Lesen, Schreiben, Rechnen - für funktionale Analphabeten liegen diese Fähigkeiten weit entfernt. Marlies Haase hilft Erwachsenen in Zerbst, diese Hürde besser und besser zu meistern.

Zerbst l Laute bilden, Buchstaben schreiben, sich artikulieren können - am Anfang des Alpha-Kurses hatte Marlies Haase viel Arbeit vor sich. "Doch mittlerweile muss ich wirklich sagen, dass sich viel getan hat."

Im Moment besuchen acht Männer und Frauen den Kurs, der jeweils freitags stattfindet. Sieben von ihnen sind seit Beginn an dabei, einer ist neu hinzugekommen. "Ein Drittel hat sich sehr gut entwickelt", sagt die ehemalige Grundschulleiterin. Bei diesen Erwachsenen könne man schon nicht mehr von funktionalen Analphabeten sprechen. Dann gibt es einige Teilnehmer, die im Mittelfeld liegen. "Und zwei sind auf dem besten Weg."

Ziel ist es, dass sich die Kursteilnehmer im Alltag besser zurecht finden. Das beginn damit, dass sie Etiketten und Verpackungsaufschriften lesen, ihr Wechselgeld nachzählen können oder Anträge selbstständig stellen können.

Dabei steht ihnen seit nun neun Jahren Marlies Haase zur Seite. Im Unterricht ist sie ganz Lehrerin. Mit Tricks und Kniffen vermittelt sie ihren Schützlingen das Lesen, Schreiben und Rechnen. "Es ist so, dass Erwachsene sehr viel schwerer lernen. Aber alle sind mit einem großen Pflichtbewusstsein dabei, verpassen keine Stunden ohne guten Grund."

Dabei sind die Ursachen für den Analphabetismus vielfältig - sie reichen von gesundheitlichen Ursachen bis zum familiären Umfeld in der Kindheit. "Sie alle haben Strategien zum Untertauchen entwickelt, sind ihr Leben lang Einzelkämpfer gewesen", ist Marlies Haases Erfahrung. Doch im Kurs tankten die Teilnehmer Selbstvertrauen, begannen ihre Meinung zu sagen, ihre Ansprüche zu formulieren. Sie begannen Aufzublühen.

"Ganz wichtig war mir zum Beispiel, dass sie ihren Namen und Anschrift schreiben können. Auch das Schreiben von Glückwünschen haben wir viel geübt." Immer wieder ist es auch der Zusammenhalt in der Gruppe, den die Teilnehmer zu schätzen wissen. "Sie können sich untereinander austauschen, aber erziehen sich zum Beispiel auch ein wenig untereinander."

Seit Beginn an ist die Kreisvolkshochschule der feste Partner für den Alpha-Kurs. Doch seit 2011 muss dieser ausschließlich über Spenden finanziert werden. "Wer uns unterstützten möchte, kann dies gern tun", betont Marlies Haase. Und auch Martina Marczok-Stück, Leiterin des Kreisvolkshochschulstandortes Zerbst, betont die Bedeutung der Spenden. "Wir benötigen Lernmaterialien, der Lehrgang als solches kostet Geld."

Außerdem ist es Marlies Haase sehr wichtig, dass die Kursteilnehmer ihre Umwelt kennenlernen. Das umfasst Ausflüge in hiesige Museen, ins Schloss oder die Bankfilialen. Das Lesen von Straßennahmen, Schildern und der Kauf einer Fahrkarte sind Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Aber auch Tagesreisen hat die Gruppe bereits unternommen.

Wer den Kurs unterstützen möchte, erhält weitere Informationen in der KVHS unter (03923/ 611 15 00).