Das Straßennetz im Zerbster Umland ist nicht das Beste. Immer wieder beklagen die Bürger den Zustand der Straßen. So sind auch die Verbindungen nach Güterglück in die Kritik geraten. Aussicht auf Besserung gibt es vorerst nicht.

Güterglück l "Die Verbindung zwischen Güterglück und Zerbst ist wie ein Waschbrett", empört sich Volksstimme-Leser Werner Renner. Der Güterglücker beobachtet mit Sorge den sich verschlechternden Straßenzustand. "Vor Jahren wurde die Straße mal gemacht. Anstatt den alten Belag zu entfernen, wurde einfach eine neue Schicht aufgetragen", erinnert er sich. Die alten Huckel seien dadurch nicht verschwunden, sondern blieben einfach erhalten. Ganz Güterglück, meint er, ärgere sich über den Zustand der Kreisstraße.

Ebenso schlecht sei die Verbindung zwischen Güterglück und Moritz, schätzt Werner Renner ein. Auch hier könnte die Kreisstraße eine neue Asphaltschicht bekommen, meint er.

Zuständig für den Bau der Kreisstraßen ist der Landkreis. Über 400 Kilometer Straßennetz in Anhalt-Bitterfeld muss die Kreisverwaltung unterhalten und regelmäßig erneuern, sagt Kreis-Pressesprecher Udo Pawelczyk. Er verweist darauf, dass sich der Landkreis aus drei ehemaligen Landkreisen zusammensetze. Die Vorgänger-Kreistage hätten eine unterschiedliche Priorität beim Straßenausbau und der -sanierung gesetzt, erinnert er. Einige alte Landkreise haben die Straßenunterhaltung sehr ernst genommen, betont er. Andere ehemalige Landkreise hätten dort nicht so großes Engagement an den Tag gelegt. In Zerbst habe der Straßenneubau keine große Priorität genossen, blickt er zurück. Deswegen sei für den Landkreis in Zukunft dort noch sehr viel zu tun, schätzt er ein.

Zu den Fragen von Volksstimme-Leser Werner Renner teilt Udo Pawelczyk mit: "Grundsätzlich sind beide Straßen in einem Zustand, der keiner grundsätzlichen Sanierung bedarf. Natürlich gibt es in Anhalt-Bitterfeld bessere, aber auch schlechtere Straßen. Eine Sanierung ist derzeit nicht vorgesehen, ebenso sind sie nicht in der Prioritätenliste enthalten."

Rund 2,7 Millionen Euro standen dem Landkreis im vergangenen Jahr für die Sanierung von Straßen zur Verfügung. In diesem Jahr sollen es 2,9 Millionen Euro sein, sagt der Pressesprecher. Allerdings sind die Zahlen nur vorläufig, da der Landkreis noch keinen bestätigten Haushalt für dieses Jahr hat, fügt er an. Werden Sanierungsvorhaben umgesetzt, ist der Landkreis nach eigener Aussage zudem von Fördermitteln abhängig. Ohne Zuschüsse seien die hohen Kosten kaum mehr zu stemmen.

Pragmatisch geht die Kreisverwaltung deswegen bei der Auswahl der zu sanierenden Straßen vor, beschreibt Udo Pawelczyk weiter. Neben dem Zustand der Straße gehe es auch um die Verkehrsbedeutung. Schlechte Straßen mit hoher Verkehrsdichte haben danach eine größere Chance auf schnelle Sanierung.

In diesem Jahr legt der Landkreis den Schwerpunkt beim Straßenbau in den Altkreisen Bitterfeld und Köthen, heißt es. Bei Raguhn und Bitterfeld sowie im Zusammenhang mit dem Bau der B 6n seien Straßenbaumaßnahmen geplant, teilt die Kreisverwaltung mit.

Im Zerbster Umland wird dagegen kaum etwas passieren. Nicht nur bei Güterglück sind Kreisstraßen ein Grund zum Ärgernis für die Bürger. Auch in anderen Ortsteilen der Stadt Zerbst gibt es marode Kreisstraßen.

Doch wie groß der Investitionsstau auf den Kreisstraßen ist, habe die Kreisverwaltung noch nicht ermittelt, teilt ihr Pressesprecher mit. Auf die Ermittlung der notwendigen Kosten sei bewusst verzichtet wurden, sagt er, weil die Verwaltung davon ausgehe, dass die notwendige Summe sowieso nie zu Verfügung stehe. "Man kann aber davon ausgehen, dass es sich um ein Vielfaches eines Jahresbudgets handeln würde", meint Udo Pawelczyk.

Werner Renner aus Güterglück fordert weiter eine Sanierung der Kreisstraße zwischen Zerbst und Güterglück. "Mich wundert, dass das noch niemand angesprochen hat", sagt er. Ihm sei auch klar, dass nicht alle Straßen in einem neuen Zustand seien können. Aber die Verbindung zwischen seinem Wohnort und Zerbst werde täglich von bestimmt 500 bis 600 Autos genutzt, schätzt er ein. Deswegen sei es schon wichtig, dass die Straße in einem ordentlichen Zustand sei.

Geht es nach der kreislichen Logik der Vergabe der Prioritäten hätte die dünn besiedelte ländliche Region in den kommenden Jahren kaum eine Chance auf Straßensanierung. Dazu fehlt dem Zerbster Umland das notwendige Verkehrsaufkommen. Allerdings hätten alle Bürger einen Anspruch auf vernünftige Straßen, unterstreicht Werner Renner.

"Irgend jemand muss doch dafür verantwortlich sein, dass unsere Straße auch mal saniert wird", meint er. Zumindest zwischen Moritz und Güterglück ist der marode Straßenzustand schon amtlich. Dort weisen Schilder am Straßenrand auf den schlechten Zustand des Asphalts die Autofahrer hin.