Eine kleine Auswahl von Gartenfrüchten präsentierten Kleingärtner im Rahmen der Wanderausstellung Ökologischer Landbau, die noch bis heute in der Kulturfabrik zu sehen ist. Vor der Eingangstür hatten sie Obst und Gemüse in kleinen Körben verstaut und boten sie zum Mitnehmen an. Mit dieser Aktion machten die Kleingärtner auf ihr von der Arge gefördertes Projekt " Bedürftige produzieren für Bedürftige " aufmerksam.

Haldensleben. Bereits im zweiten Jahr bearbeiten Ein-Euro-Jobber leerstehende Gärten in der Gartenanlage " Friedenskolonie " in Althaldensleben, die Gartenprodukte werden in der Tafel an Bedürftige verteilt, erläuterte Dr. Walter Strauß, Vorsitzender des Verbandes der Kleingärtner Börde-Ohre. Diese Maßnahme läuft über die ABS Drömling und ist vertraglich mit Kleingartenverein und DRK als Träger der Tafel vereinbart. " Das stets frische Obst und Gemüse wird sehr gern genommen ", bekräftigt Mandy Oelke, Leiterin für soziale Arbeit im DRK, die für die Tafel zuständig ist. Die frischen Produkte gibt es für die Tafelnutzer zur freien Auswahl. Natürlich werde aber darauf geachtet, dass für alle etwas zur Verfügung steht. Der Bedarf sei natürlich sehr viel größer und könne nicht mit dem gedeckt werden, was die Gärten bringen. Kleingartenverband und DRK nutzten gern die Möglichkeit, die ihnen die Initiative Haldenslebendig im Rahmen der Wanderausstellung bot, und informierten über die " Tafelgärten ". Hannelore Raila von Haldenslebendig war ebenfalls zu der Aktion dazugekommen. Mit dabei war auch Dr. Jürgen Spicher, der Fachberater des Verbandes.

Sechs Ein-Euro-Jobber waren bis Ende September in der Gartenanlage " Friedenskolonie " tätig, jetzt sind es vier. Bisher wurde eine Gartenfläche von 3500 Quadratmetern bearbeitet. Die vier werden über den Winter zwei Gärten zusätzlich zur Bestellung im Frühjahr vorbereiten. Damit stehen 2000 Quadratmeter zusätzlich zur Verfügung. Jörg Appel vom Baumarkt hörte das sehr wohl, denn sein Unternehmen stellt das Saatgut für diese Gärten kostenlos zur Verfügung.

" Wir haben in unserer Kleingartenanlage sehr große Gärten ", macht Klaus-J ürgen Vogel, der Vorsitzende des Gartenvereins, deutlich, der auch seinen Stellvertreter Karl-Heinz Aderhold mitgebracht hatte. Klaus-Jürgen Vogel gibt den Ein-Euro-Jobbern Anleitung bei ihrer Arbeit, denn nicht alle kannten sich bereits mit Gartenarbeit aus. " Ein Garten hat bei uns im Durchschnitt 1000 Quadratmeter ", erläuterte er. Der Durchschnitt in anderen Kleingartenanlagen liegt bei 300 bis 450 Quadratmetern, ergänzte Dr. Strauß. Die 1922 angelegte Kleingartenanlage " Friedenskolonie " verfügt insgesamt über 304 Kleingärten. 70 davon stehen leer. Das wiederum liegt wieder im Durchschnitt des Kleingärtnerverbandes Börde-Ohre, zu dem die Altkreise Haldensleben, Oschersleben und Wanzleben gehören. Der Verband hat 54 Vereine mit insgesamt 3100 Mitgliedern. Über 20 Prozent der Parzellen sind ungenutzt.

" Als Verband wünschen wir uns auch, dass sich noch mehr sozial Benachteiligte dafür entscheiden, selbst einen Garten zu übernehmen ", sagt Dr. Strauß. Gartenpacht und Mitgliedsbeitrag zusammen kosten im Jahr zwischen 60 und 80 Euro. Im ersten Jahr kann der Garten kostenfrei überlassen werden, und die Pacht sowie Beitrag können auch in Raten gezahlt werden, wirbt der Kreisvorsitzende. Ein Garten sorgt nicht nur für gesundes Obst und Gemüse, sondern bietet auch Erholung.

Vielleicht können auch Nutzer der Tafel im nächsten Jahr mithelfen, um Obst zu ernten, denkt Mandy Oelke weiter. Über den Winter könnten die Tafelmitarbeiter mit den Tafelnutzern über dieses Thema sprechen. Sie weiß, dass vor allem ältere Gartenbesitzer oder Gartenpächter es häufig nicht mehr schaffen, alles Obst zu ernten und zu verarbeiten. Sie würden sich freuen, wenn andere die Bäume oder Sträucher dann abernten würden. Das könnte auch die Arbeit der Ein-Euro-Jobber ergänzen.