Deutschland gehört zu den reichsten Ländern der Welt. Dennoch gehören Tafeln zur Ausstattung von immer mehr Städten. Auch in Wolmirstedt bietet das Deutsche Rote Kreuz Unterstützung für Bedürftige an. Die Zahl der Nutzer ist zum vergangenen Jahr um beinahe die Hälfte gestiegen.

Wolmirstedt. Als Mandy Oelke, Leiterin für soziale Arbeit beim DRK, die neueste Statistik sieht, erschrickt sie. Wieder einmal. " Sechshundert ?", fragt sie ihre Mitarbeiterin ungläubig. Die nickt. " Ende des vergangenen Jahres lag diese Zahl noch bei 450 Bedarfsgemeinschaften ", sagt Mandy Oelke, " und das hat uns schon betroffen gemacht. " Zu jeder Bedarfsgemeinschaft gehören mehrere Personen. Mandy Oelke rechnet hoch : " 600 Bedarfsgemeinschaften bedeuten etwa 3000 Personen, die wir zusätzlich über die Tafel versorgen. " Zusätzlich betont sie deshalb, weil mit Hartz IV eigentlich der Lebensunterhalt gedeckt werden soll. Die Wirklichkeit ist offenbar anders.

Wer auf das Angebot der Tafel angewiesen ist, muss seine Bedürftigkeit nachweisen. Mit einem Hartz IV- oder Rentenbescheid. Dann gibt es gegen einen Obolus von einem Euro einen Beutel mit Brot, Brötchen, Wurst oder Saft. " Wir geben die Waren nicht kostenlos ab, denn sie sollen nicht als Almosen gelten ", sagt Mandy Oelke. Das Brot und die Brötchen kommen regelmäßig von regionalen Bäckereien. Dann klingelt das Telefon. Mandy Oelke hört zu, sagt Wortfetzen wie : " Ja, super ... ", fragt nach Mindesthaltbarkeitsdaten, kritzelt etwas auf einen Zettel und legt zufrieden auf. " Ein Naumburger Supermarkt spendiert uns Pizzen und Joghurt ", erklärt die junge Frau, " Mit unserem Kühlfahrzeug holen wir Ware von überall her. "

Zwölf Mitarbeiter kümmern sich um den Durchsatz der Tafel. Sie arbeiten dafür hauptamtlich, nebenamtlich, ehrenamtlich. Und die Arbeit reißt nicht ab. Mittwoch und Freitag werden Nahrungsmittel ausgegeben. In einer Woche werden an etwa 250 Familien Lebensmittel gegeben, nicht alle 600 Bedarfsgemeinschaften kommen regelmäßig.

Neben den Beuteln stehen auch immer wieder Kisten mit Frischwaren auf der Theke. Zucchini, Bohnen, Kirschen. " Obst und Gemüse stammen aus unseren Tafelgärten in Groß Ammensleben, Niederndodeleben und Haldensleben ", sagt Mandy Oelke. Tafelgärten sind leerstehende Kleingärten, die von Ein-Euro-Jobbern für die Tafeln bewirtschaftet werden. Kartoffeln, Tomaten, Kohlrabi und Co werden gezielt in großen Mengen angebaut. Die Sämereien sind oft von Baumärkten gesponsert. " Wir freuen uns aber auch, wenn wir aus heimischen Kleingärten versorgt werden ", sagt Mandy Oelke. Ein Anruf genügt. Die Kleingärtner können ihre überschüssige Ernte abgeben oder von den Tafelmitarbeitern abholen lassen. " Ernten können wir aber nicht ", sagt Mandy Oelke.

Zu den Tafelnutzern gehören kinderreiche Familien, Aussiedler, ehemalige Selbstständige, Rentner, treffen kann es jeden. " Unsere Nutzer kommen aus allen Schichten und Altersgruppen ", sagt Mandy Oelke. " Es gibt auch Nutzer, die einmal eine Position inne hatten, die möchten hier nicht gesehen werden. Diesen Menschen bieten wir an, die Tafel in Haldensleben zu nutzen. "