800 Jahre Wertlau wurden mit "Lichtblicken" für die Kirche gefeiert. Ein Engel spielte eine zentrale Rolle.

Wertlau l Im ältesten Gebäude des Ortes, nämlich in der Kirche, fand der Auftakt zum Festwochenende 800 Jahre Wertlau statt. Pfarrer Albrecht Lindemann begrüßte die Wertlauer und ihre Gäste, darunter auch den Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD). Lindemann und seine Kollegin Pfarrerin Salome Quos gestalteten den Festgottesdienst. Für die musikalische Umrahmung sorgte der Posaunenchor Zerbst unter der Leitung von Landesposaunenwart Steffen Bischoff. Pfarrer Lindemann bezog seine Predigt auf die Kirche, die von längst vergangenen Zeiten zeugt, die wohl einst als Zufluchtsort diente und auch zukünftig einladen soll, Ruhe zu finden.

Vielleicht wird der "Wertlauer Engel" in Zukunft die Menschen hier empfangen, so Lindemann. Damit schlug er die Brücke zu dem kleinen Miniaturfenster, das während des Gottesdienstes in einem der großen Fenster der Kirche schon Blicke auf sich zog. Die Figur eines Engels zeichnet sich schemenhaft in dem Glaskunstwerk ab. Die roten Flügel treten plastisch hervor. Das Exponat ist ein Entwurf von Glaskünstlerin Hella Santarossa. Dr. Holger Brülls vom Landesamt fu¨r Denkmalpflege Sachsen-Anhalt, Denkmalpfleger fu¨r die Region und Kurator der Ausstellung "Glanzlichter - Meisterwerke moderner Glasmalerei" im Naumburger Dom mit Werken von 30 der besten Glasku¨nstler Deutschlands, hat die Berlinerin nach Wertlau geholt.

Neben dem Exponat, dem "Wertlauer Engel", für die Ausstellung, war sie von der Kirche so begeistert, dass sie sich nicht davon abbringen ließ, etwas für den ganzen Kirchenraum zu entwerfen. Den Entwurf stellte sie den Wertlauern vor: ein nach oben dunkler werdendes himmlisches Blau an den Wänden, in allen zwölf Fenstern werden Engel gestaltet, ähnlich dem Entwurf, doch jeder individuell. "Ich würde mich freuen, wenn es ihnen gefällt", wandte sie sich an das Publikum und war für Fragen und Erklärungen offen.

"Bestechend schön", fand Dr. Brülls den Vorschlag, "für dessen Umsetzung es Mut und Mittel bedarf". Davon sollten sich die Wertlauer nicht abschrecken lassen, so Dr. Brülls. "Die Kirche könnte zum Magneten werden", wagte der Wertlauer Udo Süßdorf zu träumen, der glaubt, dass die meisten seiner Mitbürger positiv eingestellt wären. Man müsse sich entwickeln, ist er überzeugt, da sei es ein Wahnsin, wenn so ein Vorhaben von einer international anerkannten Künstlerin umgesetzt wird.

Immerhin hat es Wertlau damit schon in das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung geschafft. "Ich bin gespannt, wie das Projekt aufgenommen wird", erklärte Andreas Dittmann, der sich von der Aktion beeindruckt zeigte. Ebenso gespannt sei er darauf, welche Aussicht es auf Erfolg hat, angesichts der Kulturpolitik des Landes. Dr. Brülls gab zu bedenken, dass ein Vorgehen auch in kleinen Schritten möglich sei.

800 Jahre Wertlau sind nun womöglich der Anfang, dass das älteste Gebäude des Dorfes in ganz neuem Licht erscheint. Von der Kirche wechselte das Geschehen auf den Festplatz am Spielplatz. Ein Festkommitee hatte sich für die Jubiläumsfeierlichkeiten zusammengetan, um die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen. Ein reichhaltiges Kuchenbüffet erwartete die Gäste. Spiel und Spaß sorgten für Abwechslung bei den Kindern. Eine Schmalfilmvorführung, Tanz und Einlagen rundeten den Sonnabend, ein Frühschoppen den Sonntag ab.

 

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