Die Gemeinde Barleben war vier Jahre lang "Testlabor" für die Bürgerarbeit. Sie war einer von sechs Standorten für dieses jetzt bundesweit eingeführte Beschäftigungsmodell. Die Bürgerarbeit und natürlich stabile und erfolgreiche Unternehmen am Standort haben mit dazu beigetragen, dass die Kommune im letzten Monat bei einer Arbeitslosenquote von 6,3 Prozent lag.

Barleben. Die Ortsteile Ebendorf und Meitzendorf wurden von Anfang an nicht in den Modellversuch integriert. Man hatte lediglich die 360 Arbeitslosen aus der Kernortschaft zu Einzelgesprächen eingeladen und ihnen Möglichkeiten aufgezeigt. Ebendorf und Meitzendorf fielen nicht unter den Tisch, hieß es. Aber man müsse darauf achten, dass alles im festgelegten "Korridor" verläuft. Umfang und Qualität der Finanzausstattung seien beschränkt, die Kopfzahl begrenzt.

Die Kernortschaft Barleben mit rund 6000 Einwohnern und mit starker Ansiedlung von Gewerbe und Industrie, konnte bereits vor Beginn der Bürgerarbeit eine verhältnismäßig geringe Arbeitslosenquote von 8,6 Prozent vorweisen. Am 19. Februar 2007 fiel hier der Startschuss zum Modellprojekt.

In der Bürgerarbeit steckt die Idee, langzeitarbeitslosen Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt wenig Chance haben, eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in gemeinnützigen Bereichen wie Vereinen, der Kirche, im außerschulischen Bereich oder in der Seniorenbetreuung anzubieten. Insgesamt 65 Personen erhielten eine Beschäftigung als "Bürgerarbeiter". Im November 2008 wurde eine Verlängerung um ein weiteres Jahr ausgesprochen, allerdings nur für knapp zwei Drittel der einstmals 65 Teilnehmer. Wer vor seiner Tätigkeit ALG I bezog, bekam keine Verlängerung über 2008 hinaus. Für ALG- II-Empfänger ging es weiter. Mit den ALG-I-Teilnehmern wurden Gespräche geführt, um ihnen Stellen zu unterbreiten, die auf den Erfahrungen aus der Bürgerarbeit aufbauen. Im Jahr 2009 galten für die Bürgerarbeit neue Richtlinien. Die Lohnkosten wurden zu 75 Prozent vom Jobcenter der Arge finanziert, den Rest, sowie erforderliche Sach- und Verwaltungskosten, übernahm das Land. Vereine und Gemeinden, in denen die Bürgerarbeiter eingesetzt waren, beteiligten sich mit einem Pauschalbetrag.

Das Modellprojekt war im August 2006 bei der Lebenshilfe in Magdeburg gestartet und dann in Bad Schmiedeberg erfolgreich weiter getestet worden. Neben Barleben kamen später noch Gerbstedt, Kelbra und Hecklingen als Modellstandorte hinzu. An allen sechs Standorten wurden in einem mehrstufigen Verfahren alle Arbeitslosen aktiviert. Nur wenn dies nicht zu einer regulären Beschäftigungsaufnahme führte, wurde den Arbeitslosen eine gemeinnützige, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten. Im Ergebnis sank die Arbeitslosigkeit an allen sechs Standorten um etwa die Hälfte.

Daraufhin ist das Projekt letztes Jahr bundesweit ausgeweitet worden. "Mit der Bürgerarbeit finanzieren wir gemeinnützige Arbeit statt Arbeitslosigkeit", betont Sachsen-Anhalts Minister für Wirtschaft und Arbeit, Reiner Haseloff, immer wieder. Damit mache sie sich für jeden Einzelnen und die gesamte Gesellschaft bezahlt. Selbst schwer vermittelbare Arbeitslose erhielten durch Bürgerarbeit eine positive Lebensperspektive.

Bundesweit werden derzeit 34 000 Bürgerarbeitsplätze geschaffen. Landesweit wird es etwa 4 800 Jobangebote im gemeinnützigen Bereich geben. Schwerpunkt im Landkreis Börde ist Oschersleben. In Barleben läuft die Bürgerarbeit aus.