Der Dioxin-Skandal weitet sich aus. 180 belastete Schweine sind nach Sachsen-Anhalt geliefert worden (Volksstimme berichtete). Wie reagieren die Kunden auf das konterminierte Futtermittel? Sind sie zurückhaltender beim Kauf? Die Volksstimme hat sich auf dem Wochenmarkt umgehört.

Zerbst. Gleich mehrere Fleischerstände stehen auf dem Markt. Die werden von Kunden zwar nicht "umgerannt", aber überall haben die Verkäuferinnen gut zu tun. "Ich habe überhaupt keine Umsatzeinbrüche", so Händlerin Roswitha Zell. Auf einem Tisch unter der Zeltplane bietet die Frau aus Walternienburg beispielsweise Nudeln, Wurst – und auch frische Eier an.

Ist den Kunden nach dem Dioxin-Skandal nicht der Appetit auf ein Frühstücksei vergangen? "Auf gar keinen Fall", schüttelt Kundin Beate Bollinger den Kopf und kauft eine 12er-Packung Eier. Allerdings sagt sie auch. "Gerade Eier kaufe ich nicht überall ein. Ich bin ganz bewusst auf den Wochenmarkt gekommen. Ich bin ganz sicher, dass es hier nur gesunde Lebensmittel gibt", so die Kundin aus Zerbst.

"Unserem Bauern vertrauen wir"

Im benachbarten Verkaufsauto gehen Leber-, Brat- und Rotwurst über den Ladentisch. Auch frisches Schwei- nefleisch wird angeboten und verkauft. Dabei wurden doch 180 belastete Schweine nach Sachsen-Anhalt geliefert. "Aber nicht zu uns! Das kann ich garantieren", so Angelika Starke. "Unser Betrieb schlach- tet die Tiere noch selber, damit sind wir eine ganz große Ausnahme in der Region. Andere Betriebe kaufen nur die Tiere ein." Und: "Unsere Schweine kommen von einem Bauern, dem wir seit Jahrzehnten vertrauen können", nickt sie. "Er holt das Futter für die Tiere von seinen eigenen Äckern. Dadurch garantiert er uns und wir unseren Kunden, dass nur ganz gesundes Futter verfüttert wird, nur ganz gesundes Fleisch über unsere Ladentheke geht. Wir haben keine Umsatzeinbrüche!"

Unterwegs auf dem Markt sind auch Margrit und Dieter Bergholz. "Wir kaufen nach wie vor Eier, Geflügel und Schweinefleisch ein", sagt das Paar. "Wir lassen uns von dem ganzen Dioxin-Gerede nicht verrückt machen", so Dieter Bergholz. "Wenn das was beispielsweise im Fleisch war, dann haben wir das doch schon längst gegessen." Ihr Mann ist allerdings sauer: "Die Politiker hätten viel eher was machen müssen. Jetzt, hinterher, da ist das Geschrei groß. Jetzt sollen stärkere Kontrollen kommen, das hätte schon viele eher passieren müssen!"

Ein paar Schritte weiter das nächste Fleischermobil. Hier sind Carola Tetzlaff und Marion Wolf emsig dabei, ihre Kunden zu bedienen. Schweinemast GmbH Loburg steht an dem Wagen. Deren Geschäftsführerin Erika Hönl: "Wir haben beim Umsatz der Direktvermarktung, wie beispiels- weise auf dem Zerbster Wochenmarkt keine Umsatzrückgänge."

"Die Preise sind stark gefallen"

Dann führt sie ein großes Aber an: "Der Umsatz in diesem Bereich macht auch nur einen kleinen Anteil unserer Einnahmen aus. Den größten Teil liefern wir an den Schlachthof und da ist die Situation eine völlig andere." Von dort bekomme sie immer öfter zu hören, dass der Schlachthof durch den Dioxin-Skandal immer weniger Tiere verkaufen kann, ganze Länder haben den Import von Schweinefleisch aus Deutschland komplett gestoppt. "Die Preise für Schweinefleisch sind stark gefallen. Innerhalb weniger Wochen von 1,48 Euro pro Kilogramm auf 1,35 pro Kilogramm. Aber unsere Kosten wie beispielsweise für Futter, den Transport, bleiben doch die selben."

Und die dynamische 70-jährige Frau weiß: "Unsere Tiere bekommen nur das hochwertigste Futter, den besten Weizen beispielsweise. Qualität kann man nur mit Qualität erzeugen und die hat nun mal ihren Preis. Den ist allerdings nicht jeder bereit zu zahlen." Deshalb käme für sie der Dioxin-Skandal auch nicht wirklich überraschend: "Wenn alles nur billig sein muss, wenn sogar damit geworben wird, dass es Fleisch zu Schnäppchenpreisen gibt, muss man sich über die Auswüchse dieser Geiz-Mentalität nicht wundern. Unser Betrieb kann auch keine Qualität billig produzieren."

Außerdem ist sie eine strikte Gegnerin von riesigen Schweinemastanlagen. "Die werden doch nur gebaut, damit Fleisch noch billiger wird! Kann das wirklich das Ziel sein?", fragt sie.

Die Preisrückgänge, die Erika Hönl derzeit beim Schlachthof einstecken muss, will sie mit der Direktvermarktung kompensieren. "17 Leute sind dafür unterwegs und die Kunden kommen nach wie vor gern."

   

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