Sie geben ihre Freizeit für die gute Sache. Zum heutigen Internationalen Tag des Ehrenamtes soll all jenen gedacht werden, die sich unentgeltlich engagieren. Im Wolmirstedter Bodelschwingh-Haus sind diese Helfer wichtige Stützen und aus der täglichen Arbeit nicht mehr wegzudenken.

Wolmirstedt. " Nichts ist schöner, als wenn man etwas gemeinsam macht ", erklärt Bernd Peter Pioch im Brustton der Überzeugung. Der Samsweger engagiert sich seit zwei Jahren ehrenamtlich im Bodelschwingh-Haus und ist dort überwiegend im Bereich der Reise- und Freizeitbörse aktiv.

Eine Krankheit machte es dem 61-Jährigen unmöglich, weiter in seinem gelernten Beruf zu arbeiten. Sich lediglich um Haushalt, Garten oder die Enkel zu kümmern, kam für Pioch nicht in Frage. " Nur die Straße auf und ab zu gehen, das ist nichts für mich. Ich suchte eine sinnvolle Aufgabe ", erinnert er sich zurück. Seine Frau brachte ihn dann darauf, sich bei der Wolmirstedter Einrichtung für Behinderte vorzustellen.

Ähnlich fing es auch bei Erika Hartmann an, die seit 2004 im Bodelschwingh-Haus tätig ist. Neben der Begleitung der Reisen hat sie sich durch eine Fortbildung zur ehrenamtlichen Betreuerin qualifiziert. Das bedeutet, dass sie für drei Bewohner da ist und diese beispielsweise bei Behördengängen, Einkaufsfahrten und ähnlichen Terminen begleitet.

Mittlerweile möchte nicht nur Martina Bauer diese beiden Ehrenamtlichen nicht mehr missen. Die Reisebörse, die von ihr betreut wird, arbeitet viel mit Menschen, die sich nebenberuflich oder in der Freizeit engagieren.

Nur so ist es möglich, dass beispielsweise im vergangenen Jahr 35 Reisen mit 180 Teilnehmern organisiert werden konnten. " Etwa 30 Ehrenamtliche und Praktikanten waren es im vergangenen Jahr, gut die Hälfte davon ist ein fester Stamm, den ich immer anrufen kann ", lobt Martina Bauer. Aus ihrer Erfahrung weiß sie, dass es keine finanziellen Anreize sind, weshalb diese Menschen ihre Hilfe anbieten.

Das bestätigen auch Bernd Peter Pioch und Erika Hartmann. Einfach sei die Arbeit mit den Behinderten natürlich nicht immer. Aber das glückliche Lächeln der Bewohner ist für beide der größte Lohn. " Erst vor kurzem lief ich über den Hof. Da kam eine Bewohnerin auf mich zu, strahlte und fragte, ob wir bald wieder wegfahren. Auch ihre Mutter, die auf den Rollator angewiesen ist und bei der letzten Reise mit dabei war, würde sich schon darauf freuen ", schildert Pioch eines der Erlebnisse, aus denen er Kraft für sein Engagement zieht. Neben der reinen Reisebegleitung spielt der Samsweger auch immer mal wieder Chauffeur und lenkt die Kleinbusse, mit denen die Behinderten zu ihren Tagesausflügen fahren.

" Man kann diesen Helfern nicht genug danken. Letztens, als seine Frau einen freien Tag hatte, war hier Not am Mann. Ich habe angerufen und Herr Pioch kam ", erzählt Martina Bauer. Der Gelobte winkt ab. Selbstverständlich sei das. " Nächstenliebe, mit diesem Wort kann ich auch als Atheist etwas anfangen. "

Wer Bernd Peter Pioch und Erika Hartmann erlebt, der merkt, dass die beiden Helfer selbst ein gutes Team sind. Das wird natürlich auch bei der Planung der Reisen und der dafür eingesetzten Betreuer berücksichtigt. Und eines weiß Martina Bauer schon jetzt. Wenn der Reisekatalog für das kommende Jahr in den nächsten Wochen verteilt wird, dann kann sie wieder ein Phänomen beobachten : " Es gibt Bewohner, die schauen gar nicht, wohin die Reise geht. Die suchen sich das Ziel danach aus, welcher ehrenamtliche Betreuer mitfährt ", erzählt die Verantwortliche der Reisebörse schmunzelnd.

Ein schöneres Lob für ihr Engagement können sich die beiden Ehrenamtlichen nicht vorstellen. Und erklären deshalb einhellig, dass sie das auch in den nächsten Jahren fortsetzen werden. " Wenn ich gebraucht werde, dann bin ich da ", versichert Pioch. Und Erika Hartmann lächelt zustimmend.