Wolmirstedt Vor siebzehn Jahren war Bernd Kurt Götz das erste Mal im Bürgerhaus als Kabarettist zu Gast. Doch auch danach kam er noch viele Jahre lang nach Wolmirstedt. Zuletzt gab es aber fünf Jahre Pause, doch am vergangenen Freitag war er wieder da.

" Goetzenbilder 2010 "

Die Wolmirstedter Kabarettfreunde hatten diesen schrägen rothaarigen Doktor der Philosophie nicht vergessen und kamen in Scharen in den Schlosskeller, um sich am neuen Programm " Götzenbilder 2010 " im wahrsten Sinne des Wortes zu ergötzen.

Bernd Kurt Götz kam nicht allein, sein Bruder Hartmut war mit auf der Bühne, immer dann, wenn Bernd gerade nicht da war. Götz kam also als geteilte Persönlichkeit, und als wäre das nicht schon schizophren genug, steckte der Bruder in einer Zwangsjacke in einer Irrenanstalt fest.

Bernd Kurt Götz benutzte die beiden Bruder-Figuren an diesem Abend, um verbale Granaten in das bundesdeutsche Nachwendeleben zu werfen. Er wirbelte Staub auf, brachte das Publikum allerdings nicht zum Niesen, sondern zum Lachen. Die Auswüchse des Wertewandels machte er anhand einer Bahnfahrt fest, echauffierte sich über die ewigen Gute-Reise-, Gute-Ankunft-Wünsche, das endlose Vorstellen und Verabschieden der Crew. " Als ich ausstieg, war ich ganz zugewünscht ", sagte er. " Früher hätte man solche Leute als Dummschwätzer abgetan, heute sind das Kommunikationsjunkies. "

Er bedauerte auch, dass die schönen Dinge heutzutage alle nachts passieren. " Nacht der Kirchen, Nacht der Museen - wir sind in einer richtigen Night-Gesellschaft angekommen ", konstatierte er. Wobei die Night-Gesellschaft etwas anderes ist, als die Neid-Gesellschaft. " In der leben wir auch ", sagte er und erzählte vom vogtländischen Meinel-Dieter. " Der ärgert sich, weil er nur drei Bypässe bekommen hat, obwohl er doch schon ein Leben lang in die Krankenversicherung einzahlt. Sein Nachbar hingegen bekam eine künstliche Hüfte und die ist bestimmt mehr wert, als lediglich drei profane Bypässe. "

Götz springt in den Themen umher, bei ihm ist es normal, dass er mit dem Bahnfahren beginnt, den Verteidigungsminister streift, bei der Pisastudie ankommt und zwischendurch Lokalkolorit einstreut und den falschen Waldemar oder den im Publikum sitzenden Stadtrat Senkel erwähnt.

Wieder eingeladen

Manchmal wirbelt der Kopf von soviel Gedanken und Sprüngen, aber die " Götzenbilder 2010 " ließ der Kabarettist stets einen Moment verweilen, so dass dem Publikum während des zweistündigen Programm genug Zeit blieb, die Pointen zu erfassen, zu belachen und zu beklatschen. " Wir werden dich auf jeden Fall wieder einladen ", versprach Bürgerhaus-Chefin Christine Maluck zum Schluss und für dieses Versprechen bekam sie auch viel Applaus vom Publikum.