Zu "Jazz und Lyrik" hatten die Zerbster Kulturaktion und die Stadtbibliothek zu den Kulturfesttagen eingeladen - in den Kulturkeller an der Breite.

Zerbst l "Ein Stamm seiner kümmernden Triebe beschnitten, schließt Wunde um Wunde, treibt Geigen neu mit singenden Saiten." Diesem Text gab Irene Leps den Titel "Geigenbaum".

"Es können beobachtete Dinge sein, die ein Sinnbild ergeben."

Irene Leps

Gemeinsam mit der Magdeburger Schriftstellerin Simone Voss gestaltete die Zerbster Autorin, Malerin und Grafikerin den "sinnlichen" Teil der Veranstaltung "Lyrik und Jazz". Für die konzertanten Parts während der "Tandem-Lesung" und für den anschließenden Musikteil ist das Ron Hensel Trio aus Magdeburg in den Kulturkeller mit seinem ungemein reizvollen Ambiente gekommen.

"Heute werden wir vorwiegend Musik des schwedischen ,Esbjörn Svenson Trio e.s.t` spielen", so der aus Zerbst stammende und in Magdeburg lebende Ronald Hensel, der gemeinsam mit Gören Eggert (Schlagzeug) und Lars Düseler (Bass) ein klassisches Jazztrio bildet. Die Musik passte gut als Lesungsbegleitung, setzte mit ihren teils rhythmusdominanten Klängen reizvolle Kontraste zu den weitgespannten lyrischen Themen in Reimen und in Prosa.

Irene Leps erfand bereits mit vier Jahren kleine Geschichten, die sich "meine Schwester und meine Eltern anhören mussten". In den 1990er Jahren schrieb und illustrierte sie Geschichten für ihre eigenen Kinder. Etwa ab 2000 widmete sie sich unter anderem "der Lyrik in freier Form".

Die Gäste im Kulturkeller erlebten eine Premiere. Zum ersten Mal in der Öffentlichkeit las Irene Leps aus ihren Beiträgen zum Thema "Anderort" vor, das in der Künstlergruppe "Alba Blau" vielseitig schöpferisch "bearbeitet" wurde.

Die "Basis" ihrer Texte ist weitgespannt. Es können "beobachtete Dinge sein, die ein Sinnbild ergeben, was so innerlich passiert", erzählt sie. Oder auch Beziehungsprobleme, denen sie sich mit Texten wie "vorschnell" oder "Feuersbrunst" stellt.

Die vorgetragene Lyrik von Irene Leps ist emotional, sinnlich, oft auch mit einem Schuss Ironie und mit Augenzwinkern. Es sind Texte, die mit Fantasie geschrieben sind und nicht minder viel Fantasie vom Zuhörer erfordern, zumindest zum Nachdenken und Deuten anregen.

Das sind Ansprüche, die auch die Texte von Simone Voss verlangen. Sie ist in einigen Anthologien vertreten, hat in künstlerischen Zeitschriften und Kalendarien und ebenso in der Lyrikreihe "Poesiealbum" des Aufbau Verlages Berlin veröffentlicht.

Für die Zerbster Lesung hat sie Texte aus ihren Büchern "Die Regnerin" und "Wünschelruten" ausgewählt.

Ihr Fantasiereichtum und ihre Bildhaftigkeit werden dem Zuhörer unter anderem bei dem Text "Skizze" erlebbar: "Ich leih dir meinen Mund, schenk dir zwei nasse Lippenfische, entwerf dir ein Lächeln, das schaukelt ganz spitz und halt bübisch dein schönes Felsengesicht wie ein Mond."

Zwischendurch und am Schluss der gut einstündigen Lesung gab es viel Beifall vom Publikum im gut besetzten Kulturkeller.