Barleben, so können es die Chronisten belegen, kommt in die Jahre. 2012 feiert der Ort seine erste urkundliche Erwähnung vor nunmehr 950 Jahren. Da ist aber kein Grund, Traumschlösser zu bauen. Dafür aber wird zu Pfingsten hinter der Kirche ein richtiges Kinderdorf "gebaut".

Barleben. Kinder sehen die Welt mit anderen Augen, nicht nach den Werten und Maßstäben der Erwachsenen. Ihnen fehlen Erfahrungen, die die Erwachsenen im Laufe ihres Lebens machen. Kinder treffen daher ihre Entscheidungen noch völlig ohne Zwänge. Und das muss nicht verkehrt sein.

Das weiß man in Barleben schon seit Jahren, hat daher ganz bewusst dem Nachwuchs mit dem Kinder- und Jugendgemeindeparlament eine politische Plattform geschaffen. Aus Anlass der 950-Jahr-Feier geht man jetzt sogar noch einen Schritt weiter, darf sich der Nachwuchs selbst ein neues Zuhause bauen.

Das Projekt trägt einen Namen: "Kinderdorf". Das heißt, die Barleber Mädchen und Jungen können, soweit sie wollen, sich ihre eigene kleine Gemeinde schaffen, mit allem, was dazu gehört. Zum Jubiläum der Ortschaft Barlebens im nächsten Jahr wird das Dorf der Kinder auf dem Areal hinter der alten Kirche Wirklichkeit. Denn das Vorhaben steht inzwischen auf sicheren Fundamenten. Auch, weil sich die Gemeinde kompetenten Rat und Beistand geholt hat. Der diplomierte Sozialpädagoge Heiko Bergt ist mit an Bord, steht den Kids im "Kinderdorf" beratend zur Seite.

Für den "Architekten" ist Barleben nicht die erste Baustelle. Mit großem Erfolg hat er in den vergangenen Jahren bereits in Quedlinburg, Dessau-Roßlau aber auch in Magdeburg gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen Dörfer entstehen lassen. Natürlich immer nur zeitlich begrenzt.

Während der Pfingstferien vom 21. bis 26. Mai 2012 entsteht in Barleben hinter der Kirche ein Ort, den die Kinder nach ihren Ideen, Vorstellungen Wünschen gestalten und verwalten dürfen.

Das bedeutet, dass mit dem Einzug ins Dorf auch gleich Wahlen anstehen werden. Schließlich wird dann ein Bürgermeister benötigt, soll selbst ein Arbeitsamt installiert werden, wo den Kids die verschiedensten Jobs, wie Gemeindearbeiter, Polizist, Feuerwehrmann, Friseur, Konsumleiterin, Bäcker und viele mehr, angeboten werden. "Bezahlbar" soll das Dorf auch sein. Die entsprechenden Zahlungsmittel werden zuvor in den Workshops entworfen und selbst hergestellt. Das Geld darf natürlich auch ausgegeben werden. Nach getaner Arbeit kann der Bewohner seinen Lohn in ein Geschäft, Restaurant oder zum Friseur tragen. Er hat aber auch die Möglichkeit, sein Geld auf einer Bank anzulegen.

"Bei allem Spaß, hat das Projekt auch einen tieferen Hintergrund", versichert der Sozialpädagoge. "Die Heranwachsenden können im Kinderdorf Erfahrungen sammeln, wie sie so im wirklichen Leben kaum möglich sind. Sie erlernen, eigenständig wichtige Entscheidungen zu treffen und erleben unmittelbar deren Konsequenzen."

Diese Idee hat offensichtlich gut gezündet, denn schon lange vor der "Grundsteinlegung" haben die Horte und Schulen Interesse signalisiert. Auch der Kinder- und Jugengemeinderat von Barleben wird sich einbringen, hat seine Mitarbeit bereits zugesichert.

Aber wie Heiko Bergt auch aus seiner langjährigen Erfahrung weiß, kann so ein Dorf ohne die Hilfe der Erwachsenen dann doch nicht funktionieren. Und so hat die Gemeinde von Anbeginn klar gestellt, dass sie jegliche Unterstützung geben wird.

Der wohl wichtigste Schritt wurde dieser Tage vollzogen. Zur Vorbereitung und fachlichen Begleitung dieses interessanten Projektes haben der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Barleben, Jörg Meseberg, und Heiko Bergt einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Und damit zugleich den ersten Baustein gesetzt.