Jetzt ist es raus : Bürgermeister Dr. Hans-Jürgen Zander ist ein Geschichtenerzähler. Aber nicht nur. Wie er sich dieser Tage outete, will er auch unter die Kinderbuchautoren gehen. Die Mädchen und Jungen der integrativen Kindertagesstätte " Storchennest ", denen er am vergangenen Freitag seine Geschichten vorlas, sind jedenfalls angetan.

Wolmirstedt. Wer kennt nicht diese Klischees ? Genervt sitzt er am Schreibtisch, ist der Verzwei ung nahe. Ihm ÿ el einfach kein Thema für eine Geschichte ein. Und dann tut sich einem das typische Bild auf, mit hunderten von zerknüllten Papieren auf dem Boden, dem Tisch, dem Müllkorb.

Auch Wolmirstedts Bürgermeister Dr. Hans-Jürgen Zander kennt diese Geschichten, hat sie, wie er verrät, oft im Fernsehen gesehen. " Aber bei mir war es ein ganz wenig anders ", betont der Bürgermeister, " denn ich habe schon immer gern Geschichten geschrieben. "

Und der Familienvater zweier erwachsener Kinder liest seine Geschichten auch heute noch gern vor. So erst in der vergangenen Woche zum bundesweiten Vorlesetag in der integrativen Kita " Storchennest ". Die Mädchen und Jungen waren mächtig angetan, lauschten gespannt und konnten gar nicht genug von der Raupe Emma hören.

Ein gutes Gefühl, wie der Bürgermeister versichert und erzählt die wahre Geschichte : " Während mein Sohn sich abends zufrieden gab, wenn ich ihm eine Gute-Nacht-Geschichte vorlas, wollte meine Tochter unbedingt, dass ich ihr eine eigene Geschichte erzähle. Und so kam ich irgendwann auf die Raupe Emma. "

Das liegt über 25 Jahre zurück und Tochter Kathrin ist inzwischen 29 Jahre. Geblieben aus jener Zeit aber sind die Geschichten von Raupe Emma, weil er jede einzelne – es waren seinerzeit sieben – niedergeschrieben hatte.

Und eben diese Manuskripte ÿelen dem Bürgermeister jüngst wieder in die Hand, als er krankheitshalber im Sommer viele Wochen ans Bett gefesselt war. " Denn ich hatte mich immer mit dem Gedanken getragen, die Geschichten irgendwann zu bündeln, und sie zu einem Buch zusammenzufassen. " Gesagt, geschrieben. Inzwischen liegen 15 Geschichten vor, 17 sollen es werden. Bei seiner nächsten " Auszeit ", und das kann schon zu den Feiertagen sein, sollen die ( vorerst ) beiden letzten Geschichten zu Papier gebracht werden.

Auf einen genauen Zeitpunkt, wann dann das Buch verlegt wird, will sich Dr. Zander nicht festgelegen, " vielleicht klappt es Weihnachten 2010 ?" Konkrete Vorstellungen, wie das Buch einmal aussehen soll, aber hat Dr. Zander bereits und in Bettina Behns eine sensible Künstlerin gefunden, die jede der Geschichten mit zarten Wasserfarben ins Bild setzt.

Der Bürgermeister hofft, und die Lesungen haben ihn darin bestärkt, dass das Buch auch angenommen wird. Nicht zuletzt, weil er es ohne erhobenen pädagogischen Zeigeÿ nger geschrieben hat. ,, Und, weil jede Geschichte anfängt wie jedes Märchen ", versichert Dr. Zander, " nämlich : Es war einmal eine Raupe, die raupte und raupte und raupte. Und diese Raupe heißt Emma. Stets wacht sie auf einem kleinen Kuschelblatt auf und erlebt die schönsten Abenteuer. Anfangs allein, später mit ihrer Freundin Marie. Ich denke, das wollen Kinder lesen oder sich vorlesen lassen !"