Familienfreundliche Bedingungen am Arbeitsplatz sind ein Schlüssel für stabile Beschäftigungssituationen. Dies zu fördern, ist seit Jahren Anliegen des Landkreises. Jetzt wurde der 2014-er Wettbewerb "Familienfreundliches Unternehmen" gestartet.

Köthen/Zerbst l Ganz bewusst am 15. Mai hatte Landrat Uwe Schulze (CDU) zur Auftaktveranstaltung des diesjährigen Wettbewerbs "Familienfreundliches Unternehmen im Landreis Anhalt-Bitterfeld 2014" eingeladen. "Denn heute ist der Internationale Tag der Familie." Bereits zum siebten Mal gab es einen solchen Auftakt, und mittlerweile 44 Unternehmen und Einrichtungen im Landkreis haben den Preis des Landkreises mit Siegel, Plakette und Unterschrift überreicht bekommen.

"Mit Familienfreundlichkeit wollen wir für einen attraktiven Wirtschaftsstandort werben", so Schulze. Die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei eine der "zentralen Antworten auf die Herausforderungen des demografischen Wandels. Angesichts eines steigenden Fachkräftebedarfes wird eine familienbewusste Arbeitswelt zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor."

Tatsächlich hat "Familienfreundlichkeit" viele positive Effekte: Qualifizierte Fachkräfte achten auf diesen "weichen" Berufsfaktor, die Arbeitsleistung steigt dank guter Motivation, zufriedene Mitarbeiter sind seltener krank, und nicht zuletzt steigt das Ansehen des Unternehmens in der Öffentlichkeit.

Der Landrat warb ausdrücklich für die Teilnahme am Wettbewerb. Zwar sei die Anzahl von 44 bislang bereits ausgezeichneten Unternehmen nicht gering, jedoch würden im Landkreis über 3000 Unternehmen existieren. "Hier ist noch erhebliches Potenzial vorhanden", so Schulze.

Natürlich ist das Siegel auch als Stimulanz gedacht für Firmen, die sich bislang nicht so intensiv um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bemühen mussten. "Für 90 Prozent der Beschäftigten zwischen 25 und 39 mit Kindern ist Familienfreundlichkeit ebenso wichtig oder sogar wichtiger als das Gehalt. Aber auch bei den Beschäftigten ohne Kinder steht bei 70 Prozent Familienfreundlichkeit im Unternehmen hoch im Kurs", sagte Petra Lindner, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises. Aus einer Personalmarketingstudie des Jahres 2010 zitiert sie: "Mehr als drei Viertel der jungen Beschäftigten würden für mehr Familienfreundlichkeit den Arbeitgeber wechseln. Somit ist familienbewusste Personalpolitik und deren Kommunikation für die Mitarbeitergewinnung und -bindung ein wichtiger Faktor."

Die Handelshof Bitterfeld GmbH gehörte im Jahr 2012 mit zu den Preisträgern. "Wir legen bei uns sehr viel Wert auf Kollegialität, die Mitarbeiter sollen sich wohlfühlen", berichtete Geschäftsführer Heiko Schnarr laut "Mitteldeutscher Zeitung". Den Kunden wolle man ein verlässlicher Partner sein. Das schließe auch ein, dass die Mitarbeiter zufrieden sind, dass sie ihre Arbeit gern tun und das auch nach außen ausstrahlen. Arbeitszeitkonten, Teilzeit, das Ansammeln und Abbummeln von Stunden, zusätzliche Urlaubstage, wenn der Mitarbeiter nicht krank ist - das sind einige Punkte, mit denen sich das Unternehmen familienfreundlich zeigt. Die Beschäftigung mit dem Wettbewerb führte auch dazu, dass ein Besprechungsraum zu einem Spielraum umgestaltet und mit Spielzeug ausgestattet wurde. Mitarbeiter, die ihr Kind für ein paar Stunden mit in die Firma bringen müssen, können ihren Schützling in den Spielraum geben und ihrer Arbeit nachgehen. "Man kann aber nicht jeden Wunsch erfüllen", räumte Heiko Schnarr ein.

Nach Ansicht von Sabine Edner, Chefin der Arbeitsagentur Dessau-Roßlau-Wittenberg, ist der Wettbewerb des Landkreises ein guter Weg, familienfreundliche Aktivitäten in den Unternehmen transparent zu machen. "Viele machen schon etwas, nur wir wissen es nicht", sagte sie. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei zu einem Wettbewerbsvorteil geworden, wer das praktiziere, werde die Fachkräfte behalten und neue gewinnen.

Der auf Landkreisebene veranstaltete Wettbewerb hat neben der Arbeitsagentur Dessau-Roßlau die IHK Halle-Dessau, das lokale Bündnis für Familien in Anhalt-Bitterfeld, die Kreishandwerkerschaften Anhalt-Bitterfeld und Anhalt-Bernburg/Köthen in der Jury. Erstmals unterstützen dabei die Gleichstellungbeauftragte des Kreises, der Arbeitskreis SchuleWirtschaft und die Beauftrage für Chancengleichkeit am Arbeitsmarkt der Arbeitsagentur den Wettbewerb.