Seit 17 Jahren gilt in Deutschland eine Anschnallpf icht für Lkw-Fahrer. Trotzdem schnallt sich heute gerade mal jeder zweite Brummifahrer ordnungsgemäß an. Zu wenig, fnden der Deutsche Verkehrssicherheitsrat und die Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen. Aufklärung lautet das Zauberwort.

Uhrsleben. Auf den ersten Blick fällt das große Fahrzeug unter den vielen anderen Lkw auf dem Parkplatz des Rasthofes Uhrsleben nur durch das kräftige Rot ins Auge. Doch auf den zweiten Blick merkt man, dass die Fahrerkabine rückwärts auf einem Anhänger befestigt ist. Sie sieht aus, wie eine gewöhnliche Fahrerkabine, doch sie ist präpariert, kann auf Knopfdruck von Jürgen Schöbel vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat ( DVR ) eine 360-Grad-Wendung vollziehen. Wehe dem Fahrer, der darin hinterm Steuer sitzt und nicht angeschnallt ist. Eine Gefahrenquelle, die viele Lkw-Fahrer unterschätzen, wissen Jürgen Schöbel sowie Freddy Wiesner vom DVR und Eberhard Brunck von der Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen ( BGF ). Viele denken, dass der Gurt im Ernstfall ohnehin nicht hält und kaputt geht. Doch die Experten, die seit Montag einen Überschlagsimulator und einen Aufprallsimulator auf dem Rasthof in Uhrsleben aufgebaut haben, wissen es besser.

Im Fall eines Auffahrunfalls werden die Lasterlenker nicht selten selbst zum Geschoss. Sie sitzen zwar hoch, aber relativ frei. " Bei einem Aufprall von 30 km / h katapultieren 75 Prozent der Fahrer über den Lenker in die Fensterscheibe und stürzen hinaus ", weiß Jürgen Schöbel. Ein Szenario, das nicht selten tödlich endet. Der Gurt hätte es verhindert und so Leben gerettet. Unglaubliche Kräfte wirken auf den Körper – schon bei 10 km / h im Simulator. Schneller wäre selbst bei dem Gerät bereits gefährlich.

Die Gefahren wollen die drei Experten den Lkw-Fahrern deutlich machen. Die Polizei zieht auf der Autobahn diejenigen Fahrer aus dem Verkehr, die nicht angeschnallt sind. Sie kommen mit einem blauen Auge, sprich ohne Verwarngeld davon, müssen sich aber der Aufklärung auf dem Rasthof unterziehen, den Überschlag- und den Aufprallsimulator am eigenen Leib spüren. " Viele reagieren geschockt ", sagt Jürgen Schöbel. Nicht der erhobene Zeigefnger zeigt die beste Wirkung, sondern das eigene Empf nden.

Seit sechs Jahren touren DVR und BGF durch Deutschland und die Schweiz - mit Erfolg. Am Anfang schnallten sich nur 15 Prozent der Lkw-Fahrer an, mittlerweile sind es 50 Prozent. Trotzdem, für die sicherheitsbewussten Männer noch viel zu wenig. Erst wenn jeder Brummifahrer zu seiner eigenen Sicherheit automatisch nach dem Einsteigen zum Gurt greift, sind sie dort angekommen, wo sie hinwollen, zu 100 Prozent Sicherheit für die Könige der Landstraße.