabei steht die Sparte "1947" gut da. Fast alle Gärten der 64 Jahre alten Anlage zwischen Bauernweg und Colbitzer Straße sind vergeben. Fast alle Mitglieder bewirtschaften ihre Gärten ordentlich und im Sinne des Bundeskleingartengesetzes. Es gibt kleinere Gärten mit etwa 300 Quadratmetern und größere mit mehr 600 Quadratmetern. "Es ist eine der größten und schönsten Anlagen", bestätigt auch Bartz. Warum also mag niemand ehrenamtlich im Vorstand mitarbeiten? "Zum einen werden die Folgen der Überalterung im Kleingartenwesen spürbar", stellt Bartz fest, "zum anderen lässt überall die Bereitschaft nach, unentgeltlich Verantwortung zu übernehmen."

Verena Mielke macht die Arbeit als Spartenvorsitzende eigentlich Spaß, und zu alt ist sie auch nicht. Mit Mitte Vierzig gilt sie als junge Gartenfreundin. "Wir machen Gartenbegehungen, planen Arbeitseinsätze, kümmern uns um Gartenübergaben und suchen Nachnutzer", nennt sie einige der Aufgaben. Sie selbst würde weitermachen, wenn es mehr Mitstreiter gäbe.

Die Sorge, sich als Vorstandsmitglied in seiner Sparte unbeliebt zu machen, ist für sie nicht begründet. "Wir reden mit den Gartennutzern auf Augenhöhe, wir mahnen bei Verstößen nicht gleich", nennt sie die Philosophie ihrer Arbeit. Es scheint also alles ganz leicht, und trotzdem war niemand zur Vorstandsarbeit bereit. Armin Bartz vermutet, dass den Vereinsmitgliedern die Identität mit dem Kleingartenverein fehlt. "Die Sparte muss sich Traditionen organisieren", schlägt er vor, "vielleicht werden dann mehr Vereinsmitglieder bereit, sich zu engagieren." Der Kreisvorsitzende sieht in der "Kleingartensparte 1947" das Potenzial, einer der Leistungsträger des Kreisverbandes zu werden. "Das Tollste wäre, die Kleingärtner würden sich zum Tag der Regionen am 4. September auf der Schlossdomäne präsentieren", sprüht er förmlich vor Eifer.

Auch Verena Mielke und ihr bisheriger Vorstand haben die Flinte noch nicht komplett ins Erdbeerbeet geworfen. "Wir arbeiten noch ein Jahr lang weiter", sagt sie, "bis zur nächsten Mitgliederversammlung." Vielleicht finden sich ja bis dahin ein paar unverbrauchte Mitstreiter. Völlig hoffnungslos scheint die Lage also nicht, denn die Arbeit wurde schon während der Mitgliederversammlung auf neue Schultern verteilt. "Für zwei unserer vier Gänge haben wir sogenannte Gangverantwortliche gefunden", sagt Verena Mielke, "sie agieren als Ansprechpartner vor Ort."