Bei den Rückbauarbeiten der Tribüne im Schlossgarten ist Mauerwerk des Mittelteils des Schlosses freigelegt worden. Diese Entdeckung führt nun zu einer Änderung in der Bauausführung der geplanten Böschung.

Zerbst l Den beiden Mauerelementen, die nahe des Corps de logis aus dem Boden ragen, ist kaum anzusehen, dass sie Jahrzehnte im Erdreich begraben waren. Eine Entdeckung, mit der nicht unbedingt zu rechnen war, wie Dirk Herrmann, Vorsitzender des Fördervereins Schloss Zerbst erklärt.

"Vor allem, dass Elemente in dieser Dimension zu Tage treten, war für uns nicht zu erwarten." Des Weiteren sind die Putze innen wie außen an den Elementen noch erhalten. "Es ist auch überraschend, dass optisch kein Unterschied zwischen der Fassade des Ostflügels in diesem Bereich und diesen Elementen zu sehen ist."

Kosten sinken

Am Dienstag erfolgte die Abstimmung mit Denkmalschutzvertretern, wie nun weiter verfahren wird. Der gefundene Konsens stellt alle Seiten zufrieden: Die Mauerelemente werden freigelegt, gesichert und zukünftig sichtbar bleiben. "Wir werden lediglich noch Maßnahmen zur Mauerkopfsicherung ergreifen, um die Elemente vor den Wettereinflüssen zu schützen", erklärt Amtsleiterin Kerstin Gudella.

Da die Elemente sichtbar bleiben sollen, wird die Ausführung der Böschung entsprechend angepasst und die Mauerelemente in die Böschung integriert. Der linke Böschungsfuß wird am letzten Stück Mauerelement enden. Damit verkürzt sich die Ausführung der Tribüne um sieben Meter.

Wer nun eine Kostenexplosion befürchtet, wird überrascht sein. Die einst in diesem Bereich geplante Winkelstützwand brauch nun nicht errichtet werden. "Somit werden die Kosten sogar günstiger", bestätigt Kerstin Gudella. Die weiteren Arbeiten werden durch diese Anpassung der Planungen jedoch nicht berührt, auch hat der Fund keine Auswirkungen auf den Zeitplan.

"Ich begrüße diese Entscheidung sehr, die Mauerelemente sichtbar zu lassen", sagt Dirk Herrmann. Sie dienen dazu, die Dimensionen der einst dreiflügeligen Schlossanlage zu verdeutlichen. Die Mauerelemente waren einst Teile der Fassade, die aus Richtung Garten zu sehen war. "Aufgrund der Niveauunterschiede befinden wir uns dort im Kellerbereich, wo einst Küchenräume untergebracht waren, die sich noch weiter in Richtung Mittelteil erstreckten."

Ende der Arbeiten im Mai

Dr. Holger Brülls vom Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege in Halle an der Saale überraschte dieser Fund nicht. "Wenn man die Historie des Schlosses bedenkt, wird unter der Erde noch jede Menge Struktur des einstigen Schlosses zu finden sein." Doch auch er betont die Bedeutung jener Pfeiler mit Fensteröffnung. "Ihre Bedeutung erwächst schon allein daraus, dass der Verlauf des Corps de logis sich daran sehr schön ablesen lässt."

Weitere Funde sind jedoch nicht zu erwarten. Die Arbeiten an der Böschung und deren Terrassierung laufen bereits auf Hochtouren. Die Bermen sind bereits deutlich zu erkennen, ebenso die Anrampungen. "Außerdem werden die Archäologen nicht tiefer in den Erdbereich eindringen. Lediglich im Bereich des Fundamentes der Treppen sind Grabungen vorgesehen, allerdings eher kleinräumig", sagt Kerstin Gudella.

Das Ende der Arbeiten an der terrassierten Böschung sind für Ende Mai vorgesehen. Während die Mauerelemente links die Böschung begrenzen, wird die Böschung auf der rechten Seite auf dem Niveau befinden, das später die Böschung entlang des Westflügelweges haben wird.

Bilder