Wie weiter mit St. Nicolai? Darüber diskutierte der städtische Bauausschuss mit Walter Tharan, dem Vorsitzenden des Fördervereins. Die Sicherung von fünf Arkadenpfeilern und der Mauerkrone sind dieses Jahr geplant.

Zerbst l Die Mauerkrone ist aus Sicht des Bauausschussvorsitzenden Helmut Seidler (SPD) derzeit das gravierendste Problem. Gemeinsam mit Bernd Köhler, Leiter der Bauverwaltung der Stadt Zerbst, war er vor kurzem der Einladung Walter Tharans gefolgt und hatte sich in rund 19 Metern Höhe vom Zustand mit eigenen Augen überzeugt. Während die Südwand üppiges Gras und Wildkräuter trägt, sind die Arkaden von Flechten und vereinzelten Grasbüscheln überzogen. Hier hat die umweltfreundliche Mauerkronenbegrünung, ein Modellprojekt, nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Teils ätzt Taubenkot das Grün weg, teils wurde der Befestiger durch die Witterung ausgespült. Fehlt jedoch die Begrünung, fehlt auch der Schutz und für die Sicherheit kann nicht garantiert werden.

Für Arkadenpfeiler werden Fördermittel beantragt

Zumindest für die Sicherung der Arkadenpfeiler konnte ein Fahrplan aufgestellt werden. Über den Stadtumbau Ost werden (hundertprozentige) Fördermittel in Höhe von 104 000 Euro beantragt. Die Summe würde für die Sanierung der fünf schwer beschädigten Pfeiler ausreichen.

Im (noch nicht bestätigten) Haushaltsplan 2014 ist auch ein Zuschuss in Höhe von 10 000 Euro an den Förderverein als Unterstützung der Mauerkronensanierung berücksichtigt. Ob die Stiftung, mit der einst das Modellprojekt initiiert wurde, die Aktion weiter unterstützt, ist nach Auskunft von Walter Tharan noch unklar.

Bislang hat die Stadt Zerbst über 600 000 Euro in den Erhalt von St. Nicolai gesteckt. Insgesamt leisteten mehr als 20 Geldgeber ihren Beitrag, darunter auch der Förderverein mit rund 180 000 Euro.

Helmut Seidler stellte zum einen fest, dass viel im Baukörper passiert und gelungen sei, zum anderen die Stadt mehr getan habe, als es ihre unmittelbare Pflicht gewesen wäre.

Sollte die Sicherung gelingen, könne der Weihnachtsmarkt wieder in St. Nicolai durchgeführt werden, sagte Bernd Köhler im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss. Eine jährlich durchgängige Nutzung sah er nicht. "Wir haben schon Probleme, das Schloss vernünftig zu nutzen, und dann noch so ein ¿hohler Vogel\'."

So äußerte sich auch Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD). In der Stadt gebe es genügend Konzertorte und unter anderem die Stadthalle für Veranstaltungen. Man müsse sich daran gewöhnen, dass die Ruine ein Teil der Stadt sei, bezog der Stadtchef Position. "Die Kirche bleibt für die nächsten Jahrzehnte in diesem Bild erhalten." Die Kirchengemeinde habe es deutlich gemacht, dass sie außer den Glocken kein Interesse an St. Nicolai habe. Er sah die Funktion der Kirchenruine vor allem als Mahnmal.

Eine Umnutzung als Gebäude ist auch aus Walter Tharans Sicht "nicht durchdacht". Da gebe es einerseits die Frage nach der Finanzierung und andererseits die Frage nach der Nutzung.

Mit Turnhallenbau wären heute alle Probleme gelöst

Kreisoberpfarrer i. R. Dietrich Franke, der die Diskussion aufmerksam verfolgte, merkte an, dass mit einer Umnutzung als Turnhalle es heute die Probleme mit den Pfeilern, der Mauerkrone und der Marktbelebung nicht geben würde. "Die Kirchengemeinde hat die Chance nicht erkannt, die die Turnhalle geboten hätte." Einige Ausschussmitglieder hatten am Sitzungstag mit Wehmut die Volksstimme-Berichterstattung über umgenutzte Kirchen mit dem Beispiel der Bernburger Martinskirche gelesen, die auch Turnhalle der evangelischen Grundschule ist. Als prominentes Beispiel gilt zudem der Kirchenbau der ehemaligen Reichsabtei St. Maximin in Trier, der seit 1995 als Turn- und Veranstaltungshalle genutzt wird. Dem Aufschrei ist seit langem die Freude über den Erhalt des Denkmals gewichen.