Die Vorhänge sind abgenommen. Das "Kunst Fenster" in der Zerbster Breite 12 gewährt neue Einblicke. Für die kommenden sechs Wochen sind das Arbeiten des Dessauer Malers Gerald Götze. Das noch junge "Kunst Fenster" ist ein aus dem Zerbster Künstlerstammtisch entstandenes Projekt.

Zerbst. "Wir wollen dazu motivieren, sich mit Kunst zu beschäftigen. Dabei geht es nicht in erster Linie ums Selbermachen, sondern um ein Heranführen." Das Ziel, das Initiator Jörg Albert für das Zerbster "Kunst Fenster" benennt, geht immer mehr auf. Seit der Ladenraum im vergangenen September erstmals ausgestaltet wurde, "ist die Resonanz sehr gut. Inzwischen warten die Leute auch darauf, dass es immer wieder etwas Neues gibt".

Jörg Albert war als Vorsitzender des Vereins Farbton angesprochen worden, ob er Interesse hätte, das Geschäft in der Breite 12 als Ausstellungsfläche zu mieten. "Für uns allein wäre es schwer machbar gewesen und für die Betrachter vielleicht auch zu langweilig", erzählt er und dass so die Überlegung entstand, das "Kunst Fenster" zu einem Gemeinschaftsprojekt zu machen. Zumal es "ein sehr guter Standort ist" und es auch ein gutes Miteinander mit der Vermieterin gibt.

So wurden Sabine Brauns, Gerald Götze, Michael Schumacher, Stefan Kotschinski, Ute und Jörg Albert sowie Peter Haake, allesamt künstlerisch aktiv, zum "Kunst Fenster"-Team. Nach zwei gemeinsamen Präsentationen wollen sie sich jetzt zunächst einzeln mit ihren Arbeiten vorstellen. "Ab kommendem Jahr wollen wir auch mal Gastkünstler zeigen", blickt Jörg Albert voraus, der sich dabei auch eine engere Zusammenarbeit mit der Zerbster Partnerstadt Jever vorstellen kann.

"Ab kommenden Jahr Gastkünstler"

Den Anfang der Einzelausstellungen macht Gerald Götze. "Farbige Impressionen & impressionable Couleurs" zeigt der 67-jährige Dessauer in den kommenden sechs Wochen. Eine Auswahl aus 20 Bildern ist das, die auch zum 20-jährigen Jubiläum der deutschen Einheit und des Landesinnungsverbandes in Halle zu sehen waren.

Gerald Götze, Malermeister, Restaurator im Handwerk und zuletzt Fachbereichsleiter bei der Handwerkskammer Halle, ist seit zweieinhalb Jahren "im Unruhestand". In dem spielt für den Familienvater neben Haus und Hof das vom Beruf inspirierte Malen und Zeichnen eine wesentliche Rolle. "Reiseskizzen, Landschaften, Stillleben in Aquarell- und Acryltechnik" entstehen unter anderem.

In seinen Arbeiten, auch den jetzt in Zerbst zu sehenden, die Farben auf ganz unterschiedliche Weise darstellen und verarbeiten, auf den Betrachter wirken lassen wollen, sieht sich der Dessauer "mehr als Materialist. Die Bilder sind geprägt vom handwerklichen Ursprung".

Zur zweiten Auflage von "Kunst Stadt(t) Mauer" 2010 hat Gerald Götze ein mehr als 25 Meter langes Bild der Zerbster Stadtmauer gezeigt. Entstanden ist zusammen mit Jörg Albert auch ein Zerbster Kalender "Mauerstücke" mit zeitgenössischen Ansichten.

"Hier wächst etwas zusammen"

Die "Kunst Fenster"-Truppe gehört zum Zerbster Künstlerstammtisch. Vor einigen Jahren aus loser Gesprächsrunde bei den Zerbster Kulturfesttagen entstanden, zählt er derzeit 13 künstlerisch tätige Mitglieder aus Zerbst und dem Umland, bis nach Dessau-Roßlau. "Hier wächst etwas über Grenzen hinaus zusammen", verweist Jörg Albert darauf, dass das noch nicht überall so unkompliziert der Fall ist.

Ob Künstlerstammtisch, "Kunst Fenster" oder Farbton e.V. – auf einige interessante Dinge, teils auch übergreifend organisiert, darf sich Zerbst in diesem Jahr freuen.

Zunächst werden sich die Künstler wieder an den Zerbster Kulturfesttagen beteiligen, ihre Arbeiten vom 12. Februar bis zum 12. März in der Hobbyausstellung im Museum zeigen.

Der Künstlerstammtisch möchte sich 2011 unter anderem auch mit einer Ausstellung beim Elbauenfest in Walter- nienburg präsentieren.

"Zwei Veranstaltungen im Jahr, so ist die Überlegung, wollen wir auch im Kulturkeller Breite 12 gestalten", sagt Jörg Albert. Die erste ist für Ende März/Anfang April als Lesung mit Stefan Kotschinski geplant.

Vorbereitet wird die dritte Auflage der Kunstmeile "Kunst Stadt(t) Mauer". "Qualitativ noch hochwertiger" soll sie in diesem Jahr werden, freut sich Jörg Albert über bereits zugesagte, dabei helfende Landesunterstützung. Neben verschiedenen Vorführungen, die es zur Kunstmeile direkt am 10. Juli geben soll, wird erstmals am Vorabend auch ein Konzert zu erleben sein. Es ist eine Zusammenarbeit mit dem Internationalen Förderverein "Katharina II.".

Für Jörg Albert ist das hier und grundsätzlich ein wichtiger Gedanke: "Wenn wir als Vereine in Zerbst an einem Strang ziehen, können wir auch viel mehr erreichen, als wenn jeder nur seins macht und sieht."

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