Das Zerbster Prozessionsspiel gibt es jetzt auch im Film. Der achtminütige Streifen, für den auch in Zerbst gedreht wurde, ist Teil des Begleitprojektes zur Ausstellung "Umsonst ist der Tod. Alltag und Frömmigkeit am Vorabend der Reformation".

Zerbst l In der Ausstellung "Umsonst ist der Tod. Alltag und Frömmigkeit am Vorabend der Reformation" gehören die gezeigten Originaldokumente zum Zerbster Prozessionsspiel zu den besonders spektakulären Exponaten. Die Ausstellung war Ende September vorigen Jahres in Mühlhausen eröffnet worden und dort bis zum 13. April zu sehen. Ab dem 4. Juni ist das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig die zweite Ausstellungsstation.

Parallel dazu gibt es neue Folgen zum ausstellungsbegleitenden Filmprojekt "Himmlische Fundgrube", das vom Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung L.I.S.A. präsentiert wird. Kurator und Kirchenhistoriker Dr. Hartmut Kühne geht darin auf eine Entdeckungsreise auf den Spuren der Vorreformation in Mitteldeutschland. Die jüngste Episode trägt den Titel "Das Zerbster Prozessionsspiel". Hartmut Kühne und Kameramann Jens-Olaf Herz waren dafür im vorigen November zu Dreharbeiten in Zerbst (die Volksstimme berichtete).

Entstanden ist ein achtminütiger Film, der mit Bildern des Schlosses beginnt und auf die Zerstörung der Stadt und damit auch vieler Dokumente des Stadtarchivs eingeht. Zu den verschollen geglaubten Handschriften gehörte dabei jahrzehntelang auch das Zerbster Prozessionsspiel.

Der Film erzählt die Geschichte der Wiederentdeckung der Text- und Regiebücher im Februar 2012 durch Hannes Lemke im Zusammenhang mit Forschungsarbeiten im Historischen Stadtarchiv.

"Für die Fachwelt eine Sensation", heißt es auch im Film im Zusammenhang mit den Besonderheiten der Zerbster Originale. Das zu Fronleichnam in Zerbst aufgeführte Prozessionsspiel sei ein "überregional beachtetes geistliches Spektakel" gewesen, das immer zahlreiche Besucher anzog.

Die frühesten Informationen dazu gebe es aus dem Jahr 1504, erklärt Prof. Volker Honemann, der seit vielen Jahren auch zum Zerbster Prozessionsspiel forschende Germanist und Experte.

Er verweist ebenfalls auf noch ältere lateinische Überlieferungen, die den Spielablauf und den Weg durch Zerbst von St. Bartholomäi zu St. Nicolai und zurück darstellen.

Volker Honemann hat auch einige der alten Texte in ein modernes Deutsch übersetzt. Und Thomas T. Müller, Direktor der Mühlhäuser Museen, hat zusammen mit einer Passionsspielgruppe Szenen des Prozessionsspieles einstudiert.

Ein Experiment, das, wie es im Film heißt, deutlich macht, wie einem heutigen Publikum auch "bedeutende Kirchengeschichte hautnah vermittelt" werden kann.

Dritte Station der Wanderausstellung wird nach Leipzig vom 7. November 2014 bis zum 15. Februar 2015 dann das Kulturhistorische Museum Magdeburg sein. Zur Präsentation unter dem Titel "Am Vorabend der Reformation. Stätten der Frömmigkeit im späten Mittelalter" wird Zerbst einer der Korrespondenzstandorte mit einer eigenen Ausstellung sein.

Erwähnung findet die "einmalige Überlieferung", wie Hartmut Kühne das Zerbster Prozessionsspiel nennt, auch in einem weiteren gerade fertiggestellten Filmprojekt. Für den SWR hat Peter Prestel mit seinem Team den Doku-Zweiteiler "Das Mittelalter im Südwesten" produziert.

www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de