Zerbst l 350 von insgesamt 1200 Wahlberechtigten hatten gestern gegen 15 Uhr im Wahllokal 2 Rathaus ihre Stimmen zur Europa- und Kommunalwahl abgegeben. Wer das Rathaus betrat, steuerte direkt auf die Aufsteller mit den Muster-Wahlzetteln zu und konnte sich dort belesen oder auf die Hilfe im Wahllokal zurückgreifen: Jeweils ein Kreuz auf den Stimmzettel für die Europa- und die Landratswahl, drei Kreuze auf den Stimmzetteln für Kreistag und Stadtrat.

Wer seine vier Wahlzettel in die Urnen geworfen hatte, hatte sich durch mehr als zwei Meter Papier gearbeitet. In den Ortschaften waren es sogar zweieinhalb Meter gewesen, weil die Wahlberechtigten dort in einer fünften Abstimmung noch über die Mitglieder ihres Ortschaftsrates entschieden.

Lediglich am Vormittag zwischen neun und halb zehn war der Andrang im Wahllokal 2 etwas größer gewesen. Im eingespielten Wahlvorstand um Jutta Kluge gab es zwei neue Wahlhelfer, für die "learning by doing" (Lernen beim Tun) galt.

Mucksmäuschenstill war es um 15.30 Uhr im Wahllokal 5 im Sporthotel Wallwitz. Es dauerte, bis die nächsten Wähler ihre Wahlscheine vorzeigten und ihnen die Stimmzettel ausgereicht wurden. Als "fließend" beschrieb Gisela Fröbel den Ablauf im Wahllokal. Kein Andrang, nur zwischen 10 Uhr und mittags ein etwas größeres Interesse. Aber nicht vergleichbar mit der Bundestagswahl im letzten Herbst. Von mehr als 800 Wahlberechtigten hatten sich gestern Nachmittag erst 220 an der Wahlurne eingefunden. "Bislang läuft alles gut", sagte Gisela Fröbel. Auch zu ihrem Team gehörten vier neue Wahlhelfer.

Einen Wahlvorstand mit "drei jungen hübschen Männern", wurde im Wahllokal 10 in der Kreisvolkshochschule gescherzt. Hier lag die Wahlbeteiligung kurz vor 16 Uhr bei 23 Prozent. Auf Wartezeiten mussten sich die Wahlberechtigten nicht einstellen, höchstens ein "kurzer Stau" wurde mal registriert.

"Wir hatten überhaupt keine Langeweile", berichtete Ute Schilling für das Wahllokal 7 im Hort Kunterbunt (Astrid-Lindgren-Grundschule). Da es vier Wahlen seien, dauere es auch seine Zeit, bis jeder einzelne Wähler durch sei. Hin und wieder gebe es ein bisschen Stau. Von den etwa 1400 Wahlberechtigten hatten bis kurz nach 16 Uhr rund 500 Bürger (davon 120 Briefwähler) ihre Stimmen abgegeben und es herrschte immer noch ein Kommen und Gehen.

Auf gut 30 Prozent schätzte auch Ulrike Bartels um 16.30 Uhr die Wahlbeteiligung im Lokal 6 Gymnasium Francisceum. Lediglich am Vormittag sei der Andrang ein bisschen größer gewesen, ohne dass es zu längeren Wartezeiten gekommen sei. "Wir haben nur eine Kabine für die Europawahl. Wenn da einer länger braucht, staut es sich ein wenig."

Wie in den anderen aufgesuchten Wahllokalen gab es auch im Francisceum bis zum späten Nachmittag keine besonderen Vorkommnisse. Nicht einmal eine Lesebrille hatte, wie das schon öfter mal passiert war, ausgeborgt werden müssen. Die Wahlhelfer, darunter fünf "alte Hasen" und vier neue, waren auf das Auszählen gespannt. "Vier Wahlen auf einmal hatten wir auch noch nicht", berichtete Ulrike Bartels.

Das Wahllokal 1 Katharina-Saal in der Stadthalle war ein repräsentatives Wahllokal, das heißt, seine Ergebnisse flossen in Prognose und Hochrechnungen ein.

Zurück ins Wahllokal 2. Dort gaben die letzten Wähler eine Minute vor 18 Uhr ihre Stimmen ab. Pünktlich erklärte Jutta Kluge die "Wahlhandlung für beendet". Zwei Tische wurden zusammengeschoben, die Wahlurne mit den Stimmzetteln der Europawahl geleert. Die Wahlhelfer brachten die in vier Viertel gefalteten Zettel wieder auf Länge, sortierten sie in gültige und ungültige Stimmen. Auf dem Fußboden, unter den wachen Blicken von Katharina II. hoch zu Ross, bildeten sich zwölf, 13 und mehr Stapel - so vielfältig verteilten die Zerbster ihre Stimmen.

Beim Auszählen fehlten im Vergleich zum Verzeichnis zehn Stimmen. Die Vermutung, dass sie nur in einem großen Stapel "verloren gegangen" sein können, bewahrheitet sich nicht. Das ganze Team atmete auf, als klar war, dass keiner falsch gezählt hatte. Auf dem Weg von der Ansage zum Niederschreiben waren aus 14 Stimmen nur noch vier geworden.

Die Landratswahl war in knapp einer Viertelstunde ausgezählt. Amtsinhaber Uwe Schulze lag mit 156 Stimmen deutlich vor Kathrin Hinze mit 110 Stimmen. Ronald König und Daniel Roi hatten sich mit 26 und 28 Stimmen ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert.