Für viele Viertklässler der Stadt war gestern ein besonderer Schultag. Nicht wie jeden Tag in die Grundschule sondern zum Zerbster Gymnasium führte sie ihr Weg. Das Francisceum veranstaltete einen Schnuppertag für künftige Fünftklässler.

Zerbst l Römisches Reich, Limes, 700 Kilometer, Türme: Kaum hatte sich für die Viertklässler der Astrid-Lindgren-Grundschule die Tür zum Raum der Klasse 6/1 geöffnet, befanden sich die Jungen und Mädchen mitten im Geschichtsunterricht. Aber um was geht es in Geschichte eigentlich, fragte Jörg Kadler, Lehrer für Sport, Geschichte und Wirtschaft, die Viertklässler. Mit "Zeitabschnitten" und dem "Weltkrieg" lagen sie nah dran. Falls einer der Neun- bis Zehnjährigen die Hoffnung gehegt hatte, dass auch Tyrannosaurus Rex oder Spinosaurus auf dem Lehrplan stehen, wurde er von Jörg Kadler jedoch enttäuscht. "Mit Dinosauriern beschäftigen wir uns im Geschichtsunterricht nicht." Im Mittelpunkt stehe die Geschichte des Menschen.

Viertklässler der Grundschulen Bartholomäi, An der Stadtmauer und Astrid Lindgren sowie aus Steutz, Loburg, Lindau, Dobritz und Walternienburg besuchten gestern den Schnuppertag am Francisceum. Mit einem kurzweiligen Programm wurden die Schüler und ihre Lehrer in der Aula von Schülern der 6. Klassen begrüßt.

Was sie am Gymnasium erwartet, stellte Schulleiter Hans-Henning Messer den Kindern vor und nannte unter anderem die mehr als 30 Angebote aus den Bereichen Kunst, Sport und Naturwissenschaften, die an der Ganztagsschule von den Schülern wahrgenommen werden können.

Das Gymnasium richte sich an Schüler, die gern lernen, sich gut konzentrieren können, sich nicht schnell ablenken lassen und Spaß daran haben, Neues zu lernen, erklärte er seinen jungen Zuhörern kindgerecht. Wer Rechtsanwalt, Arzt, Lehrer, Banker oder Ingenieur werden wolle, brauche das Abitur als Voraussetzung für das Studium. "Wir werden versuchen, allen Schülern den Weg am Gymnasium so zu bereiten, dass er ein erfolgreicher wird", versprach der Schulleiter. Er forderte die Grundschüler auf, keine Scheu zu haben, ihre Paten - Gymnasiasten der 10. bis 12. Klassen - die sie am Schnuppertag zu den einzelnen Stationen brachten und ihnen auch Schule und Gebäude vorstellten, zu fragen, ob das Gymnasium wirklich so anstrengend sei, wie man manchmal höre, oder wie viele Hausaufgaben es aufgebe ...

Im Raum der 6/1 hieß es für die Grundschüler nicht nur zuzugucken, sondern auch mitzumachen. Die Sechstklässler hatten in kleinen Gruppen Limestürme aus Papier gebastelt und ihre Gastschüler sollten eine Bewertung abgeben: Welcher Turm gefällt ihnen am besten? Welcher ist nicht so gut gelungen?

Parallel dazu sollten die Sechstklässler den Jüngeren erklären, was sie über das Römische Reich gelernt haben: Dass der Limes ein gut 700 Kilometer langer Grenzwall zum Reich der Germanen war und die "Türme immer in Sichtweite" standen. "Die Grenze wurde aus Angst vor den Germanen und ihrem Land gezogen", setzte André hinzu. Dort sei es im Vergleich zum Mittelmeerraum kalt und nass und es habe viele Wälder gegeben. Hanna stellte Reiterführer Arminius vor, der die Römer verraten habe.

Die Viertklässler waren ziemlich beeindruckt von dem, was sie seit dem Morgen erlebt hatten: die große Aula und die gute Vorbereitung hatte ihnen gefallen, aber eine andere Sachen wollten sie auch wissen: "Ist es hier immer so laut im Unterricht?"

Die Schüler riefen fröhlich und einhellig "ja, immer", aber Jörg Kadler differenzierte, dass auch in dieser Klasse gelte, wenn einer spreche, dass dann die anderen leise sind.

Während die Grundschüler bis zum Mittag in Fächern wie Ethik, Mathematik oder Musik reinschnupperten und Angebote wie Zumba oder Yoga kennenlernten, gab es am Abend eine Veranstaltung, bei der den Eltern die Schule und ihr Profil einschließlich Ganztagsangebot vorgestellt wurden.