Von Mai bis Dezember führte das Bodelschwingh-Haus ein Projekt über umweltbewusstes Leben und Lernen für erwachsene Menschen mit Behinderung durch. Insgesamt 66 Bewohner beschäftigten sich dazu mit vier verschiedenen Themen. Die Ergebnisse wurden am Freitag bei einer Projektpräsentation öffentlich gemacht.

Wolmirstedt. " Jede Begegnung in und mit der Natur ist ein Erlebnis und eine Chance, gerade für erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung Neues zu entdecken, aber letztlich sich selbst ", zog Jana Giera ein Resümee.

Das allein war es nicht, was die engagierte Leiterin des Projektes " Energie und umweltbewusst ( er ) leben und lernen " den Teilnehmern, aber auch den zahlreichen Gästen – unter ihnen der CDU-Bundestagsabgeordnete Manfred Behrens, der stellvertretenden Bürgermeisterin Marlis Cassuhn und der Sozialamtsleiterin Marlis Lüder – zu sagen hatte.

Christian Geyer, 2. Vorstand des Bodelschwingh-Hauses, hatte am vergangenen Freitag in die Angerstraße 1 zur Abschlusspräsentation des Umweltprojektes geladen. In den vergangenen acht Monaten hatten sich die Bewohner des Bodelschwingh-Hauses ganz bewusst mit Fragen der Energie und des Umweltschutzes beschäftigt.

" Die Ziele des Projektes waren vielfältig gesteckt ", erläuterte Projektleiterin Jana Giera, " damit wurden nämlich zugleich für die Bewohner des Bodelschwingh-Hauses neue Lerninhalte eröffnet und ihre Kompetenzen erweitern. Zudem wurden Antworten gegeben, um die Umwelt besser zu verstehen und bei den Projektteilnehmern nachhaltige Veränderungen im Umgang mit der Natur anzuregen. Außerdem sollten mit diesem Projekt Bereiche der Rehabilitationspädagogik angesprochen werden, wie Integration, Selbstbestimmung und Eigenaktivität. "

Konkret sah es so aus, dass sich 66 Projektteilnehmer und elf ehrenamtliche Helfer in den Monaten Mai bis Dezember mit vier Themenkomplexen – Energie, Elektrizität, Wasser sowie Müll und Recycling – bewusst auseinandersetzten.

Wie wichtig und zugleich bedeutsam dieses Projekt ist, zeigte die Tatsache, dass eine 80-prozentige Förderung durch das Land Sachsen-Anhalt erfolgte. Staatssekretär für Landwirtschaft und Umwelt, Jürgen Stadelmann, der der Einladung nach Wolmirstedt gern folgte, betonte in seiner Ansprache, dass das Land im Rahmen des Konzeptes " Bildung für nachhaltige Entwicklung " auch erwachsene Menschen mit Behinderung erreichen, aber auch fördern will. " Denn die Selbsterfahrung ist ein guter pädagogischer Ansatz, der am ehestens dazu führt, eigenes Verhalten zu prüfen und dann zu verändern. "

" Deshalb war die eigene praktische Erfahrung für die Bewohner des Bodelschwingh-Hauses ganz wichtig ", so betonte Jana Giera nachdrücklich. " Anfassen, alles berühren, dabei vor allem Spaß haben, nur dann erzielen wir bei den Projektteilnehmern eine nachhaltige Wirkung. " So waren die Teilnehmer währen Tagesund Zweitagesaktionen unmittelbar vor Ort. Dafür reisten die Bewohner des Bodelschwingh-Hauses in verschiedenen Gruppen zum Beispiel in den Harz, besichtigten einen ehemaligen Braunkohletagebau. Sie weilten zudem an der Talsperre in Wendefurth und waren gern gesehene Gäste im Kompetenzzentrum für erneuerbare Energie in Barby. Die Teilnehmer besuchten außerdem vor den Toren der Stadt Wolmirstedt eine Biogasanlage, wanderten durch den Solarwald in Kleinwulkow, legten einen Zwischenstopp im Wasserwerk Colbitz ein und besichtigten ein im Aufbau befindliches Umspannwerk.

Auch wenn mit der Präsentation, das Projekt beendet wurde, ist sich Projektleiterin Jana Giera sicher, und weiß dabei den Vorstand des Bodelschwingh-Hauses hinter sich, wird auch 2010 das Thema Energie und Umweltschutz in irgendeiner Form auf der Tagesordnung stehen.