"Land unter!", hieß es am Wochenende in Schora. Tauwetter und Regenfälle sorgten in dem tiefgelegenen Ort für enorme Überschwemmungen. Sturzbächen gleich strömte das Wasser auf die Grundstücke zu. Glücklicherweise zog es sich fast genauso schnell wieder zurück. Bange wird manchem Anwohner bei dem Gedanken, dass schon wieder neue Niederschläge angekündigt sind.

Schora. Der vernässte Boden und die zum Trocknen aufgehängten Säcke zeugten gestern noch von den Fluten, mit denen Familie Thiele am Wochenende in der Ringstraße 31 zu kämpfen hatte. "Am Sonnabend-abend kam das Wasser", berichtet Rosel Thiele. Wie ein Fluss strömte es vom Acker aus Richtung Gehrden auf das am Ortsrand von Schora gelegene Grundstück zu. "Das war alles ein See", zeigt ihr Mann Hans-Joachim auf die Fläche unmittelbar vorm Zaun.

Diesem vorgelagert ist ein niedriger Wall, der das Ehepaar an die letzte starke Überflutung Anfang der Siebziger erinnert. "Die LPG hat damals mitgeholfen, den Wall zu bauen", blickt der 69-Jährige zurück. Nun bot er ihnen zumindest etwas Schutz vor den plötzlich auftauchenden Wassermassen. "Sonst wären wir ganz abgesoffen", ist er sich sicher.

Zielstrebig floss das Wasser auf ihr Haus zu. "Gegen Neun, halb Zehn sind wir raus und haben angefangen, Sandsäcke zu füllen", erzählt Rosel Thiele. "Kies hatten wir da und Säcke sowieso", ergänzt sie. Bis 23.30 Uhr waren sie auf den Beinen, um die wichtigsten Stellen abzusichern. Am Sonntagmorgen ging die Plackerei weiter. Sohn Thomas half ebenfalls tatkräftig mit. Doch gegen die hereinbrechenden Fluten, die sich ihren Weg durch Hof und Garten bahnten, hatten sie keine Chance. Hinzu kam das Wasser, das aus den beiden Gullys sprudelte, die sich auf dem gepflasterten Hof befinden. Der Versuch, sie mit Sandsäcken abzudichten, scheiterte.

"Es war schon ganz schöner Stress"

So lief das trübe Nass in die Vorratskeller hinab, in denen die Getränkekisten und Eingemachtes lagern. "Bis hier stand das Wasser", hält Rosel Thiele die Hand gut 50 Zentimeter über den Boden. "Wir sind schnell mit Stiefeln rein und haben alles ein bißchen hochgestellt." Zugleich schildert die 69-Jährige, wie Äpfel und Kartoffeln umherschwammen. Das Wohnhaus selbst blieb glücklicherweise verschont.

Zwischendurch schaute Ortswehrleiter Dieter Radeck bei ihnen vorbei. Aber Abpumpen konnte man nicht, weil rundum alles überschwemmt war und keiner wusste, wohin mit dem Wasser, äußern die Beiden Verständnis. "Ich hätte nicht gedacht, dass das nochmal so schlimm wird", erklärt Rosel Thiele. "Es war schon ganz schöner Stress", sagt ihr Mann und denkt da vor allem an die schweren Sandsäcke.

Sonntagnacht gegen 23 Uhr schauten die Eheleute nochmal nach draußen. Froh stellten sie fest, das kein weiteres Wasser mehr herbeiströmte. Die Lage beruhigte sich. "Den ganzen Montag habe ich gepumpt", erzählt Hans-Joachim Thiele. Über die wieder freien Gullys beförderte er das kühle Nass vom Grundstück. Dann konnten sie mit dem Aufräumen beginnen. "Nun müssen wir sehen, dass wir die Keller wieder trocken kriegen", merkt Rosel Thiele an, während sie Fotos von der Überflutung zeigt.

Simone Bergholz hat ebenfalls Bilder von dem unvergesslichen Ereignis gemacht. "Um halb Zehn am Sonntag kam das Wasser wie ein Sturzbach", erinnert sie sich. Fontänengleich drang es aus der Erde. "Das kann man sich gar nicht vorstellen", erklärt die 48-Jährige, die mit ihrem Mann in der Ringstraße 59, schräg gegenüber des Wohnblocks, wohnt. "Wenn das Wasser so kommt, kriegt man Angst", gesteht Simone Bergholz, die an dem Tag allein daheim war. Sie zog Gräben, um das Wasser abzuleiten. Vergeblich. Bis ans Haus drangen die Fluten, die von der B 184 her in die Ortslage hinabliefen und die Wiese hinter ihrem Grundstück in eine Seenlandschaft verwandelten. "Die Nachbarn haben alle die Keller voll Wasser", weiß die 48-Jährige. "Wir haben nochmal Glück gehabt." Im Haus blieb es trocken und einen Keller besitzen sie nicht.

"Die Beeke ist zu klein verrohrt"

Gestern ist von der akuten Überschwemmung nichts mehr zu sehen. "Ich staune, dass es soweit abgezogen ist." Gleichzeitig ist Simone Bergholz natürlich froh über den raschen Abfluss. "Die Feuerwehr hatte ganz schön zu kämpfen", würdigt sie den Einsatz der Kameraden, die in der Ortsmitte stundenlang das Wasser aus dem überfluteten Dorf herauspumpten.

Neben der erwähnten Tal-lage von Schora führte die noch zu DDR–Zeiten erfolgte Verrohrung des kleinen Flüsschen Beeke zu dem Hochwasser. Das Rohr mit einem Durchmesser von einem Meter fasste die Wassermassen nicht mehr, die Tauwetter und Regenfälle mit sich brachten. Die suchten sich daraufhin oberirdisch ihren Weg und setzten unter anderem eben das Grundstück von Familie Bergholz rund 20 Zentimeter unter Wasser.

"Die Beeke ist zu klein verrohrt", meint Simone Bergholz. "Hier muss was passieren", findet sie. Die Situation nur im Auge zu behalten, reiche da nicht aus. Sonst drohe jederzeit erneut eine solche Überschwemmung. "Mir graut vor dem Regen, der kommen soll", sagt die 48-Jährige.

 

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