Traditionell wird in Wolmirstedt am ersten Adventssonntag das Adventsfest in der Innenstadt gefeiert. Das wird auch in diesem Jahr so sein. Abgerundet wird dieses Fest mit einem Konzert des Wolmirstedter Gospelchores in der Katharinenkirche.

Wolmirstedt. " Dieses Konzert wird ein Benefizkonzert ", sagt Chorleiterin Konstanze Schlegel, " und zwar zugunsten des Behindertenheimes Akamuri im afrikanischen Burundi. " Akamuri heißt auf deutsch " kleine Flamme ".

Aber wie kommen der Wolmirstedter Gospelchor und ein Behindertenheim in einem der ärmsten Länder der Welt zusammen ? " Seit vielen Jahren unterstützt der Afrika-Kreis des Bodelschwingh-Hauses dieses Heim ", sagt Jens Freimann, der in diesem Kreis arbeitet. Der Kontakt kam einst über Gilbert zustande, einen Mann, der mit seiner Frau Constance aus Burundi geflüchtet war und im Bodelschwingh-Haus arbeitete. Gemeinsam mit dem damaligen Bodelschwingh-Haus-Leiter Arvid Schaub baute er den Kontakt nach Schwarzafrika auf.

Gilbert lebt nicht mehr, Arvid Schaub ist nach Karlsruhe gegangen, doch die Verbindung zwischen Wolmirstedt und Burundi ist geblieben. Derzeit lernt George Niragira an der Fachschule für Sozialpädagogik den Erzieherberuf. In neun Monaten ist er fertig und wird dann nach Burundi gehen, heim zu seiner Frau und den vier Kindern, und er wird in Akamuri arbeiten.

" In Akamuri werden 400 Behinderte von 14 Mitarbeitern betreut ", erzählt Jens Freimann. Bis vor kurzem hat ein belgischer Geistlicher die Lohnkosten getragen, insgesamt 2700 Euro im Monat. Der Geistliche ist in den Ruhestand gegangen, und mit ihm fehlt auch das Geld. " Derzeit übernimmt das Bodelschwingh-Haus diese Summe ", erklärt Vorstand Peter Hugo, " aber das können wir auf die Dauer nicht stemmen. " Akamuri ist auf Spenden angewiesen. " Vielleicht kommen auch Patenschaften in Frage ", überlegt Hugo. Doch erst einmal wird der Gospelchor zugunsten dieses Heimes singen, und damit die Sängerinnen und Sänger Bilder aus Burundi im Kopf haben, zeigte Jens Freimann während der letzten Chorprobe einen Film. Er zeigt das Leben des Heimes in diesem sonnigen Land, zeigt, wie behinderte Kinder von ihren Eltern gebracht werden. Die Kleinen verbessern ihre Motorik, sie lernen kleine Arbeiten, viele sogar das Lesen. Mütter lernen die Übungen, die sie zu Hause mit ihren Kindern fortführen.

" Dieses Heim bietet Hilfe zur Selbsthilfe ", erzählt Jens Freimann, " viele Behinderte werden für ihre Arbeiten bezahlt. " Es sind Handarbeiten mit einfachsten Werkzeugen, Akamuri ist eine Arbeitsstätte mitten in Afrika, weit entfernt von unseren Technologien, aber es werden Seife, Getreideprodukte oder Schmuck produziert. " Das gibt unseren Bewohnern unheimlich viel Selbstwertgefühl ", sagt Schwester Meena im Film. Sie ist die Leiterin von Akamuri, war zu Beginn des Jahres in Wolmirstedt und hatte sich die hiesigen Werkstätten genau angeschaut.

In Akamuri gibt es eine Hühner- und eine Kaninchenzucht, eine Getreidemühle und eine Seifenherstellung. Letztere ist mit Hilfe des Bodelschwingh-Hauses entstanden und sichert den Heimbewohnern ein kleines Einkommen.

Dass die Spendengelder ohne Umwege in das Heim gelangen, dafür sorgt Frau Kühne, die deutsche Botschafterin in Burundi. Auch sie kam im Film zu Wort und erwähnte die Hilfe aus Wolmirstedt besonders. " Es wäre also schön, wenn zum Adventskonzert ein bisschen Geld zusammen kommt ", hofft Jens Freimann, " damit wir kleine Flamme Akamuri nicht ausgehen lassen. "