Weit über 200 Frauen ließen sich am Sonnabend im Wolmirstedter Gymnasium sportlich inspirieren. Der landesweite Aktionstag stand unter dem Motto " Frauen gewinnen - für Bewegung und Gesundheit ".

Wolmirstedt. " Es gibt noch viel zu wenig Frauen im Sport und vor allem viel zu wenig Frauen in der Führungsriege ", nannte Dr. Inge Voltmann-Hummes den Anlass dieses alljährlichen Sportaktionstages. Die Sprecherin der olympischen Spitzenverbände forderte mehr Geld für Frauensportstätten, " nicht nur für die obligatorischen Bolzplätze. "

Der Frauensportaktionstag zeigte Alternativen auf und die ließen gar keine Wünsche offen. Wer kommt schon auf die Idee, auf einem Rhönrad zu turnen oder weiß, dass Cheerleader für Meisterschaften trainieren ? Die Frauen konnten aus 23 (!) Workshopangeboten auswählen und zumindest an diesem Tag fi el die Vorstellung schwer, dass es zuwenig Frauen im Sport geben soll.

Es waren Frauen und Mädchen aller Altersklassen gekommen und die vielzitierte weibliche Neugierde fand an diesem Tag reichlich Nahrung. Vorbehaltlos probierten sich Frauen und Mädchen im Boxen, Bogenschießen oder Bauchtanz aus. Selbst vor dem Rhönrad machten viele nicht Halt, manche wagten sich wieder mal auf die Rollschuhe oder zum Power-Yoga.

Damit dieser Mut und die Freude am Sport nicht versiegt und auch öffentlich wahrgenommen wird, gestalten alle Bundesländer einmal im Jahr einen Frauensportaktionstag. In diesem Jahr war die Sachsen-anhaltinische Wahl auf Wolmirstedt gefallen und im Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasium fanden die sportinteressieren Frauen ein optimales Umfeld vor. Dreifeldsporthalle, Außensportbereich mit Fußball- und Volleyballfeld, Klassenräume für Workshops und das nebenliegende Freibad boten Sachsen-Anhalts Angeboten Platz.

" Das hier ist der Workshop für Bauchtanz, auch wenn es nicht danach aussieht ", sagte Trainerin Carmen Puschmann. Zuerst zeigte sie den Teilnehmerinnen nämlich die richtige Haltung, die erwünschte Position der Rückenwirbel. Erst als alle Teilnehmerinnen eine stolze Haltung zeigen, beginnt die Bewegung. " Wir wollen körperlich präsent sein ", sagte Carmen Puschmann und wischt die üblichen Ich-bin-zu-groß-, Ich-habe-ein-Hohlkreuz-S ätze weg. " Wir finden uns schön und sind gerne Frau. "

Birgit Schlenker indes warf eine Angel über den Rasen. Sie hatte sich für den Casting-Sport interessiert und ließ sich von Jens Spindler die Tricks des Trockenangelns zeigen. Die 14-jährige Sophie Wehner wagte sich stehend auf die Schultern der Cheerleader und hatte auch den Mut, sich wieder in deren Arme fallen zu lassen. Denise Fiedler und Elisa Dippe trauten sich auf das Rhönrad und stellten fest : " Es ist schön, mal oben und einmal unten zu sein. "

Der Frauensportaktionstag ist eine Aktion des Bundesministeriums für Gesundheit, des Deutschen olympischen Sportbundes, des Landessportbundes und des Kreissportbundes. Bei dieser geballten Macht ließen sich auch Politiker das Dabeisein nicht nehmen. Kulturdezernent des Kreises Joachim Höft wagte sich sogar zwischen über 200 Frauen zur Aufwärmgymnastik. Damit lebte er genau das Ansinnen dieses Tages, nur eben geschlechterverdreht. " Mädchen mögen es meistens nicht, wenn Jungs ihnen beim Sport zuschauen ", sagte Silke Renk-Lange, " mit diesem Tag wollen wir ihnen die Gelegenheit geben, in die verschiedenen Sportarten zu schnuppern und festzustellen, dass es egal ist wie dick, dünn, groß oder klein man ist. " Die Olympiasiegerin im Speerwerfen ist inzwischen Vizepräsidentin Frauen und Gleichstellung im Landessportbund Sachsen-Anhalt und wünscht sich, dass Sport in der Schule wieder mehr Bedeutung gewinnt. " Es gibt heute viele Möglichkeiten sich ohne Sport durchzuschlängeln ", sagt sie und wünscht sich, " dass viel mehr Direktoren Wert auf Bewegung legen. Beim Sport können sich Kinder wunderbar abreagieren. " In ihrer Funktion beim Landessportbund vertritt sie vehement die Auffassung, das Engagement von Trainern und Eltern in der Öffentlichkeit viel mehr zu würdigen. " Ohne deren Unterstützung geht im Sport gar nichts. "