Es gibt Frauen, die werden regelmäßig von ihren Männern sitzen gelassen. Und die meisten von ihnen stört es nicht einmal. Im Gegenteil, sie sind sogar noch stolz auf das, was die Männer dann tun. Drei Frauen gewähren Einblicke in ihre Privatleben.

Zerbst l Alexandra Birwe hat einen Feuerwehrmann daheim. Situationen, in denen sie plötzlich allein dasteht, sind ihr bestens bekannt. Manchmal kann so Einsatz der Feuerwehr ziemlich ungelegen kommen. "Einmal standen wir mit vollem Einkaufswagen mitten im Supermarkt, als plötzlich der Pieper los ging", berichtet sie. "Mein Gatte ist dann einfach los gerannt, hat mir aber den Autoschlüssel dagelassen. Sonst hätte ich die Einkäufe womöglich nicht nach Hause bekommen." Weil die Wache aber noch ein ganzes Stück entfernt war, sei der Brandschützer froh gewesen, dass ihn unterwegs ein Kamerad aufpickte und mitnahm.

Alexandra Birwe ist bereits seit 12 Jahren an der Seite eines Feuerwehrmanns und mit 41 Jahren die Älteste der drei Frauen. Genervt sei sie nicht durch die Feuerwehreinsätze, "das wäre übertrieben zu sagen. Aber ich mache mir schon oft Sorgen, wenn mein Mann zum Einsatz ist und es länger dauert. Man weiß als Frau ja nie, was da gerade für ein Einsatz läuft, ob es etwas Schlimmes ist oder nicht." Anrufen um zu fragen, ob alles in Ordnung ist, könne sie ihn nicht: Die Handys der Feuerwehrleute bleiben in der Regel auf der Wache, weil sie nicht ersetzt werden, falls sie im Einsatz verloren gehen.

Die Geschichte, plötzlich allein mit dem Wocheneinkauf dazustehen, kennt Nicole Pfeifer nur zu gut. Mit ihrem Mann Peter ist die 29-Jährige schon seit 1997 liiert. "Geheiratet haben wir allerdings erst vor knapp drei Jahren", verrät sie. "Es kam schon öfter vor, dass ich mit den Einkäufen und zwei Kindern im Gepäck stehen gelassen wurde." Anders als Alexandra Birwe musste Nicole Pfeifer allerdings oft selber zusehen, wie sie nach Hause kommt. "Aber bis jetzt war das okay, denn ich habe immer schnell eine Lösung finden können. Entweder haben uns dann mein Vater oder mein Schwiegervater abgeholt."

Am Wochenende sind Einsätze manchmal störend

Gerade an den Wochenenden und Feiertagen erlebe sie Einsätze auch schon mal als störend. "Es ist manchmal nicht einfach", gibt sie zu. "Gerade, wenn man es sich mal zu zweit schön gemacht hat und dann so ein Einsatz alles sprengt, ist es schon nervig. Besonders, wenn es sich nur um Kleinigkeiten dreht, wie zum Beispiel ein Fehlalarm einer Alarmanlage." Andererseits sei sie aber auch stolz auf den Einsatz ihres Mannes: "Ich finde sein Engagement grundsätzlich gut, er macht das alles ja auch wirklich mit Leib und Seele und das soll er auch", stellt sie klar.

Klar habe sie gewusst, worauf sie sich einließ, sagt Anika Schneider, als sie Ehemann Steffen vor fünf Jahren das Ja-Wort gab. Schließlich war die 27-Jährige früher selbst in der Feuerwehr aktiv. Kennengelernt haben sich Steffen und Anika übrigens bei der Feuerwehr. Stehen gelassen wird Anika Schneider allerdings ziemlich oft, sie hat sich mittlerweile aber daran gewöhnt. "Egal wo wir sind, Steffen rennt sofort los, wenn der Pieper geht. Ich bin schon froh, dass er nachts nicht einfach in Shorts los läuft, sondern sich immer brav etwas anzieht", sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Gar nicht so selten sei die freiwillige Feuerwehr übrigens Anbahnungsort für Beziehungen: "Zur Zeit haben wir mindestens vier Pärchen, also vier von denen ich weiß." Bei ihrer dreijährigen Tochter glaubt die Brandschützer-Gattin bereits die ersten Anflüge von Leidenschaft für die Feuerwehr zu entdecken. "Wenn ein Umzug ansteht, wie zum Beispiel beim Bollenmarkt, will die Kleine immer dabei sein", sagt die Mutter, die zusätzlich zur Tochter noch einen kleinen Jungen hat. "Der Papa will seine Kinder später bestimmt einmal in der Feuerwehr sehen, da bin ich mir fast sicher." Andere Hobbies fände sie aber auch okay: "Karate wäre gut, dann kann sie sich verteidigen."

Der Feuerwehr-Nachwuchs steht schon in den Startlöchern

Im Vereinsleben der Feuerwehr entstehen manchmal kuriose Situationen, auf die man als Außenstehender vielleicht nie kommen würde. So geschehe es nach Angaben der drei Frauen gar nicht mal selten, dass sie bei Feiern der freiwilligen Feuerwehr, zu denen oft die Angehörigen mitkommen, plötzlich in einer reinen Frauenrunde ohne ihre Brandschützer auf der Wache sitzen würden. "Einsätze während einer Feier, die kommen schon ziemlich häufig vor, würde ich sagen", meint Alexandra Birwe. Doch bestimmt ist das besser, als alleine im Supermarkt zu stehen. Zusammen ist man schließlich weniger allein.