Vom 31. Juli bis zum 9. August ist das kanadische Vancouver die sicherste Stadt der Welt. Denn in diesem Zeitraum treffen sich dort 12 500 hauptamtliche Feuerwehrmänner, Polizisten und Zollbeamte zu den " World Police & Fire Games " ( WPFG ). Für das Revierkommissariat Wolmirstedt gehen Thorsten Schulz, Stefan Günther und Mario Schulz bei den Wettbewerben an den Start.

Wolmirstedt. Nur am Strand herumzuliegen und sich die Sonne auf den Körper scheinen zu lassen – nein, das ist es nicht, was sich Thorsten Schulz für seinen Sommer 2009 vorstellt. " Irgendwann stieß ich bei den Planungen für den Urlaub auf die ‚ World Police & Fire Games ‘, die in diesem Jahr in Vancouver stattfnden. Und das klang nach einer Herausforderung ", erklärt der Triathlet, der in Wolmirstedt als Polizeikommissar arbeitet.

In seinem Kollegen Mario Schulz fand er einen weiteren Interessenten für die Reise. Und der wiederum brachte Stefan Günther mit ins Boot, mit dem er bei den Samsweger Gewichthebern trainiert und der zurzeit die Polizeischule in Aschersleben besucht.

Am 31. Juli startet in Düsseldorf das Flugzeug, das die drei Männer nach Kanada bringt. Dort fnden dann bis zum 9. August Wettkämpfe in mehr als 60 Disziplinen statt. " Das sind quasi die Olympischen Spiele für Mitarbeiter von Zoll, Polizei und Feuerwehr ", beschreibt Aribert Schierenberg, Leiter des Revierkommissariates Wolmirstedt. Er ist stolz darauf, dass die drei Männer nicht nur für ihre jeweiligen Sportvereine, sondern quasi auch als Botschafter der Wolmirstedter Polizei in Kanada an den Start gehen. Finanzielle Unterstützung kann der Arbeitgeber den Modellathleten nicht leisten. " Dafür haben wir sie bei der Bewilligung des Urlaubes unterstützt und bei den Dienstplänen dafür gesorgt, dass Zeit zum Training bleibt ", erklärt der Revierleiter.

Schon seit mehreren Monaten bereiten sich die Männer auf die Wettkämpfe vor. Dazu gehören zwischen acht und zehn Stunden Training pro Woche. Während Thorsten Schulz in Kanada im Triathlon ( 1, 5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen ) sowie beim Crosslauf und den Schwimmwettkämpfen starten wird, konzentrieren sich Mario Schulz und Stefan Günther auf die Disziplinen, bei denen es mehr um Kraft als um Schnelligkeit geht. " Die Regeln bei den Wettbewerben für die Polizisten und Feuerwehrleute, die allesamt keine Prof sportler sind, sind mit denen bei hiesigen Wettkämpfen nicht vergleichbar ", weiß Mario Schulz.

So könne man in Deutschland, wenn man beispielsweise im Bankdrücken antritt, durch Kleidung einen stützenden Effekt für die Muskulatur erreichen. " Das geht in Vancouver nicht. Dort hat das Regelwerk eine ganz andere Dimension und es geht um reine Naturkraft, Bandagen für das Handgelenk beispielsweise sind verboten ", ergänzt Stefan Günther. Auch, wenn in Kanada keine geförderten Sportprofs an den Start gehen – selbst Dopingkontrollen würden vor Ort durchgeführt. Einzige Gemeinsamkeit zu den deutschen Wettbewerben : Gestartet wird in verschiedenen Gewichts- und Altersklassen. Außerdem haben die weiblichen Teilnehmer in ihren sportlichen Disziplinen eine eigene Wertung.

Wenn sie nicht gerade selbst um den Sieg kämpfen, wollen die drei Männer ihre Freizeit vor Ort nutzen und sich die Stadt und das Umland anschauen. Einen gemeinsamen Ort, wo die Polizisten aller Nationen untergebracht sind und sich über die Unterschiede ihrer Arbeit austauschen können, gibt es nicht. " Ganz Vancouver ist aber zur Zeit der Wettkämpfe ausgebucht, also ist quasi die komplette Stadt ein olympisches Dorf ", erzählt Thorsten Schulz schmunzelnd.

Seit 1985 werden die " World Police & Fire Games " alle zwei Jahre ausgetragen, fanden bisher in verschiedenen Orten der USA, Kanadas und Australiens sowie in Schweden und Spanien statt.

Platz auf dem Treppchen scheint möglich

Die drei Athleten aus Wolmirstedt nehmen jeweils zum ersten Mal an den Spielen teil. In der Vorbereitungsphase haben sie sich — quasi als Konkurrenzanalyse — die Siegerlisten ihrer Disziplinen der letzten vier Spiele angeschaut. Das Ergebnis war motivierend. Ein Platz auf dem Treppchen scheint möglich, auch wenn die drei Starter im Vorfeld der Spiele nur vorsichtigen Optimismus äußern.

Im Wolmirstedter Revier ist man jedenfalls stolz auf die Sportler und wird zwischen dem 31. Juli und dem 9. August f eißig Daumendrücken. Um überhaupt an diesem außergewöhnlichen Wettkampf teilnehmen zu können, zahlt jeder der Männer rund 2000 Euro aus der eigenen Tasche. " Wir würden uns natürlich freuen, wenn sich noch Sponsoren fnden würden ", erklärt Stephan Günther. Wer die drei Athleten unterstützen möchte, kann sich in der Redaktion melden, wo gerne ein Kontakt hergestellt wird.