Ein Ausfug in die Geschichte von Rottmersleben gab am Donnerstag den Auftakt des viertägigen Dorffestes am Olbeufer. Der frühere Vorsitzende der Agrargenossenschaft " Börde ", Kurt Pasewald, nahm die mehr als 100 Gäste im Kultursaal mit auf die Reise zu den Wurzeln ihres landwirtschaftlich geprägten Heimatdorfes.

Rottmersleben. Vor fünf Jahren begann die Geschichte des Dorfmuseums auf dem Kornboden der früheren LPG. Heute bekommen die Besucher im ersten Ausstellungsraum einen Eindruck von der vorrangig durch Landwirtschaft geprägten Rottmersleber Geschichte, angefangen von der Geschichte der Erde, die Entstehung der Bördeböden über die Anfänge der Landwirtschaft bis hin zur Bodenreform, zur LPG und der Agrargenossenschaft in der Nachwendezeit.

Für den Ausbau und die Vervollkommnung des zweiten, viel größeren Ausstellungsraums hoffte Pasewald mit dem maßgeblich von ihm gestalteten Heimatabend auf Interesse, Zuspruch und Widerhall in der Dorfbevölkerung. " Hier könnten Themenecken wie zur Hausschlachtung, zur Bodenbearbeitung, zur Heumahd entstehen. " Pasewald kann sich auch einen kleinen Zuschauerraum vorstellen, in dem vor allem Schulklassen Filme, etwa über die 1000-Jahr-Feier von 1964, oder andere vorhandene Filme über Rottmersleben und seine Menschen vorstellen.

In Sachen Dorfgeschichte hatte der zweite Teil des Abends im Kultursaal Einiges zu bieten. Hauptgrund dafür war die Vorstellung der 2009 erschienenen " Chronik von Rottmersleben " gewesen, die Lara Pasewald verfasst hat. Lara Pasewald ist die Nichte von Kurt Pasewald und Enkelin von Werner Pasewald, der von 1936 bis 1967 Pfarrer in Rottmersleben gewesen war. Im Nachlass ihres Großvaters hat die Autorin dessen zeitgeschichtlichen Aufzeichnungen, Notizen seines Vorgängers Pfarrer Koeppke ( 1901 bis 1936 Pfarrer in Rottmersleben ) und eines gewissen Richard Schröder gesichtet und in ihrer Chronik aufgearbeitet. " Wir sind nach unseren Recherchen davon überzeugt, dass es sich bei jenem Richard Schröder nur um den bekannten Rottmersleber Raubmörder Schröder handeln kann ", betonte Kurt Pasewald. Zu jener Zeit, den späten 20 er und 30 er Jahren, saß dieser Schröder im Gefängnis. Im Dorf gab es nur noch einen weiteren Richard Schröder, den Dorffrisör, der kommt aber laut Pasewald nicht in Frage. " Der Raubmörder Schröder hat während seiner Gefängniszeit mit meinem Onkel, dem Pfarrer, korespondiert. Auf diesen Schröder gehen die Aufzeichnungen zurück, zu denen auch ein sehr interessanter Dorfplan von 1936 gehört ", glaubt Kurt Pasewald.

Lara Pasewald hat in ihrer Chronik zeitgeschichtliche Dokumente mit historisch belegten Ereignissen verwoben, Gedichte, Anekdoten und Sagen aus der Rottmersleber Region ausgegraben, Fotos und Zeichnungen hinzugefügt und zu einem überaus interessanten Buch verquickt. Kurt Pasewald ergänzte Passagen des Buches mit eigenen Recherchen und Erlebnissen der vergangenen 60 Jahre.

Das rief breites Interesse hervor. Persönliche Erlebnisse und Bestätigungen des Gehörten machten die Runde. Das Dorf rückte zusammen. Ausdruck dafür war auch der gemeinsame Gesang des Rottmersleber Heimatlieds " An der Olbe Strand " zum Abschluss.