Zwischen Güterglück und Gödnitz soll eine Fläche als Windenergie-Eignungsgebiet ausgewiesen werden. Dagegen hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die bislang über 1400 Unterschriften sammelte. Kürzlich verfasste sie einen zweiten offenen Brief an den Zerbster Bürgermeister Helmut Behrendt, in dem sie ihm Alternativstandorte für Windräder vorschlägt. Daneben wandte sie sich an das Landesverwaltungsamt. Das soll prüfen, ob es rechtens war, wie die Stadt bei der Erstellung des neuen Windenergie-Teilplans vorging.

Güterglück. "Bis heute haben wir keine Antwort auf unseren offenen Brief bekommen." Bei dem Treffen der Bürgerinitiative vorgestern Abend informierte Katrin Sadurski ihre Mitstreiter, dass der Zerbster Bürgermeister Helmut Behrendt bislang in keiner Form auf ihr Schreiben reagiert hat, in dem sie für Unterstützung für ihr Anliegen baten. Anstatt zwischen Güterglück und Gödnitz Windräder zu errichten, sollten die touristischen Potenziale in der Region weiter entwickelt werden, findet die Initiative. Daneben setzt sie sich für den Erhalt der Lebensqualität der Bürger im ländlichen Raum sowie die Bewahrung der vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt ein.

All das legte die Gruppe ausführlich in ihrem Brief dar, den Katrin Sadurksi am 8. November an Helmut Behrendt überreichte. Gleichzeitig gab sie ein gleichlautendes Exemplar im Sekretariat des Zerbster Stadtrates ab, denn das Schreiben richtete sich ebenfalls an die Stadtratsmitglieder. Doch auch von dieser Seite blieben Äußerungen aus.

Die Bürgerinitiative verfasste nun einen zweiten offenen Brief, den sie am Dienstag per Einschreiben verschickte. Adressat ist diesmal nur der Zerbster Bürgermeister. Sein Nichtreagieren und das des Stadtrates interpretiert die Initiative dahingehend, dass "Sie (Helmut Behrendt, Anm.d.Red.), ihre Verwaltung und die parlamentarischen Mehrheiten umfassend hinter ihrer Entscheidung stehen, im Stadtgebiet von Zerbst Windenergieanlagen vermehrt aufzustellen". Deshalb schlägt sie ihm vor, Windräder vorrangig auf Flächen zu errichten, die der Stadt ohnehin gehören beziehungsweise von ihr zu diesem Zweck erworben werden könnten.

"Dies hätte für alle Bürger den Vorteil, dass neben den nicht unerheblichen Einkünften für das Haushaltsbudget der Stadt, laut aktueller Angebote fremder Investoren 23 500 Euro pro Jahr und Windrad, dies nur für die Flächennutzung, auch wertvolle Flächen für Wohnen, Naturschutz und Tourismus nicht belastet werden. Hinzu kommt die Möglichkeit, dass die Stadtwerke der Stadt Zerbst als Investor und Betreiber selber agieren könnten und weitere wesentliche wirtschaftliche Effekte für alle Bürger der Stadt und Ortsteile erreicht werden könnten", argumentiert die Bürgerinitiative in ihrem Brief.

Stillgelegte Bahntrasse touristisch nutzen

Als geeignete Flächen listet sie zum einen das Industriegebiet am Ahornweg zwischen B 184 und Biaser Straße, 187a, auf. Zum anderen hat sie Areale parallel zur B 184 in Richtung Magdeburg im Blick, die an das Gewerbegebiet Feuerweg anschließen.

Neben der ernsthaften Betrachtung ihres Vorschlages erwartet die Bürgerinitiative von Helmut Behrendt sein Mitwirken bei der planerischen touristischen Entwicklung des Gebietes Gödnitz-Güterglück. Sie denkt da beispielsweise an eine Nutzung der stillgelegten Bahntrasse Güterglück-Barby als Draisinenstrecke. Um weitere Ideen zu sammeln, sollte man sich mal gemeinsam mit dem Heimatverein Güterglück Gedanken machen, meinte Hans-Georg Brosig. Der Verein jedenfalls teilt die Interessen der Bürgerinitiative. Sein Vorsitzender Dr. Jürgen Baumgart kann nicht verstehen, wie die Stadt einfach zustimmen konnte, dass zwischen Gödnitz und Güterglück ein Areal als Vorranggebiet für Windenergie ausgewiesen werden soll. Seinem Demokratieverständnis nach hätten die Bürger vorab informiert und auch der Ortschaftsrat mit einbezogen werden müssen.

Genau darum dreht sich der Brief, den die Bürgerinitiative Mitte Dezember an das Landesverwaltungsamt (LVA) in Halle geschrieben hat. Das soll prüfen, ob das Vorgehen der Stadt rechtens war. In Vertretung von Helmut Behrendt hatte Bau- und Ordnungsdezernent Andreas Fischer bei der Regionalversammlung der Planungsgemeinschaft Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg für den neu erstellten Teilplan zur Windenergienutzung gestimmt und damit für die Ausweisung der Fläche zwischen Güterglück und Gödnitz. Im Vorfeld wurden weder die betroffenen Ortschaftsräte zu der Thematik angehört, noch gab es irgendwelche Beschlüsse.

An Landesregierung mal herantreten

Während die Antwort aus dem LVA noch aussteht, konnte Hans-Georg Brosig seinen Mitstreitern am Donnerstag den Umweltbericht zum Windenergie-Teilplan präsentieren, den er von Andreas Fischer erhalten hatte. Dieser sieht keine Beeinträchtigungen für Natur und Mensch, wenn zwischen Gödnitz und Güterglück Windräder errichtet werden. Die Initiative konnte darüber nur den Kopf schütteln.

Um den Umweltbericht jedoch nach fachlichen Lücken zu durchforsten, müssten sie sich darin vertiefen, bemerkte Hans-Georg Brosig. Seiner Meinung nach ist es auch wichtig, dass sich junge Leute gegen den Windpark positionieren. Schließlich gehe es um ihre zukünftige Lebensqualität. Er regte ferner an, dass sich die Heimatvereine von Güterglück und Walternienburg ebenfalls mit Briefen an Helmut Behrendt wenden. Zudem schlug er vor, an die Landesregierung heranzutreten. Jürgen Baumgart warf die Überlegung in den Raum, einen Landtagskandidaten für ihr Anliegen zu gewinnen. Immerhin sind bald Landtagswahlen, über deren Boykott die Initiative ebenfalls nachdachte.

Diese trifft sich am 20. Januar ab 19 Uhr das nächste Mal in der Güterglücker Gaststätte "Ossi‘s Lokschuppen".