" Börde-Perle " lautet der Titel unserer Serie, in der wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, touristische Perlen vorstellen, die für viele Bewohner im neuen, nun größeren Landkreis bisher eher im Verborgenen glänzen. Nach kurzer Pause geht die Serie nun weiter. Heute : die Klosterkirche St. Vitus in Kloster Gröningen.

Kloster Gröningen. Bevor man den Garten vor dem Kloster betritt, lukt nur der Turm des Klosters hervor. Kaum etwas lässt sich von der Schönheit des Kleinodes erahnen. Doch beim Schritt durch die Gartenpforte ändert sich das mit einem Schlag.

Die Geschichte und auch mancherlei Geschichten, die damit verbunden sind, erfährt man am besten in einer Führung durch Karin und Heiko Kessler, dem Küster-Ehepaar. Ihr Wissen über die Kirche ist umfassend. So erfährt man, dass die Geschichte des einstigen Benediktinerklosters bereits vor 1073 Jahren mit seiner Gründung beginnt. Damals hatte ein Graf namens Siegfried seine Güter, die westlich der Bode lagen, dem Kloster Corvey ( Nordrhein-Westfalen ) verschenkt. Bis zum Jahre 1550, als das Kloster aufgelöst wurde, blieb es eng mit der Mutterkirche in Corvey verbunden.

Von den Klosteranlagen ist heute lediglich noch die Kirche erhalten. Die heutige Kirche ersetzte im 12. Jahrhundert die erste Kirche von Kloster Gröningen. Sie hatte damals auch Seitenschiffe, die sich heute nur noch anhand von Details an den Außenmauern erahnen lassen. Die Westkapelle, so erklärt Karin Kessler, wurde 1170 an die fertige Kirche angebaut. Der achteckige Turm gehört zu den ältesten Deutschlands. Als er 1860 einzustürzen drohte, wurden die Vierungspfeiler verstärkt und dabei auch ein Engelsrelief, das im Schutt gefunden worden war und dessen Entstehung auf 1220 geschätzt wird, eingemauert.

Aber auch andere Dinge im Inneren der Kirche sind echte Schmuckstücke. Karin Kessler verweist auf die Adlerkapitelle, die denen der Quedlinburger Kirche ähneln, auf die Arkadenbögen und auch das Fries, auf dem Christus als Weltenrichter zwischen den zwölf Aposteln dargestellt ist. Das Original, das in Deutschland einmalig ist, wurde abgenommen und ist heute im Berliner Bode-Museum zu sehen. " Das ist eine Kopie, die Farbgestaltung ist nicht klar, denn das Original, das in italienischer Stucktechnik entstand, ist farblos ", so Karin Kessler, die dabei auch darauf verweist, dass Christus mit allen Wunden dargestellt ist. Von den Wandmalereien an der Wand darunter ist nur noch wenig zu erahnen. Wandmalereien mit Szenen aus dem alten und neuen Testament schmücken ebenfalls die Decke in der Westkapelle, die wahrscheinlich einst als Grablege diente. " Vieles ist kaputtgegangen, aber die Kirche hat trotzdem ihren Reiz ", ist sich die Kirchenführerin sicher. Eine alte Ablasstruhe, ein Relief mit einem Lebensbaum, das ebenfalls vergraben war, eine Orgel und ein alter Taufstein romanischer Herkunft sind weitere Schätze, die St. Vitus in seinem Inneren verbirgt.

Heute wird die Kirche als normale Pfarrkirche genutzt. Jedoch ist sie als Teil der Straße der Romanik und des Jakobus-Pilgerweges auch zum Besuchermagnet geworden. " An der Informationstafel am Eingang stehen zwar Öffnungszeiten dran, aber wer sich meldet, wenn wir zu Hause sind, wird eingelassen ", erklärt Heiko Kessler.

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