Einen Hilferuf startete am Montag Werner Meyer vom Hermsdorfer Sportverein "Blau Weiß 09" im Kulturausschuss der Hohen Börde. Das zusammen mit der Ortschaft beantragte Geld für einen Sanitärtrakt am Sportlerheim fehlt wider Erwarten im Haushaltsentwurf der Gemeinde Hohe Börde 2011.

Hermsdorf. 50 000 Euro sollte der dringend erforderliche Sanitärtrakt kosten. Bisher gibt es nur eine Nottoilette im Schiedsrichterraum, drei reparaturanfällige Duschen und weitere WC in der angrenzenden Vereinsgaststätte. Das ist für Werner Meyer "kein zumutbarer Zustand".

Erst vor zwei Jahren hatte sich der Verein neu gegründet und zählt heute bereits 197 Mitglieder, davon 72 Kinder und Jugendliche von sieben bis 17 Jahren. Neben Fußball gibt es die Abteilungen Tischtennis, Laufen, Nordic Walking und Gymnastik. Das Gros der Mitglieder machen aber die Kicker aus. Allerdings müssen die gegenwärtig ihre Heimspiele auswärts austragen, größtenteils in Klein Ammensleben, aber auch in Dahlenwarsleben und Hohenwarsleben. Grund ist der ramponierte Rasen, der mit viel Pflege zur neuen Spielsaison 2011/2012 endlich wieder bespielbar sein soll, hoffen zumindest die "Blau-Weißen".

Zusammen mit dem Hermsdorfer Ortschaftsrat war der Sportverein davon ausgegangen, dass die Finanzierung für das Sportlerheim steht. Doch bei Lesung des Haushalts- entwurfs in der vergangenen Woche, fielen die Hermsdorfer aus allen Wolken.

50000 Euro umsonst im Haushalt gesucht

Ursprünglich sollte der Sanitärtrakt aus den Rücklagen der Ortschaft finanziert werden. Die betragen immerhin noch 163 000 Euro.

Neben weiteren für 2011 geplanten Investitionen, wie dem Endausbau der Mittelstraße (80 000 Euro Eigenanteil plus beantragter Förderung durch Dorferneuerung), der Fertigstellung der Kita (25 000 Euro Überhang aus 2010) sowie zu zahlenden Zinsen an den WWAZ (28000 Euro) und Kosten für den Abriss der Scheune in der Mittelstraße, bleibt im Haushaltsentwurf kein Geld für den Sanitärtrakt über. Das wäre aber vorhanden. Denn: Aus der Vermögensvereinbarung mit dem WWAZ sind eigentlich auch 850000 Euro für Hermsdorf vorgesehen. Doch die sind auf Weisung der Aufsichtsbehörden erst einmal auf Eis gelegt (Volksstimme berichtete).

Bürgermeister Dieter Dähnhardt kann das nicht nachvollziehen. "Wir sollen fast 28000 Euro Zinsen an den WWAZ zahlen; 2010 haben wir 400000 Euro an Hermsdorfer Grundstückseigentümer erstattet – eben wegen der Klärung der WWAZ-Geschichte. Und nun sollen wir unserer Erlösanteile aus der WWAZ-Vermögensvereinbarung nicht in unser Dorf investieren dürfen? Das ist nun wirklich nicht mehr nachzuvollziehen. Das Geld für den Sanitärtrakt wäre locker drin. Grundsätzlich sehe ich ja ein, dass nicht alle Dinge aus den Rücklagen bezahlt werden können. Man muss mit Augenmaß und unter Berücksichtigung des Zweckes der Investitionen differenzieren. Aber gerade beim Sportverein, der so viel für unsere Kinder- und Jugendarbeit leistet, sollte man doch die Dinge tun, die nötig sind. Unsere Ortschaft hat schon 2010 alles von den Rücklagen bestritten und den Gemeindehaushalt mit ihren erheblichen Steuereinnahmen gestützt. Deshalb ist hier noch nicht das letzte Wort in Sachen Sanitärtrakt gesprochen", erklärte Dähnhardt.