Rogätz. Einen letzten Hilfeschrei aus Rogätz schickte gestern Margitta Häusler, Vorsitzende der Heimat- und Kulturfreunde. "Trotz aller Aufrufe und persönlicher Nachfragen sind in diesem Jahr junge Rogätzerinnen nicht bereit, als neue Blütenkönigin und als Justitia für die Amtszeit 2011/12 zu fungieren."

Es deutete sich schon in den letzten Jahren an, dass es immer schwieriger werden würde, junge Frauen aus Rogätz für eine Amtszeit als Blütenkönigin beziehungsweise Justitia zu gewinnen, so Margitta Häusler. Deshalb hatte die Gemeinde im vorigen Jahr beschlossen, dass sich die neuen Majestäten ihr Kleid selbst aussuchen und anschließend auch behalten dürfen.

Hoheiten dürfen das Kleid behalten

Vanessa Mertens und Sandra Braumann, die derzeit amtierenden Hoheiten, kamen erstmals in diesen Genuss. Das hat sich die Gemeinde auch einiges kosten lassen. Die Betreuung der Hoheiten wird seit dem vergangenen Jahr durch die Heimat- und Kulturfreunde abgesichert. "Eine aufwändige ehrenamtliche Arbeit, die hauptsächlich von Vereinsmitglied Sabine Braumann geleistet wird, ihr bei aller Mühe aber auch viel Spaß macht. Der aber vergeht uns jetzt sichtlich, weil alle Bemühungen, neue Repräsentantinnen für unser schönes Dorf zu finden, umsonst waren. Sich freiwillig für den Ort zu engagieren, das scheint gerade nicht ,in‘ zu sein", so die Vereinsvorsitzende.

Niemand meldete sich nach den Aufrufen in der Zeitung oder auf der Internetseite der Heimatfreunde. "Familien und mögliche Kandidatinnen wurden persönlich angesprochen. Auch Vanessa und Sandra wurden aktiv. Doch leider hatten wir alle bislang keinen Erfolg. Vielleicht haben wir ja diejenige nicht gefunden und gefragt, die nur darauf gewartet hat", erzählte Sabine Braumann.

Als Gründe für die Ablehnung brachten die jungen Frauen vor, sie fühlten sich nicht geeignet. Im Mittelpunkt oder auf einer Bühne zu stehen, das wäre nichts für sie. Da zog auch nicht das Argument, dass sie in die Aufgabe hineinwachsen würden und alle Majestäten zuvor das gleiche Problem sahen. "Eine Kandidatin lehnte grundsätzlich ab, ein Kleid zu tragen - akzeptiert. Wieder andere brachten vor, sie wären außerhalb zur Ausbildung beziehungsweise zum Studium und könnten keine Zeit erübrigen. Klar, das kann man verstehen", sieht Sabine Braumann ein.

Aber das bringt Gemeinde und Verein jetzt schwer in die Bredouille, die schon gern am 7. Mai nach dem Umzug im Festzelt neue Majestäten präsentieren und krönen würden, zumal viele Gastmajestäten aus Sachsen-Anhalt daran teilnehmen.

Heimatfreunde hoffen auf eine Lösung

"In quasi letzter Minute möchte ich doch noch einmal dazu aufrufen, dass sich junge Rogätzer Frauen zwischen 17 und 30 Jahren ein Herz fassen und melden. Supermodel- oder Prinzessinnenqualitäten sind nicht vonnöten. Überlegen Sie bitte, es ist die Gelegenheit, einmal im Leben Blütenkönigin oder Justitia zu sein. Das sollte sich Frau nicht entgehen lassen, das Erlebnis behält sie für immer im Herzen. Bitte melden Sie sich bei der Gemeinde oder beim Heimatverein! Auch wenn es knapp an der Zeit ist, keiner sollte denken, dass Lückenbüßerinnen gesucht werden. Wir möchten, wenn irgend möglich, die Amtszeit auf ein Jahr begrenzen. Vanessa und Sandra haben es verdient, nach einem engagierten Jahr abgelöst zu werden. Beide studieren beziehungsweise lernen in Magdeburg, haben sich die Einsätze auch mal geteilt, so dass andere Verpflichtungen nicht zu kurz kamen", hofft Margitta Häusler darauf, dass ihr Hilferuf erhört wird.

Bei der Suche nach der neuen Blütenkönigin und Justitia sei ihr aufgefallen, dass viele junge Frauen den Heimatort verlassen und nicht zurückkehren. "Das ist erschreckend, schlimm für die Familie und schade fürs Dorf, aber wenn sie hierzulande keine Anstellung finden, sind sie weg", bedauert Margitta Häusler.

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