Börde-Perle " lautet der Titel unserer Serie, in der wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, touristische Perlen vorstellen, die für viele Bewohner im neuen, nun größeren Landkreis bisher eher im Verborgenen glänzen. Nach kurzer Pause geht die Serie nun weiter. Heute : die historischen Werkstätten Wolmirstedts.

Wolmirstedt. " In Wolmirstedt gibt es so eine schöne Burg ?", wunderten sich Fremde, die zur 1000-Jahrfeier der Stadt erstmals das historische Ensemble der Schlossdomäne besuchten. Und in der Tat, wer nur auf der Durchreise ist, dem bleiben Schlosskapelle, Herrenhaus, die Bibliothek, die einst ein Pferdestall war und das Museum in der ehemaligen Bruchsteinscheune verborgen. Doch wer diese Perle f ndet, kann eintauchen in die Geschichte der Stadt, die das Museum anschaulich zeigt.

Innerhalb der uralten Feldsteinmauern führt die Spur direkt hinein in das Leben der kleinstädtischen Handwerker. Drei Schauwerkstätten erzählen vom Leben der Schmiede, Stellmacher und Sattler, Werkstätten, die so aufgebaut sind wie einst, als die Kunden dem Meister noch bei der Arbeit zusahen. Das Inventar wurde noch vor einem halben Jahrhundert benutzt, solange, bis der Einsatz moderner Landwirtschaft das alte Handwerk zum Aufgeben zwang.

" Schmied, Stellmacher und Sattler arbeiteten für die alten Fortbewegungsmittel ", erzählt Museumsleiterin Anette Pilz. Der Stellmacher baute Ackerwagen, Leichenwagen, Bienenwagen. Der Schmied kümmerte sich um den Hufbeschlag der Pferde oder bog in der Reifenbiege das Metall, das um die Holzräder gelegt wurde, die der Stellmacher eben gefertigt hatte. Der Sattler fertigte neben Satteln und Zaumzeug auch Taschen und polsterte Stühle.

" Vor etwa neun Jahren begannen wir mit der Suche nach Werkzeugen für unsere Schauwerkstätten ", sagt Anette Pilz. Nach Aufrufen in der Presse meldeten sich Leser und stellten Werkzeuge zur Verfügung. Ein Großteil der Schmiedewerkzeuge stammt aus der Satueller Werkstatt Rudolf Waekes. Eine Feldschmiede aus Elbeu, ein Blasebalg aus Wolmirstedt und ein Amboss aus Dolle vervollständigten die begehbare Werkstatt. " Wir bekommen oft Besuch von Schulklassen ", sagt Anette Pilz, " und um nicht nur die Theorie zu vermitteln, dürfen Kinder draußen an der Feldschmiede das Eisen zum Glühen bringen. "

In der Sattlerei nebenan liegt ein großes Büschel Rosshaar auf einer Maschine. " Früher wurde alles wieder verwertet, das Innere von Polsterstühlen oder Sättel ", sagt die Museumsleiterin. Das Rosshaar wurde mit einer Rosshaarkämmmaschine wieder ordentlich sortiert.

Die Suche nach Werkzeugen und Maschinen eines Stellmachers brachte die Museumsmitarbeiter fast zur Verzweif ung. " Kaum jemand schien Stellmacherwerkzeuge hergeben zu wollen ", sagt Anette Pilz. Ein paar Werkzeuge sammelten sich an, doch die großen Maschinen fehlten. Dann kam ein Anruf aus Calvörde. " Marta Flemming übergab uns fast das gesamte Werkstattinventar ihres verstorbenen Mannes. " Der Stellmacher hatte sich gewünscht, dass Maschinen wie Bandsäge, Nabenbohrmaschine, Drechselbank und Dicktenhobelmaschine an ein Museum gehen. Mit dieser Ausstattung ist es möglich, die alten Arbeitsgänge nachzuempf nden. Natürlich nur theoretisch, denn ein Museum kann nicht die Sicherheitsanforderungen einer Werkstatt erfüllen.